15.03.2020

Tore satt mit bitterem Ende

In dieser Woche vor 40 Jahren

Der März 1980 ist für den BFC Dynamo ein durchaus besonderer Monat. Der Titelverteidiger, der in der vorhergehenden Saison erstmals DDR-Meister geworden war, liegt in der Oberliga nach dem 14. Spieltag zwar nur an zweiter Stelle zwei Punkte hinter seinem ärgsten Rivalen Dynamo Dresden, in die Rückrunde starten die Schützlinge von Trainer Jürgen Bogs mit einem souveränen 3:1 beim zu Hause bislang ungeschlagenen FC Karl-Marx-Stadt und drehen danach richtig auf.

Gleich zu Beginn des Monats hauen die Dynamos in ihrem 600. Erstligaspiel auf die Pauke, im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark fertigen sie Stahl Riesa mit 9:1 ab, wobei bereits nach 33 Minuten die Weichen mit 4:0 auf Kantersieg gestellt sind. Mann des Tages ist Mittelstürmer Hartmut Pelka, dem vier Treffer gelingen, Kapitän Frank Terletzki ist mit einem Doppelpack, darunter einer direkt verwandelten Ecke, dabei. Für die drei restlichen BFC-Treffer sorgen Ralf Sträßer, Hans-Jürgen Riediger und Reinhard Lauck. Den Ehrentreffer für die zumeist hoffnungslos unterlegenen Riesaer erzielt Eberhard Lippmann zum 1:4-Zwischenstand (54.).

Dieser haushohe Sieg gelingt zwar gegen einen Gegner, der nicht als Maßstab gilt (die Stahl-Elf rutscht nach diesem Debakel auf Abstiegsplatz 13 ab), kommt als halbwegs gelungene Einstimmung auf das Viertelfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister vier Tage später bei Nottingham Forest aber gerade recht. Es ist erstaunlich, mit welchem Selbstvertrauen der DDR-Meister im City-Ground gegen den Titelverteidiger auftritt. Natürlich bestimmt der Gastgeber über weite Strecken das Spiel, doch Forest-Manager Brian Clough erkennt nach dem 0:1, das Hans-Jürgen Riesiger gegen Englands Nationaltorhüter Peter Shilton gelingt (63.), an: „In den Gegenstößen Dynamos steckten Kraft und Witz.“

Dieser eigentlich als unglaublich eingeschätzte Triumph trägt auch im nächsten Punktspiel, dem Match beim Tabellenfünften 1. FC Magdeburg. Die Magdeburger, seit vier Jahren zu Hause ungeschlagen, erleben das Ende ihrer Serie. Wie schon in Nottingham siegt der BFC erneut 1:0, diesmal dank eines Freistoßtreffers von Frank Terletzki. Dabei fällt dieses Tor auf ziemlich kuriose Weise. Obwohl der BFC-Kapitän als Meister der ruhenden Bälle gilt, verzichten die Magdeburger auf eine Abwehrmauer. Sie vertrauen der Stärke ihres Torhüters Dirk Heyne, schließlich liegt der Ball in einer Entfernung zum Kasten von 35 Metern. Die Dynamos dagegen vertrauen der Schussgewalt ihres Mittelfeld-Antreibers und können ihr Glück kaum fassen, dass die Kugel bei der ziemlich ungelenken Parade Heynes ihren Weg zum goldenen Tor findet (29.). Die Berliner bringen den Doppelpunktgewinn auch deswegen ungefährdet nach Hause, weil Magdeburgs Mittelfeldmann Wolfgang Steinbach wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen wird (65.).

Einmal in Fahrt, bekommt im nächsten Punktspiel Aufsteiger Chemie Leipzig die ganze Wucht des Titelverteidigers zu spüren. 10:0 heißt es am Ende einer einseitigen Partie, in der sich Hartmut Pelka, Hans-Jürgen Riediger (je 2), Ralf Sträßer, Wolf-Rüdiger Netz, Frank Terletzki, Rainer Troppa, Roland Jüngling und Norbert Trieloff in die Torschützenliste eintragen und in der Pelka mit dem 7:0 (58.) das 1000. Tor für den BFC in der Oberliga erzielt.
Allerdings verbietet sich mit dem siebten zweistelligen Resultat in der Geschichte der höchsten Spielklasse der DDR ein Gedanke an das Rückspiel im Meistercup. „Das 10:0 kann keinerlei Generalprobe gewesen sein“, mahnt Jürgen Bogs, „weil die Partie gegen Nottingham eine völlig andere Einstellung sowohl von der Spielanlage als auch von der Taktik verlangt.“ Recht hat der Trainer, denn nach dem bisherigen Höhenflug erscheint der 19. März wie ein schwarzer Mittwoch. Die Dynamos, im diesjährigen Wettbewerb bisher ungeschlagen, werden gewogen und für zu leicht befunden. Bereits zur Pause haben Trevor Francis mit einem Doppelpack (16., 35.) und John Robertson (39., Foulelfmeter) die Hoffnung des DDR-Meisters auf das Halbfinale zerstört. Selbst ein Elfmetertor von Frank Terletzki zum 1:3 (49.) kann diese Hoffnung nicht zurückbringen.
Der März 1980, der mit Toren satt so sensationell begonnen hatte, hält für den DDR-Meister ein ziemlich bitteres Ende parat.

Von Andreas Baingo

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