08.07.2018

Ostzonen-Titel an Planitz

In dieser Woche vor 70 Jahren

Es ist eine harte Zeit sowohl im Westen wie im Osten Deutschlands drei Jahre nach Ende des II. Weltkrieges. Zwar sind weder die Bundesrepublik noch die Deutsche Demokratische Republik gegründet, aber Fußball wird längst wieder gespielt. Wohl müssen sich im Osten, in der Sowjetischen Besatzungszone, die einst bürgerlichen Vereine umbenennen, aber das geht nur schrittweise voran. So nehmen an der erstmals ausgespielten Ostzonen-Meisterschaft im Sommer 1948 zum Großteil Mannschaften teil, deren Namen in den Zeiten der DDR ziemlich schnell verschwinden und manche auch nach der Vereinigung nicht wieder auftauchen, zumindest im überregionalen Fußball nicht.

Startberechtigt an der Meisterschaft der deutschen Ostzone sind jeweils zwei Vertreter der Länder Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Nicht spielberechtigt sind Mannschaften aus Berlin, da für die alte Reichshauptstadt der Vier-Mächte-Status gilt. Während sich aus Mecklenburg und Brandenburg die Meister und Vizemeister – hier die SG Schwerin und die SG Wismar Süd, dort die SG Babelsberg und die SG Cottbus Ost – automatisch qualifiziert haben, finden in den drei anderen Ländern Qualifikationsspiele statt, deren jeweilige Sieger der Halbfinals das Starterfeld komplettieren. Es sind aus Sachsen-Anhalt die Sportfreunde Burg und die SG Freiimfelde Halle, aus Thüringen die SG Sömmerda und die SG Weimar Ost sowie aus Sachsen die SG Meerane und die SG Planitz. Planitz ist seit 1944 ein Stadtteil von Zwickau.

Da die Meisterschaft im K.o.-Modus ausgespielt wird, sind erst einmal zwei Ausscheidungsspiele erforderlich, in denen sich die Sportfreunde Burg in Jena gegen Sömmerda 1:0 durchsetzen und die SG Meerane in Leipzig gegen die SG Babelsberg mit 3:1 das bessere Ende für sich hat. In den Viertelfinals behaupten sich Meerane mit 2:1 n.V. gegen Burg, Halle mit 3:1 gegen Wismar, Planitz mit 3:1 in Schwerin und Weimar Ost 1:0 n.V. in Cottbus. Eine klare Sache gibt es schließlich in den beiden Halbfinalspielen, die wiederum auf neutralen Plätzen ausgetragen werden. So dreht Halle in Magdeburg gegen Meerane einen 0:2-Rückstand zu einem fulminanten 5:2 um und Planitz fertigt in Dresden Weimar Ost gar mit 5:0 ab. Den Hallenser Sieg, begünstigt durch eine Autopanne des Gegners, der dadurch erst unmittelbar vor Anpfiff im Stadion ankommt, sehen 10.000, den Planitzer immerhin satte 25.000 Zuschauer.

Damit stehen sich im Finale um die erste Ostzonenmeisterschaft am 4. Juli 1948 mit der SG Planitz und der SG Freiimfelde Halle die beiden angriffsstärksten Mannschaften gegenüber. Gespielt wird vor 40.000 Besuchern im alten Leipziger VfB-Stadion in Probstheida, das inzwischen in Bruno-Plache-Stadion umbenannt ist. In beiden Mannschaften dominieren Spieler von Format. So ragen bei Halle die Stürmer Manfred Krüger (er wechselt 22-jährig nur Wochen später zum Hamburger SV), Horst Blüher und Karl Gola sowie in der Abwehr Fritz Belger, der als Trainer den ASK Vorwärts Berlin zu Meisterehren führt, heraus, bei den Planitzern sorgen die Halbstürmer Johannes Breitenstein und Karl Dittes (wird in der Oberliga Trainer von Motor Zwickau und Wismut Aue) und als rechter Läufer Günter Schneider (später Nationalspieler und danach ein führender Funktionär im Fußballverband der DDR) für die Musik.

Als Mann des Spiels beim 1:0-Erfolg der SG Planitz erweist sich jedoch deren Mittelstürmer Horst Weiß. Er erzielt in Minute 38 das goldene Tor und wird gemeinsam mit dem Meeraner Wolfram Starke mit je vier Treffern erfolgreichster Schütze der Endrunde. Bei den Planitzern auch dabei, aber im Endspiel nicht eingesetzt, ist Heinz Krügel. Als Trainer feiert der Verteidiger seinen größten Erfolg in Magdeburg, wo er den 1. FCM 1974 zum Sieg im Europapokal der Pokalsieger führt.

Für den Ostzonenmeister soll ein weiterer Höhepunkt folgen, denn zwei Wochen nach dem Finale ist in Stuttgart das Vorrundenspiel zur Deutschen Meisterschaft gegen den 1. FC Nürnberg angesetzt. Obwohl sich die SG Planitz darauf vorbereitet und startklar ist, erhalten die Spieler keine Reisegenehmigung von der sowjetischen Besatzungsmacht, sodass die Nürnberger kampflos ins Halbfinale kommen, dort den FC St. Pauli nach Verlängerung 3:2 besiegen und nach einem 2:1 im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern Meister werden.

Von Robert Klein

Kommentieren

Vermarktung: