25.07.2020

Harder, better, faster, stronger

Der FC Amed korrigiert postwendend den Abstieg aus dem vergangenen Sommer und strebt jetzt Großes an

Der 2. Juni 2019 ist ein dunkler Tag in der noch jungen Vereinsgeschichte des FC Amed. An jenem Datum spielt das erst 2012 ins Leben gerufene Team mit Wurzeln in der kurdischen Gemeinde im letzten Spiel der Bezirksligasaison 2018/19 vor heimischem Publikum in der Friedrich-Ebert-Sportanlage gegen den Köpenicker FC. Ein Sieg reicht zum Klassenerhalt. Das Spiel endet 2:2, Amed steigt ab, weil Fortuna Pankow noch vorbeizieht. Mit diesem Ergebnis endet beim FC Amed eine Ära, die bis dato von einem scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg geprägt ist. In den drei vorangegangenen Jahren marschieren die Tempelhofer von der Kreisliga C direkt in die Bezirksliga. Und dennoch blickt man bei Amed mittlerweile versöhnlich zurück auf jenen vorerst letzten Bezirksliga-Auftritt.

Was vor allem daran liegt, dass die Mannschaft, frei nach dem Motto: „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“, mittlerweile nicht nur kaum noch etwas mit dem aus der Bezirksliga abgestiegenen Team gemein hat, sie hat auch gleich eine neue (mögliche) Ära der Dominanz eingeläutet. 113 Tore in 20 Spielen, 19 Siege, ein Unentschieden, keine Niederlage und seit dem 10. Spieltag auf Platz eins. So lauten die trockenen, aber deswegen nicht weniger beeindruckenden Zahlen des FC Amed in der Kreisliga-A-Saison 2019/20, die trotz des Abbruchs aufgrund der Corona-Pandemie mit Abstand als die bisher beste Spielzeit in die Vereinsannalen eingeht.

Eine der treibenden Kräfte hinter dieser grundlegenden Transformation ist Sedat Seker. Der 38-Jährige hatte im Verein schon viele Positionen inne. Lange Jahre Trainer, dann Sportlicher Leiter und in der vergangenen Saison Präsident und Trainer in Personal­union. „Wir haben in der Transferphase wichtige Spieler verpflichten können. Das Team konnte sehr schnell zusammenwachsen und wurde von den Mitgliedern unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar“, nennt Seker einige der Gründe des Erfolgs.

Vor allem die Neuzugänge sind ein Erfolgsgarant der Tempelhofer. Wobei einer der wirkungsvollsten „Neuen“ eigentlich ein Rückkehrer ist. Von 2015 bis 2017 spielt Ismail Tasan bereits beim FC Amed. Mit insgesamt 106 Toren ist er einer der Schlüsselspieler bei Ameds Aufstiegen aus der Kreisliga C und Kreisliga B. Der Erfolg zieht ihn danach zum BSV Al-Dersimspor in die Berlin-Liga, doch dort kann er nicht richtig Fuß fassen. So kehrt Tasan nach einem Jahr Pause im vergangenen Sommer wieder zurück zum FC Amed. An alter Wirkungsstätte blüht der Torhunger des 23-Jährigen sofort wieder auf. Stolze 42 Treffern erzielt der Stürmer in der abgelaufenen Saison und sichert sich mit fünf Toren Vorsprung auf den nächsten Konkurrenten die Torjägerkrone der Kreisliga A. Tasan ist aber nicht der einzige, den das Projekt FC Amed im vergangenen Sommer aus einer höheren Klasse in die A-Liga lockt.

Slim Jaballah kommt von Oberligist Hertha 06, Sinan Bozkurt von Al-Dersimspor und Devin Yoldas vom Berliner SC. Der „Königstransfer“ gelingt schließlich im Oktober mit der medienwirksamen Verpflichtung von Ex-Profi Kevin Pannewitz. Der Offensivspieler fügt sich blendend ins Team ein und sorgt neben drei Treffern auch für ein Fairplay-Highlight: Am letzten Spieltag der Hinrunde verhindert Pannewitz die Ausführung eines fälschlicherweise zu seinen Gunsten gegebenen Elfmeters durch einen entsprechenden Hinweis an den Schiedsrichter. „Die Verpflichtung von Kevin Pannewitz brachte viel Motivation und Kampfgeist mit sich“, lobt Trainer Seker. „Seine Erfahrung konnte er sehr gut repräsentieren. In der Kreisliga solch einen erfahrenen und bekannten Spieler zu verpflichten, hat uns sehr stolz gemacht.“

Die Mischung dieser neu verpflichteten Erfahrung mit dem vorhandenen Können, etwa in Person von Kapitän Rifat Akbulut, ist es, die den FC Amed in der vergangenen Saison unschlagbar macht. Das zeigt sich vor allem in den hart umkämpften Spitzenspielen wie dem 7:3-Triumph über Verfolger Nummer eins Steglitz GB in der Hinrunde oder dem klaren 3:0 über die Neuköllner Sportfreunde Gropiusstadt zum Rückrundenauftakt.

Angesichts derartiger mannschaftlicher Geschlossenheit verwehrt sich Sedat Seker dagegen, die Saison an starken Einzelleistungen festzumachen: „Nur einige Spieler zu erwähnen, wäre nicht korrekt. Jeder einzelne Akteur hat seine Rolle im Team gefunden und sie zu 100 Prozent umgesetzt.“
Damit diese Dynamik auch langfristig hält, hat Amed bereits mit Tim Jauer einen erfahrenen Trainer verpflichtet. Mit Jauer, vor Jahresfrist mit dem SV Tasmania Aufsteiger in die Oberliga, soll der im vergangenen Jahr aufgehaltene, kometenhafte Aufstieg fortgesetzt und dafür gesorgt werden, dass sich Tage wie der 2. Juni 2019 nicht wiederholen.

Die 113 Tore für den FC Amed erzielten:

Tasan (42), R. Akbulut (10), Olagunju (9), Asanovic (7), Tiba (6), Njacheun Njanzoua (5), F. Akbulut (5), Jänicke (4), Bozkurt, Jaballah, Yoldas, Pannewitz (je 3), Imorou, Said, Omerovic (je 2), Toka Tchaptchet, Cosar, U. Sanli, Coskunsu (je 1), Hinzu kommen zwei Tore aus der Wertung der Partie gegen BSV Hürtürkel sowie ein Eigentor.

Von Nicholas Wuttke

Kommentieren