22.05.2016

„Es ist mehr als ein Betriebsunfall“

Wolfgang Neubert (62) ist im Stress. Der Präsident des FC Energie Cottbus hat nach dem Abstieg der Mannschaft in die Regionalliga Nordost alle Hände voll zu tun. Neubert, der im Hauptjob Direktor der Sportschule in Cottbus ist, arbeitet an der Zukunft des Vereins – schmerzliche Einschnitte inklusive. Es wird Entlassungen auf der Geschäftsstelle geben. Hoffnungsträger für den sofortigen Wiederaufstieg bleibt Trainer Claus-Dieter Wollitz.   

FuWo: Herr Neubert, konnten Sie inzwischen den Abstieg verdauen?


Wolfgang Neubert: „Nein, dieses dramatische Saisonfinale liegt uns unverändert schwer im Magen. Aber herumjammern hilft nichts. Die Familie spürt natürlich auch, dass ich extrem angespannt bin. Die Kollegen an der Schule unterstützen mich auch, die Mitarbeiter im Verein sowieso. Ohne die Hilfe vieler könnte ich den ehrenamtlichen Job gar nicht machen. Ich bin kein Weichei, aber es ist nicht einfach. Ich schlafe unruhig. Die Szene, die gegen Mainz II in der 89. Minute zum 2:2-Ausgleich führte, kommt immer wieder hoch. Vielleicht hätten die Jungs da abgezockter sein müssen. Es ist weiterhin bitter und mehr als ein Betriebsunfall. Es ist eine Tragödie für den FC Energie.“ 

Was sind die vorrangigsten Aufgaben?

Neubert: „Wir bereiten wirtschaftlich die neue Spielklasse vor. Langjährige Sponsoren wie Vattenfall und enviaM machen weiter. Viele andere Partner wollen uns wie in der 3. Liga unterstützen. Wir müssen sehen, welches Budget wir für die Geschäftsstelle, die Mannschaft und den Nachwuchs zur Verfügung stellen können. Das geht nicht von heute auf morgen, aber die Zeit drängt. Präsidium und Verwaltungsrat sitzen in kurzen Abständen immer wieder zusammen. Alle Maßnahmen, die jetzt angeschoben werden, sind Gemeinschaftsprodukte der Gremien. Dem Präsidium wurde weiterhin das Vertrauen ausgesprochen. Sonst wäre der Verein handlungsunfähig.“

Mit welchem Etat könnte Cottbus in die Regionalliga gehen?

Neubert: „In der 3. Liga hatten wir einen Etat von vier Millionen Euro. Wenn man konkurrenzfähig bleiben will, sollten davon zwei Millionen Euro erhalten bleiben. Wir werden die Gejagten sein. Für viele Vereine ist die Partie gegen uns das Spiel des Jahres.“ 
 
Wie wichtig wäre es, dass Trainer Claus-Dieter Wollitz weitermacht?

Neubert: „Wir haben mit ihm Gespräche geführt. Er hat uns deutliche Signale gesendet, dass er für eine weitere Zusammenarbeit zur Verfügung steht. Aber er hat klare Vorstellungen, was die Zusammenstellung der Mannschaft betrifft. Ich habe große Hoffnung, dass er dieses Projekt annimmt. Mit seiner Power und seinem Enthusiasmus in Verbindung mit seiner Idee von Fußball wäre er die richtige Lösung.“ 
 
Haben Sie einen Plan B?

Neubert: „Ich gehe davon aus, dass wir zu Beginn dieser Woche seine Zusage erhalten und keinen Plan B benötigen. Wir kennen uns. Das gegenseitige Vertrauen ist da.“ 

Welche Spieler wollen Sie halten?

Neubert: „Philipp Knechtel und Jonas Zickert stehen unter Vertrag. Mit Malte Karbstein sind wir uns einig. Torwart Avdo Spahic hat ein Angebot bekommen. Felix Geisler macht es davon abhängig, ob der Trainer bleibt. Es laufen weitere Gespräche.“

Auch mit Torsten Mattuschka?

Neubert: „Er ist einer von vielen Spielern, bei denen noch nicht feststeht, was mit ihnen wird. Offen ist, welche erfahrenen Profis gehalten werden sollen. Sein Vertrag als Spieler ist durch den Abstieg ungültig. Er hat einen Anschlussvertrag, allerdings müssen wir auf der Geschäftsstelle umstrukturieren. Es wird Einsparungen und Stellenkürzungen geben. Für Torsten tut es mir persönlich sehr leid. Er war auch Schüler bei mir. Aber noch können wir keine konkreten Gespräche mit ihm führen. Vorher müssen wir andere Hausaufgaben erledigen.“ 
 
Worin liegen die Ursachen für den Niedergang?

Neubert: „Die gilt es selbstkritisch zu analysieren, wenn wir die dringendsten Aspekte für die kurzfristige Zukunft auf den Weg gebracht haben. Es gab ganz bestimmt nicht einen einzigen Kardinalfehler, der zum Abstieg geführt hat. Es waren verschiedene Faktoren, die eine Negativspirale auslösten.“

Interview: Matze Koch

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