15.10.2014

Das Wunder von Friedrichshagen

Wie A-Ligist FSV den drei Klassen besseren VfB Hermsdorf aus dem Pokal kegelte

Schmerzlicher Verlust: Friedrichshagens Dennis Schilling (l.) flog beim 2:1-Pokalerfolg gegen Hermsdorf schon nach 60 Minuten mit Rot vom Platz. Foto: JouLux

Dass es „keine Kleinen mehr gibt“, wusste der frühere Bundestrainer Berti Vogts schon in den Neunzigern. Eine Binsenweisheit, die auch im Berliner Pokal zu greifen scheint – am zurückliegenden Wochenende reihte sich Favoriten-Sturz an Favoriten-Sturz. Die größte Sensation gelang dem Friedrichshagener SV. Der A-Ligist zahlte jedoch einen hohen Preis.

Es war die größte Überraschung des vergangenen Pokal-Wochenendes: A-Ligist Friedrichshagener SV, Tabellenführer der 3. Abteilung, gelang am Sonntag das Kunststück, den drei Spielklassen höher angesiedelten VfB Hermsdorf mit 2:1 (1:1) in die Knie zu zwingen. Nach dem frühen Führungstreffer durch Philipp Karioth (24.) ließ sich der FSV vom Ausgleichstreffer der Gäste (32.) nicht aus dem Konzept bringen und hielt das Ergebnis bis in die Schlussphase. In buchstäblich letzter Minute gelang dem eingewechselten Lorenz Palowski der Siegtreffer.

Mit dem Sensations-Sieg ist die Mannschaft von Trainer Jan Kopiak auf dem besten Weg, sich den Ruf eines Pokalschrecks zu erspielen. Schon in der ersten Runde hatten die Friedrichshagener für Furore gesorgt. Landesligist SSC Teutonia wurde in der Verlängerung mit 4:3 auf die Bretter geschickt. „Wir wissen: Wenn alle Mann an Bord sind, können wir guten Fußball spielen“, sagt Kopiak. Dass der aufmüpfige Kreisligist auch einen Berlin-Ligisten ausschalten könnte, hatte aber selbst er nicht kommen sehen.

Aggressives Pressing als Schlüssel zum Erfolg

Unverdient war der Sieg jedoch keineswegs. „Wir wussten, dass wir eine Startoffensive verteidigen müssen“, sagt Kopiak. Genauso sollte es kommen. Das Abwehrbollwerk des Außenseiters hielt jedoch stand, und als die Hermsdorfer Angriffswelle an Macht verlor, wagte sich der FSV mehr und mehr in die gegnerische Hälfte. Spätestens mit Karioths 1:0 merkten die Friedrichshagener, dass eine Pokalsensation kein Wunschtraum bleiben muss.

Das „Wunder von Friedrichshagen“, es war vor allem das Ergebnis leidenschaftlicher Defensivarbeit. Der FSV versuchte das Aufbauspiel des Favoriten schon im Keim zu ersticken. „Wir sind früh draufgegangen und haben die Gegner dadurch nach außen gedrängt“, analysiert Kopiak. Weil der ballführende Spieler an der Seitenlinie konsequent gedoppelt wurde, landete das Spielgerät schnell in den Reihen des FSV.

Mit so viel Gegenwehr hatten die Hermsdorfer offenbar nicht gerechnet. Der VfB zeigte sich beeindruckt und fand gegen das aggressive Pressing des FSV keine geeigneten Mittel. Dem Berlin-Ligist gelang zwar noch vor der Pause der Ausgleich – zu mehr reichte es gegen die aufopferungsvoll kämpfende Kopiak-Elf aber nicht. Stattdessen gelang Palowski in der 90. Minute der „Lucky Punch“.

Friedrichshagen zahlt einen hohen Preis

Damit, dass er den späteren Matchwinner zu Beginn der Schlussviertelstunde eingewechselt hatte, wollte sich Kopiak nicht rühmen. „Das goldene Händchen weise ich weit von mir“, sagt der 40-Jährige mit einem Schmunzeln. Tatsächlich hatte er keine große Wahl. Verletzungen von Thomas Kulb (Fuß), Benjamin Beck (Muskelfaserriss) und Philip Kusche (Prellung) hatten die Auswechslungen unumgänglich gemacht. Nicht nur deshalb hat der FSV den Sieg teuer bezahlt. Dennis Schilling (60., Tätlichkeit) und Sercan Seyyidoglu (90.+2, Nachtreten) kassierten jeweils Rote Karten.

Mit Blick auf den Liga-Alltag hebt Kopiak in bester „Matthias-Sammer-Manier“ den Zeigefinger. „So ein Sieg ist eher gefährlich“, sagt der Coach des Aufstiegsanwärters, „wir müssen schnell wieder Bodenhaftung bekommen.“ Am Sonnabend (14 Uhr) empfängt der Spitzenreiter den Tabellen-13., die Reserve der TSV Helgoland.

Die nächste Pokalrunde wird am Donnerstagabend ermittelt. Welche Paarungen die Auslosung auch ergibt – der Gegner des Friedrichshagener SV sollte gewarnt sein.

Von Jörn Lange

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