Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Vor 40 Jahren - Ausgabe 06/10
Montag, 08. Februar 2010 um 11:11 Uhr

Sorgen durch „Kältelöcher“

Von Günter Weise


Ausgerechnet im Jahr der Weltmeisterschaft 1970 bereitete der Kälte-Einbruch mit Eis und Schnee den Organisatoren in den Spiel-Ausschüssen nicht geringe Sorgen. In den damals ohne Tribünendächer und ohne Rasenheizungen noch ungeschützten Stadien häuften sich die Ausfälle. Weil man sich nicht zu generellen Absagen entschließen konnte, gerieten die Tabellen durcheinander.
 
In der Bundesliga mussten allein im Januar 15 Spiele ausfallen. Da die Nationalmannschaft bereits Ende Mai zur WM nach Mexiko abreisen sollte, mussten mehrere Mittwoch-Spieltage eingeplant werden. Das schuf selbstverständlich Belastungs-Probleme für die Nationalspieler und ihre Klubs. Meister Bayern München, der mit Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller drei Spieler abzustellen hatte, war in Meisterschaft, Pokal und Europapokal beschäftigt.
 
Zu allen Spielen in bester Besetzung anzutreten, war kaum möglich. Es war die Vorgeschichte der heutigen „Rotation“, ein Wort, das man damals noch nicht kannte. In der „Fußball-Woche“ erschien eine Tabelle, in der die Spiel-Ausfälle im 7. Jahr des Bundesliga-Bestehens aufgeschlüsselt wurden. Als „Kälteloch“ wurde Braunschweig ausgemacht. Im Stadion an der Hamburger Straße mussten neun Heimspiele abgesagt werden.
 
Nicht besser kam Berlin mit acht Ausfällen davon, obwohl Hertha BSC bis dahin nur fünf Bundesliga-Spielzeiten aufzuweisen hatte. Auch beim HSV mussten in Hamburg sechs Heimspiele ausfallen, während Schalke 04 mit dem Stadion in Gelsenkirchen ohne jede Absage ungeschoren davonkam. Auch in der Berliner Regionalliga war ein ungestörter Spielbetrieb nicht mehr möglich. Zwar führte Tasmania 1900 die Tabelle an, aber Meister Hertha Zehlendorf lag mit zwei Spielen Rückstand sozusagen auf der Lauer.
 
Auch Blau-Weiss  musste noch zwei Spiele aufholen, sodass die Übersicht erschwert war. Das war die fünfköpfige Spitzengruppe: Tasmania 1900 16 Spiele und 26:6 Punkte, Hertha Zehlendorf 14 Spiele und 24:4 Punkte, Tennis Borussia 16 Spiele und 23:9 Punkte, Wacker 16 Spiele und 22:10 Punkte, Blau-Weiss 14 Spiele und 20:8 Punkte. Eine Umfrage bei den 14 Vorsitzenden der Regionalliga ließ erhebliche Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Klubs erkennen. Die Frage nach der Lage ihres Vereins beantworteten die meisten mit „sehr schlecht“ oder gar mit „katastrophal“. Allein 7 der 14 vertraten die Meinung, dass die Regionalliga in ihrer jetzigen Form nicht lebensfähig sei und aufgelöst werden sollte.