Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Der gesamte Berliner Fußball auf einem Blick

Malik Fathi

„Herthas Lage berührt mich durch und durch“

Von Alex Heinen

Malik Fathis (26) Last-Minute-Wechsel zu Mainz 05 überraschte kaum weniger als 2008 sein spektakulärer Transfer von Hertha zu Spartak Moskau. Der Spielplan will es, dass der zweimalige A-Nationalspieler in seinem ersten Auswärtsspiel gleich in seiner alten Heimat ran muss (Sonnabend, 15.30 Uhr, Olympiastadion). Die FuWo sprach mit dem 1,85m-Linksfuß über den russischen Winter und seinen Traum von Südafrika.
 
FuWo: Ganz Deutschland meckert über den Winter, da können Sie wahrscheinlich nur drüber lachen?
 
Malik Fathi: „In Moskau ist es natürlich kälter, so um die minus 20 Grad. Aber als Fußball-Profi in Russland ist man um diese Jahreszeit entweder im Urlaub oder im Trainingslager in der Türkei.“ 
 
Aus sibirischer Kälte in den Mainzer Karneval – fühlen Sie sich wie zu Hause?
 
Fathi: „Ich habe bis jetzt eine einzige Familie in Karnevals-Klamotten durchs Hotel laufen sehen. Auf jeden Fall ist es hier sehr idyllisch, klein und gemütlich.“
 
Waren Sie über das Mainzer Interesse erstaunt?
 
Fathi: „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, zumal ich im Trainingslager alles daran setzen wollte, einen Stammplatz zu bekommen. Ich habe mit dem Trainer gesprochen und der hat mir nahe gelegt, auch auf Grund der Ausländersituation, den Verein zu wechseln.“
 
Als es hieß, Malik Fathi wechselt für 4 Millionen Euro von Hertha zu Spartak Moskau, waren viele Experten überrascht. Sie auch?
 
Fathi: „Klar, das war eine hohe Summe, es hat mich aber nicht groß interessiert. Moskau wollte mich spontan haben, weil die Saison dort gerade anfing. Für einen Abwehrspieler wie mich war es relativ viel Geld, aber verglichen mit anderen Transfers war es ein Witz.“
 
Die Entfernungen in Russland sind für hiesige Verhältnisse unvorstellbar. Was war Ihre weiteste Auswärtsreise?
 
Fathi: „Das war ein Neun-Stunden-Flug nach Wladiwostok, die Zeitumstellung betrug sieben Stunden. Das Spiel fand vor etwa 20.000 Zuschauern  statt. Wir sind zwei Tage vorher angereist und direkt nach dem Spiel zurück.“
 
Wie haben Sie das Scheitern der russischen Nationalelf in der WM-Qualifikation erlebt?
 
Fathi: „Das empfanden die meisten als sehr ärgerlich, zumal das Potenzial für ein besseres Abschneiden vorhanden war. Dabei wurde die Niederlage gegen Deutschland als nicht so schlimm empfunden, wie das Ausscheiden in den Play-Off gegen Slowenien.“
 
Sie hegen selber WM-Ambitionen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen für Südafrika ein?
 
Fathi: „Mir ist bewusst, dass ich nicht gerade im Fokus stehe. Aber jetzt bin ich noch mal in der Bundesliga und mit ein bisschen Glück und Überzeugungsarbeit könnte ich noch auf den Zug aufspringen. Meine Priorität liegt aber auf dem Verein, alles andere wäre Bonus.“
 
Hertha hatte auf der linken Abwehrseite enorme Probleme in der Hinrunde. Sind Sie enttäuscht, dass keine Anfrage aus Berlin kam?
 
Fathi: „Nein, schließlich hatte ich ja Vertrag. Ich wollte mich wirklich in Moskau durchsetzen und dort nicht einfach nur das Geld abgreifen. Mainz hat auf gut Glück angefragt und es hat gepasst.“
 
Als Hertha 2003/2004 im Abstiegskampf war, ging Ihr Stern gerade auf. Wie sind Sie als junger Spieler mit dem Druck umgegangen?
 
Fathi: „Das war hart: Du hast kaum Spaß am Training, weil im Hintergrund immer der Gedanke lauert: Du musst unbedingt gewinnen, musst Punkte holen, sonst steigst du ab in die 2. Liga. Das ist psychisch ein Riesendruck.“
 
Diesmal ist die Lage ungleich prekärer: Gelingt gegen Mainz erneut kein Heimsieg, kann Hertha wohl endgültig für die 2. Liga planen – berührt Sie das?
 
Fathi: „Ich bin Berliner, das berührt mich durch und durch. Auch wenn ich jetzt mein Glück in der Ferne suche, werde ich immer nach Berlin zurückkehren. Die Stadt braucht einfach einen Verein in der ersten Liga.“