Stressverein mit gestörter Harmonie

Hertha bleibt Hertha: Nämlich ein Klub, der einfach nie zur Ruhe kommt. Die Spekulationen um die Skibbe-Nachfolge sind bereits im vollen Gange. Fest steht bisher nur, dass zwei alte Bekannte die Mannschaft in den kommenden Tagen betreuen werden.


Von Karsten Doneck

Alles lief so schön harmonisch. Die 2. Bundesliga war nur lästige Durchgangsstation, Hertha BSC funktionierte das Dasein dort in eine Art Schaulaufen um: Holiday on pitch. Trainer Markus Babbel, Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer standen fest zueinander. Die Fußball-Glückseligkeit schien Einzug zu halten ins Berliner Olympiastadion. Herrliche Zeiten waren das. Und vielversprechend obendrein.

Am gestrigen Sonntag hat der Verein seinen aktuellen Trainer Michael Skibbe für nicht mehr aktuell erklärt und ihn 52 Tage nach der Anstellung wieder für den Arbeitsmarkt freigegeben. Hertha ist eben immer noch Hertha. Ein Verein, der nie richtig zur Ruhe kommt. Ein Verein, der deswegen nie die Kräfte konzentriert bündeln kann für das Wesentliche, das Sportliche nämlich.

Die Unruhen nach dem umjubelten Aufstieg begannen in geballter Form, als Markus Babbel auf der einen Seite und das Duo Preetz/Gegenbauer auf der anderen damit anfingen,  sich im ohnehin schon tristen November gegenseitig der Lüge zu bezichtigen. Die Posse drehte sich um die von Babbel hinausgezögerte vorzeitige Vertragsverlängerung, die Hertha auf Teufel-komm-raus durchziehen wollte, alles hübsch aufbereitet zu einem ordentlichen Medien-Ballyhoo.

Dass die Hertha-Mannschaft in der Bundesliga schon unter Babbel  nach gutem Start allmählich gehörig aus dem Tritt kam, war bei den Baron-von-Münchhausen-Vorwürfen Nebenschauplatz. Mit sechs sieglosen Bundesligaspielen in Folge hatte Hertha schließlich das alte Jahr abgeschlossen.

Da wurde Markus Babbel gekündigt – und zwar nicht wegen des sich sportlich bereits abzeichnenden Fiaskos, sondern vordergründig wegen der internen Zerwürfnisse. Michael Skibbe kam. Er tat nichts anderes, als den Abwärtsrtrend fortzusetzen, indem er im neuen Jahr vier Bundesliga-Niederlagen obendrauf packte und dazu noch das Pokal-Aus gegen Mönchengladbach verantwortete. Skibbe hat freilich auch Pech gehabt. Gegen Gladbach spielte Hertha überlegen, schied durch eine umstrittene Elfmeterentscheidung aus. Auch beim 0:1 gegen Hannover 96 war Hertha dem Sieg näher als der Gegner. Stuttgart – nun ja, das war dann schon eher Herthas sportliche Bankrotterklärung.

Bei Hertha wird nun fieberhaft an Lösungen in der Trainerfrage gearbeitet. Falko Götz soll sich schon selbst angeboten haben. Ralf Rangnick wäre sicher eine Anfrage wert, aber würde sich jemand wie er, der gerade vom Burn-out genesen ist, einen Stressverein wie Hertha BSC antun? Rangnick ist obendrein zu teuer. Holger Stanislawski ist gerade in Hoffenheim frei geworden. Er soll schon mal – vor Babbel  – auf Herthas Kandidatenliste gestanden haben. Seine Verpflichtung hätte insofern   Charme, als sie einem Ringtausch gleichkäme, arbeitet in Hoffenheim doch seit neuestem Markus Babbel. Erstmal soll jedoch Herthas U 19-Trainer René Tretschok die Arbeit bei den Profis tun – interimsmäßig, zusmammen mit Ante Covic.

Es brodelt eben wieder bei Hertha. Alles wie gehabt also.

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Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 7)

 

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Aktualisiert (Donnerstag, 16. Februar 2012 um 12:53 Uhr)

 
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