Hertha besiegt Hannover
Reiner Zufall in der Geschichte der Bundesliga: Vor genau 40 Jahren spielte Hertha BSC am ersten Februar-Spieltag im Olympiastadion gegen Hannover 96. Freilich unter umgekehrten Vorzeichen: Hertha lag damals als Tabellensechster im gesicherten Mittelfeld, während Hannover als Vorletzter den Kampf gegen den Abstieg vor Augen hatte. Bei den Niedersachsen hatte der von Tasmania freigegebene Trainer Hans Hipp das Kommando übernommen und seine neue Mannschaft in Berlin auf Defensive eingestellt. Hertha tat sich schwer, zumal damals noch ohne Rasenheizung auf gefrorenem Boden gespielt werden musste.
Zwar hatte Hermandung die Berliner früh in Führung gebracht, aber als Hertha-Verteidiger Ferschl mit einem verunglückten Rückpass ein Selbsttor unterlief, breitete sich Nervosität aus. Erst neun Minuten vor Schluss schoss Lorenz Horr das 2:1. Und kurz vor Schluss krönte Wolfgang Gayer seine überragende Leistung mit einem Schmetterschuss zum 3:1. Der Sieg ließ die Berliner, die auf die im Bestechungsskandal gesperrten Rumor, Patzke, Wild, Gergely und Varga verzichten mussten, auf den fünften Platz vorrücken.
Die Unruhe wuchs indessen, nun auch innerhalb des Klubs. Die „Fußball-Woche“ berichtete ausführlich über eine chaotische Generalversammlung. Schon die Wahl des Versammlungsorts in einem Schultheiss-Restaurant an der Weddinger Triftstraße war ein Missgriff. Lange vor Beginn war der Saal völlig überfüllt. Noch wenige Wochen zuvor hatte der Präsident, Schultheiss-Direktor Gerhard Bautz, Amtsmüdigkeit geäußert. Doch nun entschloss er sich zum Weitermachen, ohne zu ahnen, welche heftige Opposition ihm entgegenschlagen würde.
Die Kritik richtete sich besonders lautstark gegen Schatzmeister Mühle, der schließlich abgewählt wurde, obwohl sich kein neuer Kandidat finden ließ. Rede und Gegenrede gerieten immer mehr völlig durcheinander, das Niveau sank auf unterste Stufe herab.
Bei der Wahl zum Vorsitzenden hatte Bautz keinen Gegenkandidaten. Dennoch erhielt er nur 218 der 426 abgegebenen Stimmen. Wolfgang Holst, der mehrmals kritisch das Wort ergriffen hatte, stellte sich nicht zur Wahl. Zu Bautz-Stellvertretern wurden der wegen Erkrankung fehlende Gerhard Hawelleck und Prof. Manfred Weigert, Orthopädie-Arzt im Oskar-Helene-Heim, nahezu einstimmig gewählt.
„Sprotte“ Neuendorf, Chefredakteur der „FuWo“, schrieb: „Mitglieder versuchten, sich des Mikrofons zu bemächtigen. Sie mussten energisch zurückgepfiffen werden. Und das alles vor den Augen des als Gast anwesenden Bürgermeisters Kurt Neubauer. Diese Generalversammlung dürfte für immer ein dunkler Punkt in der langen Hertha-Geschichte bleiben.“ Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 6)
Aktualisiert (Mittwoch, 08. Februar 2012 um 12:11 Uhr)
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