„Ete“ als Hertha-Motor
Schon nach wenigen Wochen der Saison 71/72 wurde klar, welch glückliche Hand Hertha BSC bei der Verpflichtung des von Rot-Weiss Essen nach Berlin gewechselten Erich Beer hatte. Der drahtige 26-jährige hatte im vorderen Mittelfeld nicht nur blendende Technik zu bieten, sondern auch solide Schusskraft. Trainer Kronsbein hatte in „Ete“ die ideale Ergänzung zum Schützenkönig Lorenz Horr gefunden. Beide rissen das erste Spiel der Rückrunde im Januar gegen VfB Stuttgart aus dem Feuer.
Die Schrecksekunde das 0:1 schon in der dritten Minute überstand Hertha einigermaßen ungeschoren, kam aber erst nach der Pause zum Ausgleich. Am linken Flügel hatte Arno Steffenhagen den Stuttgarter Handschuh umspielt und wurde dann von hinten umgesäbelt. Den Elfmeter wuchtete Horr unaufhaltsam ins Netz. Nun mussten die ohne Patzke, Wild, Varga und Gergely ange-tretenen Berliner alle Kräfte mobilisieren. Entscheidende Hilfe kam von Torwart Volkmar Groß, der drei klare Chancen der Stuttgarter mit verblüffenden Reaktionen vereitelte.
Schließlich sicherte Steffenhagen mit seinem Tor zwölf Minuten vor Schluss den 2:1-Sieg. Freilich beruhigte dieser Erfolg die Gemüter in Berlin kaum. Die Verdrossenheit der Zuschauer über die Verdächtigungen im Bundesliga-Skandal hielt an: Nur 10.000 sahen den Sieg über Stuttgart. Auch innerhalb des Clubs gärte die Unruhe. Herthas Vorsitzender, Brauerei-Direktor Gerhard Bautz, schien die Lust an seinem Amt verloren zu haben. Derweilen feierte das Trio an der Spitze der Bundesliga aus-nahmslos Siege. Spitzenreiter Schalke 04 behauptete seinen Drei-Punkte-Vorsprung durch ein 5:0 über Hannover 96. Scheer (3), Lütkebohmert und National-Mittelstürmer Fischer schossen die Tore.
Mehr Mühe hatte Bayern München bei der Düsseldorfer Fortuna. Ein Treffer des Schützenkönigs Gerd Müller reichte zum 1:0-Sieg. Auch der Tabellendritte Mönchengladbach hatte, ähnlich wie Hertha in Berlin, im Heimspiel allerhand Schwierigkeiten. Der 1. FC Kaiserslautern ging in Führung, ehe Günter Netzer per Elfmeter ausgleichen konnte. Danner schoss das Tor zum glücklichen 2:1. In der Tabelle rückte Hertha auf den 6. Platz vor, doch war der Rückstand zur Spitze nicht mehr aufzuholen. Vorn lag Schalke mit 30:6 Punkten vor Bayern (27:9) und Mönchengladbach (25:11). Alle drei waren zuhause noch unbesiegt. Vierter war 1.FC Köln mit 23:13 Punkten vor Eintracht Frankfurt und Hertha (je 21:15). Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 4)
Aktualisiert (Mittwoch, 25. Januar 2012 um 10:51 Uhr)
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