Union im Schnee versackt
Es sah im Januar 1972 nicht gut aus für den 1. FC Union. Die vom alten Strategen Harald Seeger trainierte Mannschaft litt unter einem Mangel an guten Stürmern. Nun kam in Jena eine Häufung von Abwehrfehlern hinzu. Auf glattem Schneeboden hatten die Spieler ohnehin Mühe, Halt zu finden. Das gelang dem von Hans Meyer trainierten FC Carl Zeiss Jena besser und am Ende kam ein 6:2-Sieg der Thüringer heraus. Er brachte Jena die Tabellenspitze ein, während Union unter den 14 Mannschaften auf den vorletzten Platz zurückfiel. Nach 15 Runden musste man sich an der Wuhlheide auf den Kampf gegen den Abstieg gefasst machen.
So stand es im Keller der Tabelle: Lok Leipzig und Stahl Riesa je 13:17 Punkte, Karl-Marx-Stadt 11:19, Union 10:20, Stralsund 9:21. Erfolgreichste Berliner Mannschaft war in dieser Saison der BFC Dynamo. Nach einem 1:0-Sieg über den 1. FC Magdeburg kletterten die Berliner auf den dritten Tabellenplatz. Im Gegensatz zu Union konnte man sich bei Dynamo auf eine Abwehr verlassen, die in 15 Spielen nur zwölf Gegentreffer zuließ. Der Kampf um die Meisterschaft versprach spannend zu werden. Jena und Magdeburg lagen mit je 20:10 vor BFC Dynamo (18:12). Auch Dynamo Dresden, Chemie Halle und Vorwärts Frankfurt/Oder (alle 17:13) konnten sich noch Hoffnung machen.
Alljährlich gab die in Ost-Berlin erscheinende „Neue Fu-Wo“ eine Bestenliste heraus. Darin waren auf jeder Position die besten fünf Spieler der Oberliga verzeichnet. Sie war ein echtes Spiegelbild vor allem der führenden Mannschaften. So waren in dieser Liste insgesamt je acht Spieler von Jena, Dynamo Dresden und BFC Dynamo hervorgehoben. Magdeburg war siebenmal vertreten. Dreimal waren Union-Spieler (Weiss, Wruck, Lauck), nur zweimal (Withulz, Nöldner) Spieler des von Berlin nach Frankfurt versetzten FC Vorwärts genannt.
Ohne Nennung blieben Spieler von Stahl Riesa sowie der beiden Neulinge Karl-Marx-Stadt und Stralsund. Angeführt wurde die Bestenliste von der „Elf des Jahres 1971“: Croy (Sachsenring Zwickau), Kische (Hansa Rostock), Dörner (Dynamo Dresden), Bransch (Chemie Halle), Wätzlich (Dynamo Dresden), Irmscher (Carl Zeiss Jena), Seguin (1. FC Mag-deburg), Frenzel (Lok Leipzig), Sparwasser (1. FC Magdeburg), Peter Ducke (Carl Zeiss Jena), Streich (Hansa Rostock). In der Liste der Torhüter standen hinter Croy mit Weiss (Union) und Lihsa (BFC Dynamo) zwei Berliner. Lihsa wurde von den Mitgliedern seines Vereins zum „BFC-Fußballer des Jahres“ gewählt. Unzufriedenheit herrschte über die Entwicklung der Zuschauerzahlen. Die ungünstige Witterung mit Kältegraden trug dazu bei, dass der Schnitt pro Spiel mit 9857 zum ersten Mal unter 10.000 sank. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 3)
Aktualisiert (Mittwoch, 18. Januar 2012 um 13:36 Uhr)
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