Start Serie Vor 40 Jahren Herthas bitterer Absturz

Herthas bitterer Absturz

Dunkle Wolken zogen am Ende des Jahres 1971 über Hertha BSC herauf. Die im Bundesliga-Bestechungsskandal erhobenen Anschuldigungen schlugen immer tiefere Wunden. Nach den ersten, von Chefankläger Kindermann diktierten Sperren für Patzke, Wild, Gergely und Varga konnte die Mannschaft ihr Niveau nicht mehr halten und verlor nach fünf Siegen und drei Unentschieden im Olympiastadion zum ersten Mal ein Heimspiel. Ausgerechnet gegen den Tabellenvierzehnten VfL Bochum boten Helmut Kronsbeins Schützlinge die schwächste Leistung der Herbstserie.

Nach 25 Minuten führte Bochum durch Tore von Walitza und Wosab 2:0. Einige Herthaspieler wirkten wie gelähmt, es kam nie Fluss ins Spiel. Zwar gelang Gayer kurz nach der Pause per Freistoss das 1:2. Aber dabei blieb es bis zum Schluss. Bis auf Stopper Uwe Witt und Mittelstürmer Lorenz Horr erreichte keiner seine normale Leistung. Auch die ins Vorfeld der Nationalmannschaft eingedrungenen Torwart Volkmar Groß und Linksaußen Arno Steffenhagen nicht. Trainer Kronsbein verzweifelte: „Wenn man in der Abwehr so viele Fehler macht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Gegner die Punkte kassiert. Die Bochumer haben fair und keineswegs zu defensiv gespielt und verdient gewonnen.“

Noch schlimmer als die Niederlage war die trostlose Atmos-phäre im Olympiastadion. Sicher saß das Geld bei vielen Menschen kurz vor Weihnachten und Neujahr für den Besuch eines Fußballspiels nicht mehr locker. Aber bei Hertha war man doch entsetzt, dass an den Kassen nur 5.490 Karten verkauft worden waren. Viele getreuen Berliner hatten nach den ständigen Horrormeldungen den Spaß an Hertha verloren. Angesichts dieser bitteren Entwicklung war natürlich auch für die am 20. Januar startende Rückrunde für Hertha und für die Bundesliga nicht viel Gutes zu erwarten.

Am Schluss der Herbstserie 1970 hatte die auf den dritten Platz der Bundesliga vorgestoßene Hertha noch einen Zuschauer-Schnitt von 53.719 pro Spiel, obwohl damals nur Westberliner kommen konnten. Nach den Skandal-Ankündigungen sank der Schnitt 1971 allmählich immer tiefer. Schließlich standen nur noch 31.352 zu Buche. Damit stand Hertha noch immer an der Spitze. Die Konkurrenten spielten damals in kleineren Städten, die erst für die Weltmeisterschaft 1974 modernisiert und ausgebaut werden sollten.

So spielte beispielsweise Spitzenreiter Schalke 04 vor dem Bau des neuen Parkstadions noch immer in der alten Glückauf-Kampfbahn. In diesem Stadion verteidigte Schalke im letzten Spiel des alten Jahres die Führung durch ein 1:0 über Bayern München. Das entscheidende Tor schoss der Holländer van Haaren. Doch der absolut überragende Schalker war Torwart Norbert Nigbur, der die Bayern fast zur Verzweiflung brachte. Die „Fu-Wo“ zitierte Nigburs Ehefrau Sandra: „Immer wenn der Gerd Müller am Ball war, habe ich gezittert. Aber Schatz, du hast himmlisch gehalten! Schade, dass der Helmut Schön heute nicht zugeschaut hat.“ Günter Weise

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Aktualisiert (Mittwoch, 04. Januar 2012 um 12:24 Uhr)

 
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