Start Serie Vor 40 Jahren Hilfe aus Dänemark

Hilfe aus Dänemark

Ein über sieben Jahrzehnte gewachsenes Stück Berliner Sportgeschichte geht mit dem Abriss der Deutschlandhalle zu Ende. Zu den Höhepunkten unzähliger Veranstaltungen aus allen Bereichen der Unterhaltung gehörten Anfang Dezember die Sportpressefeste. Eine stets gewaltige Aufgabe für Berlins Sportjournalisten, die sich außerhalb ihrer Jobs in den Redaktionen schon monatelang vorher die Köpfe über ein möglichst interessantes Programm zerbrechen mussten.

Der Erfolg gab ihnen Recht, denn das große Haus in Eichkamp war mit seinen 10.000 Plätzen jedes Mal ausverkauft. So auch im Dezember 1971. In den Jahren zuvor waren die Organisatoren stets darauf bedacht, den Fußball mit einem attraktiven Spiel auf dem nicht sonderlich geeigneten Holzboden in den Mittelpunkt zu rücken. Nacheinander gelang es, prominente Nationalspieler aus Österreich, der Schweiz, England, Tschechien und selbstverständlich auch unsere alten Recken in der Deutschlandhalle zu präsentieren. Sepp Herberger war über solche Auftritte seiner abgetretenen Helden nicht begeistert, weil er mit zunehmender Körperfülle einiger Akteure ein Abblättern des Ruhmes befürchtete. Doch sogar Fritz Walter ließ sich damals zum Mitmachen überreden und entfachte in den sechziger Jahren mit seinen technischen Einfällen noch immer Jubelstürme, obwohl er längst seine Laufbahn beendet hatte.

Um nun mal Neues zu bringen, wollten die Sportjournalisten dem damals erst in den Kinderschuhen steckenden Frauen-Fußball zum Durchbruch verhelfen. Da man auf diesem Gebiet in Dänemark schon etwas weiter war als bei uns, wurde eine dänische Auswahl sozusagen als Entwicklungshilfe verpflichtet. Das Experiment glückte. Gegen eine mühsam zusammengeholte Berliner Mannschaft gewannen die flotten Däninnen 3:0. Die Zuschauer – fast alle unter ihnen sahen Fußball der Frauen zum ersten Mal – hatten ihr Vergnügen.

In dem mehr als drei Stunden dauernden Programm wurden insgesamt 18 Sportarten geboten. Viel Beifall gab es vor allem für knapp 10-jährige Turnmädchen. Es war der Nachwuchs der vom Berliner „Turnvater“ Matzke betreuten „Amseln“. Weil damals Randsportarten im Fernsehen noch nicht zu sehen waren, kamen auch die Volleyballer gut an. Höhepunkt war wie immer die Verleihung des bereits seit 1927 von Berliner Sportjournalisten erdachten „Goldenen Bandes“ für verdiente deutsche Sportler. 1971 waren Ruderer vom Bodensee an der Reihe. Der sogenannte „Bullen-Vierer“ hatte die Weltmeisterschaft gewonnen und galt für 1972 als Favorit für die Olympischen Spiele in München. Schlusspunkt des Spektakels in der Deutschlandhalle aber waren stets die Radfahrer hinter knatternden Derny-Motoren. Das Publikum entließ sie mit rauschendem Beifall. Günter Weise

Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche
(Ausgabe Nr. 49)

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Aktualisiert (Mittwoch, 07. Dezember 2011 um 12:30 Uhr)

 
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