Ein Ass namens Sziedat
In Berlin wuchs allmählich die Sorge um die Hertha-Mannschaft. Inzwischen hatte das DFB-Sportgericht nach Patzke und Wild auch Varga, Gergely und Rumor gesperrt, so dass die ohnehin moralisch angeschlagene Mannschaft ersatzgeschwächt nach Bielefeld zur Arminia reisen musste. Dort hatte der Hertha-Trainer in seiner Heimatstadt (Kronsbein wurde in Bielefeld geboren) offenbar neue Einzelheiten über den Skandal in Erfahrung gebracht. Jedenfalls wirkte „Fiffi“ brummig und kurz angebunden wie nie zuvor.
Mit der Leistung seiner Mannschaft war Kronsbein jedoch nach dem Abpfiff zufrieden. Sie hatte sich ziemlich couragiert gegen eine Niederlage gestemmt und ein verdientes 1:1 erreicht. Sogar ein Sieg war möglich, doch stand dem ein junger Torwart entgegen. Der 21-jährige Dieter Burdenski bewies sein ungewöhnliches Talent mit verblüffenden Reflexen. 1972 wechselte Burdenski, Sohn des 2001 verstorbenen früheren Nationalspieler Herbert Burdenski, von Bielefeld zu Werder Bremen. Dort brachte er es bis 1988 auf insgesamt 478 Bundesligaspiele und unter Bundestrainer Jupp Derwall auf zwölf Länderspiele.
Auch auf Herthas Seite rückte ein junger angehender Profi in den Vordergrund: Michael Sziedat. In seinem ersten Jahr spielte der gerade erst 19 Jahre alt gewordene rechte Verteidiger mit verblüffender Kaltschnäuzigkeit. In Bielefeld gehörte er zu den Besten im Feld. FuWo-Berichterstatter Rudi Rosenzweig schrieb: „Er könnte für Hertha ein As werden.“
Rosenzweig sollte Recht behalten. Sziedat wuchs, zumal er in der Skandal-Geschichte völlig unbelastet war, in der Hertha-Mannschaft zu einer festen Größe heran. Bis 1980 bestritt er 280 Bundesligaspiele für Berlins Vorzeigeklub. Dann wechselte er zu Eintracht Frankfurt und spielte noch 99 Mal für die Hessen. Rank und schlank geblieben, wird er heute als starker Senior geschätzt.
Am vorletzten Spieltag vor der Winterpause erlebte die Bundesliga einen Knaller: Der FC Bayern München überrannte Borussia Dortmund 11:1! Dieses Resultat wurde sieben Jahre später sogar noch mal übertroffen, als Borussia Mönchengladbach 12:0 gewann – ebenfalls gegen Dortmund! Der Niedergang der Dortmunder hatte sich schon Ende der Sechziger Jahre abgezeichnet.
Noch 1966 hatte Borussia Dortmund den Europapokal der Pokalsieger gewonnen. Doch dann ging es rapide bergab. 1971 schafften die Westfalen nur noch den 13. Rang, nun gerieten sie nach dem 1:11 in akute Abstiegsgefahr. Vorne aber spitzte sich der Dreikampf zu. Noch führte Schalke mit 26:6 Punkten vor Gladbach (25:7) und Bayern München (22:10). Die „Nachhut“ konnte nicht mehr ernsthaft an den Titel denken. Vierter war der HSV vor Köln (beide 20:12) sowie Stuttgart und Hertha (je 19:13). Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 48)
Aktualisiert (Donnerstag, 01. Dezember 2011 um 08:40 Uhr)
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