Start Serie Vor 40 Jahren Finale im tiefen Schnee

Finale im tiefen Schnee

Man kann nicht behaupten, dass Berlins Pokal-Wettbewerbe in ihrer Bedeutung an den Wert der alljährlichen Meisterschaftskämpfe herangereicht hätten. Dennoch sind manche Finalspiele in Erinnerung geblieben. Beispielsweise das Endspiel während der Kommunalzeit im Februar 1947. Bei bitterer Kälte gewann die SG Oberschöneweide (später Union) gegen die SG Wilmersdorf (später BSV 92) am Gesundbrunnen nach einem 0:3-Rückstand in der Verlängerung 4:3. In der Spannung der Schlussphase vergaßen 15.000 Zuschauer die eisigen Temperaturen.

So viele Zuschauer gab es in späteren Jahren nur noch selten. Bessere Resonanz hatte sich Berlins Fußballverband im November 1971 versprochen. Mit Tasmania und Wacker 04 hatten zwei Spitzenmannschaften der Regionalliga das Endspiel erreicht. Doch ein vorzeitiger Wintereinbruch machte einen dicken Strich durch alle Rechnungen. Im gähnend leeren Poststadion an der Lehrter Straße verloren sich 1.722 Zuschauer. Sie sahen eine muntere Partie, in der Wacker durch Linksaußen Lindner die Führung übernahm. Doch Favorit Tasmania, Regionalliga-Meister der Saison 70/71, schlug zurück. Verteidiger Walleitner, einer der Besten auf dem Feld, schaffte noch vor der Pause das 1:1.

Auf dem tiefen Schneeboden erlahmten die Kräfte der Wacker-Spieler schneller als die der athletisch stärkeren Tasmanen. Mit sehenswerten Schüssen stellten „Wanze“ Gross und Johnny Egbuono mit 3:1 die Weichen auf Sieg. Zwar blieb Wacker dank kluger Regie Bernd Sobeks gefährlich, aber ein weiteres Tor durch Bernrieder bedeutete die Entscheidung. Kurz vor Schluss konnte Hägeler per Kopfball nur noch verkürzen – 4:2. Am 24. November, einem Mittwoch, wurden folgende Eintrittspreise erhoben: Tribüne 6 D-Mark, Stehplatz 4 D-Mark, Rentner und Behinderte 2 D-Mark, Schüler 1 D-Mark. Damals spielten:

Tasmania: Hauser, Gross, Walleitner, Siegmann, Thiel, Jung, Bernrieder, Nerlinger, Blume (Schulz), Usbeck, Frati (Egbuonu). Trainer: Hipp.

Wacker: Scholich, Hemfler, Fetkenheuer, Sobek, Pannewitz, Altendorff, Lunenburg, Heinrich (Sydow), Müller, Schwarze (Hägeler), Lindner. Trainer: Basikow. Schiedsrichter: Höwner (ASV).

Es war der letzte große Erfolg Tasmanias in der über 70-jährigen Geschichte des Neuköllner Clubs. Die finanziellen Schwierigkeiten führten 1973 zum Lizenzentzug. Mit dem Abgang von Hans Hipp verlor Tasmania nach dem Pokalfinale auch seinen erfahrenen Trainer. Hipp durfte mit Tasmanias Einverständnis seine Chance nutzen, mit Hannover 96 einen Bundesliga-Club zu übernehmen. Der Preis: lediglich ein Ablösespiel, das die 96er mit Tasmania vereinbarten. Hipps Nachfolger wurde in Neukölln der Jugoslawe Slobodan Cendic. Er wurde für eine Ablöse von 12.000 Mark von Augsburg nach Berlin geholt. Günter Weise

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(Ausgabe Nr. 47)

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Aktualisiert (Mittwoch, 23. November 2011 um 12:01 Uhr)

 
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