Sauwetter und ein 0:0
Mit 9:1 Punkten ging die deutsche Nationalmannschaft als Favorit in das letzte Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 1972. Die Polen kamen zum Rückspiel nach Hamburg und hätten gewinnen müssen, um Helmut Schöns Mannschaft noch um den Gruppensieg zu bringen. Doch von einem verbissenen Kampf konnte keine Rede sein. Bei Regen und vom Matsch aufgeweichten Boden kamen 62.000 ins alte Bahrenfelder Volkspark-Stadion.
Sie wurden maßlos enttäuscht, auch von der deutschen Mannschaft, die mit einem schwachen 0:0 zufrieden sein musste. Zwar war damit der Gruppensieg sicher, aber am Schluss gab es ein gewaltiges Pfeifkonzert.
Als Entschuldigung sollte das Fehlen der verletzten Mönchengladbacher Netzer und Heynckes herhalten. Aber das wollte kaum jemand anerkennen, denn die Mannschaft erschien auch ohne die beiden stark genug. Als Regisseur war der Kölner Wolfgang Overath aufgeboten, der jedoch keinen guten Tag hatte. Nach dem 3:1-Sieg der deutschen Mannschaft in Warschau hatte Polens Trainer Gorski seine Truppe erheblich umformiert. Doch nur in der verstärkten Defensive bewiesen die Polen Qualitäten. Ihre Abwehr stützte sich vor allem auf Stopper Gordon, der Mittelstürmer Gerd Müller bekämpfte. Müller nach dem Spiel: „Besser als in Warschau war der Gordon diesmal auch nicht. Er hat mich nur öfter am Trikot festgehalten.“
Schwachpunkt im Mittelfeld war der sonst so zuverlässige Herbert Wimmer. In seinem 11. Länderspiel fehlte ihm sein Gladbacher Kollege Günter Netzer. Wimmer wurde eine Viertelstunde vor Schluss gegen den Stuttgarter Horst Köppel ausgewechselt – zu spät, um noch frischen Wind ins Spiel zu bringen. Mehr als ein Lattenschuss des Schalkers Reinhard Libuda sprang nicht mehr heraus. Vor dem letzten bedeutungslos gewordenen Spiel Türkei-Polen ergab sich dieser Stand. 1. Deutschland (10:2-Punkte, 10:2-Tore), 2. Polen (6:4/10:5), 3. Türkei (3:7/ 7:10), 4. Albanien (3:9/5:9).
In Hamburg spielte die deutsche Mannschaft in folgender Be-setzung: Maier (Bayern München) – Höttges (Werder Bremen), Beckenbauer (Bayern München), Weber (1. FC Köln), Schwarzenbeck (Bayern München), Wimmer (Borussia Mönchengladbach) später Köppel (VfB Stuttgart), Fichtel (Schalke 04), Overath (1. FC Köln), Libuda (Schalke 04), Müller (Bayern München), Grabowski (Eintracht Frankfurt). Pech hatte der Kölner Weber, der kurz vor Schluss einen Bruch des Mittelhandknochens erlitt. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 46)
Aktualisiert (Mittwoch, 16. November 2011 um 11:20 Uhr)
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