Herthas bittere Pille – 2:5
Nach den ersten 14 Runden der Bundesliga-Saison 71/72 hatten sich drei Meisterschafts-Kandidaten vom übrigen Feld abgesetzt: Bayern München, Schalke 04 und Titelverteidiger Mönchengladbach. Sie bauten vor allem auf ihre Heimstärke, hatten zu Hause noch kein Spiel verloren. Als Sechster der Tabelle gehörte Hertha BSC zum erweiterten Kreis der Spitzen-mannschaften. Doch nun ging es nach Mönchengladbach, zum Hexenkessel am Bökelberg.
Die Unruhe um kursierende Gerüchte der vom Skandal belasteten Spieler drückte zweifellos die Leistungen, denn gegen den Deutschen Meister fand Hertha nie zum gewohnten Spiel. Die Gladbacher führten bereits bei Halbzeit 2:0. Heynckes erhöhte auf 3:0, ehe Varga ein Gegen-treffer gelang. Doch Danner und Wimmer schaubten die einseitige Partie auf 5:1. Horr konnte noch einen Elfmeter verwandeln. 5:2 für eine wie aus einem Guss auftrumpfende Mannschaft. Man spürte die sichere Hand Hennes Weisweilers, der damals als einer der besten Trainer der Bundesliga galt.
Durch die Niederlage fiel Hertha auf den achten Platz zurück. Der Stand: 1. Bayern München 23:5 Punkte, 2. Schalke 22:6, 3. Mönchengladbach 20:8, 4. Köln und Stuttgart je 17:11, 6. HSV, Kaiserslautern und Hertha je 16:12.
Beim DFB-Bundestag in Kaiserslautern erhofften sich vor allem Berlins Delegierte einen Fortschritt in den Diskussionen um die Einführung der 2. Bundesliga. Doch wieder einmal ging es nur langsam voran. Man beschloss immerhin, eine Kommission zu bilden. Sie sollte letzte Vorbereitungen für den Bundestag 1972 treffen, der dann in Berlin den Weg für die 2. Liga ebnen sollte. Doch mit dem Start war vor 73/74 nicht zu rechnen – zehn Jahre nach Einführung der Bundesliga!
Erfreulich war der Beschluss, den 17-jährigen Junioren den Einstieg in den Spitzenfußball zu erleichtern. Sie durften nun in ersten Mannschaften eingesetzt werden, was vorher untersagt war. Bei den Wahlen erhielt Dr. Gösmann das Vertrauen der 155 Delegierten. Der Jurist aus Osnabrück stand seit 1962 als Nachfolger von Peco Bauwens an der Spitze des DFB. Er war kein Mann starker Worte wie etwa sein Stellvertreter Hermann Neuberger. Aber in seiner Rede ließ er keinen Zweifel an der Entschlossenheit des Vorstands, den Bundesliga-Skandal bis in die letzten Einzelheiten aufzuklären und vor drakonischen Strafen nicht zurückzuschrecken.
Vor und nach dem Bundestag, der in vier Stunden beendet war, drehten sich viele Diskussionen um die für viele alte Fußball-Hasen unglaublichen Vorgänge. Man ahnte, dass die Aufklärung noch viele Monate, wenn nicht gar Jahre dauern würde. Zu befürchten war, dass nicht nur die bisher belasteten Vereine wie Bielefeld, Offenbach und Hertha, Schalke und Braun-schweig bestraft werden müssten, sondern auch viele Spieler, Trainer und Funktionäre. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 45)
Aktualisiert (Donnerstag, 10. November 2011 um 08:46 Uhr)
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