Start Serie Vor 40 Jahren Schlusspfiff als Erlösung

Schlusspfiff als Erlösung

Mit einem ungewöhnlichen System sollte die Europameisterschaft 1972 entschieden werden. Zur Endrunde auf belgischem Boden sollten nur vier Mannschaften antreten. Die Qualifikation wurde zunächst in acht Gruppen gespielt, deren Gruppensieger das Viertelfinale in Hin- und Rückspielen zu bestreiten hatten. Die beiden deutschen Mannschaften waren den Gruppen 7 und 8 zugeteilt, wobei der WM-Dritte von Mexiko, die Bundesrepublik Deutschland, als eindeutiger Favorit galt.

Für die DDR sah die Sache viel schwieriger aus. Denn die Konkurrenz aus Jugoslawien und Holland wurde stärker eingeschätzt, obwohl die Holländer damals noch nicht zu den stärksten Mannschaften Europas gehörten. Sie wurden auch gleich im ersten Spiel in Dresden von der DDR 1:0 besiegt. Peter Ducke schoss das entscheidende Tor. Danach kam für die DDR nicht mehr viel Erfreuliches. Das Rückspiel in Rotterdam ging 2:3 verloren und damit war der Traum von der EM-Endrunde schon zu Ende. Die Jugoslawen hatten sich mit 9:1 Punkten bereits den Gruppensieg gesichert, als es in Belgrad zum letzten Spiel für die DDR kam.

Dieses Spiel gehörte zu den traurigen Kapiteln, weil bei Dauerregen und wegen der bereits entschiedenen Qualifikation nur 5.000 Zuschauer ins Stadion kamen. Kein Wunder, dass in der trüben Stimmung kein gutes Spiel zustande kam, zumal die DDR-Auswahl die Defensive bevorzugte. So gab es schließlich ein mattes 0:0. Trainer Georg Buschner hatte dem 23jährigen Jürgen Sparwasser eine Pause verordnet, weil der Mittelstürmer gegen Holland seine Erwartungen nicht erfüllte. Sauer war Jugoslawiens Trainer Boskov, weil seine Mannschaft auch im letzten Spiel gegen den Außenseiter Luxemburg keinen Ehrgeiz entwickelte und mit einem 0:0 zufrieden sein musste.

Schlussstand der Qualifikation: 1. Jugoslawien 7:2 Tore, 9:3 Punkte; 2. Holland 18:6 Tore, 7:5 Punkte; 3. DDR 11:6 Tore, 7:5 Punkte; 4. Luxemburg 1:22 Tore, 1:11 Punkte.

In Belgrad spielten damals für die DDR: Croy (Sachsenring Zwickau), Strempel (Carl Zeiss Jena), Bransch (Chemie Halle), Weise (Carl Zeiss Jena), Sammer (Dynamo Dresden), Kische (Hansa Rostock), Stein (Carl Zeiss Jena), Kreische (Dynamo Dresden), Streich (Hansa Rostock), P. Ducke (Carl Zeiss Jena), Vogel (Carl Zeiss Jena). Eingewechselt wurden Irmscher (Carl Zeiss Jena) für Kreische und Löwe (Lok Leipzig) für Stein.

Klaus Schlegel, Chefredakteur der Ost-Berliner „Neuen Fuwo“,  schrieb in seinem Kommentar zum 0:0 unter der Schlagzeile „Schlusspfiff war eine Erlösung“: „Ohne Zweifel ist unsere Elf in der WM-Qualifikation einiges schuldig geblieben. Wünschen wir ihr und uns, dass sie das bei künftigen Ereignissen wieder wettzumachen versteht.“ Günter Weise

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(Ausgabe Nr. 44)

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Aktualisiert (Mittwoch, 02. November 2011 um 12:03 Uhr)

 
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