Start Serie Vor 40 Jahren Reue der Skandalsünder

Reue der Skandalsünder

Vier Monate nach den vom Offenbacher Vorsitzenden Canellas verbreiteten Anschuldigungen schlug der Bundesliga-Skandal immer höhere Wellen. Als erster Verein bekannte sich Arminia Bielefeld, zum Zwecke der Spielmanipulation Gelder in sechsstelliger Höhe gezahlt zu haben. In einem Brief an den DFB ließ der Bielefelder Vorstand erstmals Reue erkennen und äußerte sich zu den Anschuldigungen: „Der DSC Arminia hat sich Verfehlungen zuschulden kommen lassen.

Er ist bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen und wird alles in seinen Kräften Stehende tun, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er wird erklären, welche Spieler von Braunschweig und Berlin Gelder erhielten und wer davon wusste. Er wird erklären, welche Spieler des FC Schalke 04 Geld erhalten haben.“

Zum ersten Mal wurde auch offiziell die Summe von 250.000 D-Mark genannt, die Herthas Spieler entgegengenommen haben sollen. Als „Geldgeber“ standen nicht nur Vorwürfe gegen Bielefeld im Raum, sondern auch Beauftragte von Kickers Offenbach und Rot-Weiß Oberhausen. Es waren die am Ende der Saison 1970/71 vom Abstieg bedrohten Vereine. Aufsteiger Bielefeld entschuldigte sich mit der frühzeitigen Erkenntnis, allein mit sportlichen Mitteln den Platz in der Bundesliga nicht halten zu können. Mit der Bielefelder Reue-Erklärung konnte der DFB-Chef-Ankläger Hans Kindermann seinen ersten bedeutenden Erfolg verbuchen. In zäher Aufklärungsarbeit ließ der Stuttgarter Jurist nie Zweifel an seinem Ehrgeiz, alle Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen.

Drei Jahre vor der Weltmeisterschaft, die 1974 an Deutschland vergeben war, erzeugten die Skandalgeschichten überall im Land höchst peinliche Gefühle. Währenddessen wurden die WM-Vorbereitungen unverdrossen vorangetrieben. Verzögerungen gab es nur in Berlin. Das Olympiastadion stand damals unter der Verwaltung des Bundesfinanzministeriums in Bonn. Die Verhandlungen zogen sich unsäglich lange hin, bis man beim Senat endlich Nägel mit Köpfen machen wollte.

Eine Abordnung unter Führung des für den Berliner Sport zuständigen Senatsrats Rudi Horn kam schließlich mit Erfolg aus Bonn zurück. Das Ministerium stellte 25 Millionen D-Mark für die Renovierung des Stadions zur Verfügung. Davon sollten 13 Millionen für den Ausbau der Ränge und der Pressetribüne verwendet werden.

Die restlichen zwölf Millionen blieben für den Bau zweier Dächer reserviert, die an den Längsseiten entstehen sollten. Zweifellos ein Provisorium, das auf einen Kompromiss mit dem Erbauer des Stadions, Prof. Werner March, zurückzuführen war. Die Dächer sollten ausgesprochen „luftig“ sein. Den Schutz vor Regen und Wind konnten lediglich zweimal 13.000 Besucher nutzen.
Günter Weise

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(Ausgabe Nr. 43)

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Aktualisiert (Donnerstag, 27. Oktober 2011 um 08:05 Uhr)

 
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