Düsternis um Tasmania
Über zwei Jahrzehnte lang gehörte Tasmania 1900 zu den erfolgreichsten Mannschaften Berlins. Nach dem misslungenen Bundesliga-Abenteuer 1965/66 versuchten die Neuköllner, im Schatten des Bundesliga-Krösus' Hertha BSC mühsam wieder auf die Beine zu kommen. Das gelang unter erheblichen finanziellen Anstrengungen. 1971 wurde die Regionalliga-Konkurrenz so eindeutig wie noch nie abgefertigt und die Meisterschaft gewonnen. Doch in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga blieb die Mannschaft hinter den Erwartungen zurück.
Auch die Zuschauereinnahmen ließen Wünsche unerfüllt. Da zudem ein bedeutender Sponsor seine Verpflichtungen nicht einhielt, gerieten die Bilanzen in Schieflage. Im Monat September 1971 wurden insgesamt nur 5.000 D-Mark eingenommen und noch weniger war im Oktober zu erwarten. Im Neuköllner Stadion war ein einziges Heimspiel angesetzt – gegen den Tabellenletzten Meteor…
„Unser Enthusiasmus hat einen erheblichen Dämpfer bekommen“, bekannte Präsident Ulrich Bräuel, ein erfahrener Rechtsanwalt. Er wollte das Ziel Bundesliga nicht aus den Augen verlieren und die Mannschaft bemühte sich, den Erwartungen gerecht zu werden. Sie gehörte weiterhin zu den Titelkandidaten und bot auch im Rivalen-Duell mit Tennis Borussia eine gute Leistung. Im Mommsenstadion gab es mit 4.565 Zuschauern einen Saisonrekord. Sie sahen ein Spiel auf erfreulich hohem Niveau, das trotz eines 0:0 Zufriedenheit hinterließ. Das Endergebnis wurde als gerecht empfunden. Mit dem Remis wahrten beide Mannschaften hinter dem unerwartet starken Spitzenreiter Blau-Weiß 90 ihre Chancen. Die Blau-Weißen hatten am Siebenendenweg den Widerstand des Tabellensechsten Hertha Zehlendorf zu überwinden, siegten aber sicher mit 2:0. Die Tore fielen durch Hey und einen von John verwandelten Foulelfmeter.
Nach zehn Runden führten die noch unbesiegten Blau-Weißen mit 19:1 Punkten die Tabelle vor Tasmania (17:3), Tennis Borussia (16:4) und Wacker 04 (13:7) an. Am Tabellenende hingegen sah es gar nicht gut aus für Alemannia 90 (5:13), Rapide Wedding (5:15) und Meteor 06 (3:17). In der Torschützenliste führte John (Blau-Weiß 90) mit 11 Treffern vor Nerlinger (Tasmania) mit 10, Stolzenburg (Hertha Zehlendorf) mit 9 und Sprenger (Tennis Borussia) mit 8 Toren.
Auch zum Thema „Konzentration der Kräfte“ gab es mal wieder lebhafte Diskussionen um Verschmelzungen der führenden Vereine. So nahm Tasmanias Vorstand Gespräche mit Blau-Weiß 90 auf, um vielleicht eine Fusion ins Auge zu fassen. Auch Tennis Borussias Vorstand zeigte sich nicht abgeneigt, eventuell eine Fusion mit Wacker 04 anzuregen. Aber mehr als unverbindliche Fühlungnahmen zeichneten sich nicht ab. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 42)
Aktualisiert (Donnerstag, 20. Oktober 2011 um 07:39 Uhr)
Back






































