Start Serie Vor 40 Jahren Berti klar vor Franz

Berti klar vor Franz

Alljährlich fühlen sich die deutschen Sportjournalisten verpflichtet, über den „Fußballer des Jahres“ abzustimmen. Nach der Einführung der Bundesliga wuchsen immer mehr überragende Spieler ins Blickfeld. Bei den Wahlen stieg die Spannung, so auch 1971. Zum Kreis der Favoriten gehörte damals natürlich Franz Beckenbauer, dessen überragende Fähigkeiten jeder kannte. Doch die Journalisten werteten offensichtlich nicht nur die Beherrschung des Balles.

Beckenbauer neigte gelegentlich dazu, provozierend aufzutreten und bei Auswärtsspielen die Zuschauer zu reizen. Bei der Wahl erhielt er 154 Stimmen und musste sich mit dem zweiten Platz begnügen.

Fußballer des Jahres aber wurde Berti Vogts vom Meister Borussia Mönchengladbach. Berti, der eigentlich Hans-Hubert heißt, bekam 225 Stimmen. Er hatte mit 24 Jahren schon 42 Länderspiele hinter sich und galt als unbestritten bester deutscher Verteidiger. Sein Spiel trug schon damals moderne Züge, weil er oft mit nach vorn marschierte. Ein unerbittlicher „Wadenbeißer“, der bei aller Härte jedoch nie zum Foulspiel neigte. Sein gradliniges Wesen setzte er auch später als erfolgreicher Bundestrainer ein.

Auf dem dritten Platz der Abstimmung mit 123 Stimmen landete Günter Netzer, der wie Vogts das Spiel des Deutschen Meisters von 1970 und 1971, Borussia Mönchengladbach, entscheidend vorantrieb. Netzer galt nicht nur als genialer Regisseur im Mittelfeld, sondern schoss auch effektvolle Tore. Schon in jungen Jahren genoss er im Privatleben den Ruf eines „Paradiesvogels“. Er fuhr stets schnelle Sportwagen und eröffnete eine eigene Disco, in der er sich gern mit prominenten Gästen zeigte.

In der Bundesliga setzte Spitzenreiter Schalke 04 seinen Erfolgszug fort und stellte einen neuen Rekord auf. Zum ersten Mal seit Gründung der Bundesliga 1963 blieb eine Mannschaft sechs Spiele in Folge ohne Gegentor – mit insgesamt 13:0. Beim 4:0 gegen den Abstiegskandidaten Rot-Weiß Oberhausen war Mittelstürmer Klaus Fischer mit drei Treffern der überragende Mann. Damit setzte er sich auch an die Spitze der erfolgreichsten Torjäger.

Hertha BSC hielt mit und kletterte nach einem 2:1-Sieg über Werder Bremen auf den fünften Platz. Bester Mann auf dem Feld war der Ungar Zoltan Varga, der mit platziertem Kopfball zum 1:1 traf und die Wende einleitete. Nachdenklich machte der Zuschauerrückgang, denn nur noch 30.000 kamen ins Olympiastadion. Viele Berliner zogen sich zurück, weil sie im Bundesliga-Skandal nicht an Herthas Unschuld glaubten. Günter Weise

Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche
(Ausgabe Nr. 41)

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Aktualisiert (Donnerstag, 13. Oktober 2011 um 08:14 Uhr)

 
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