Start Serie Vor 40 Jahren Verbrüderung in Polen

Verbrüderung in Polen

Die schwierigste Hürde auf dem Weg zur EM-Endrunde 1972 hatte die Auswahl Helmut Schöns in Warschau zu bewältigen. Das Duell mit Polen war das vorletzte von insgesamt sechs Qualifikationsspielen. Da nur der Gruppensieger zur Endrunde nach Belgien reisen durfte, fiel in Warschau die Vorentscheidung. Mit 7:1 Punkten lag die deutsche Mannschaft vor den Polen, die sich mit 5:1 Punkten noch Chancen ausrechnen konnten.

Tatsächlich legten sie vor der Rekordkulisse von 100.000 im alten Riesenstadion „X-lecia“ im Höllentempo los und führten durch ihren flinken Linksaußen Robert Gadocha 1:0. Doch schon zwei Minuten später gelang Gerd Müller der Ausgleich. Eine Stunde lang war alles offen, doch dann steigerten sich die Deutschen zur Hochform. Angetrieben vom überragenden Günter Netzer gelangen wunderbare Kombinationszüge. Gerd Müller schoss das 2:1 und der Frankfurter Linksaußen Jürgen Grabowski das 3:1. In der Tabelle führte nun die deutsche Mannschaft mit 9:1 Punkten vor Polen (5:3), der Türkei (3:5) und Albanien (1:9).

Schwachpunkt beim Sieger war der für den verletzten Berti Vogts als Verteidiger eingesetzte Paul Breitner. In seinem zweiten Länderspiel wirkte der Münchner übernervös und verschuldete den polnischen Gegentreffer durch eine missglückte Rückgabe zu Sepp Maier. Libero Franz Beckenbauer musste manches ausbügeln. Netzer, Kapitän des Deutschen Meisters Mönchengladbach, sorgte für das entscheidende Übergewicht im Mittelfeld. Vereins-Kollege Herbert Wimmer bot ebenfalls eine Glanzpartie. Im Angriff war neben Gerd Müller der Gladbacher Jupp Heynckes stets eine Gefahr für die Polen. In Warschau spielten damals: Maier, Breitner, Beckenbauer (alle Bayern München), Fichtel (Schalke 04), Wimmer (Mönchengladbach), Köppel (VfB Stuttgart), Netzer (Mönchengladbach), Heynckes (Mönchengladbach), Müller (Bayern München), Grabowski (Eintracht Frankfurt).

Schon lange vor dem Spiel und vor allem später gab es vor dem Hotel „Europejski“ herzzerreißende Szenen. Hunderte DDR-Bürger nutzten die Chance einer Reise nach Warschau, um unsere Nationalmannschaft aus der Nähe zu sehen. Für sie war es ein Erlebnis, Helmut Schön mal die Hand zu drücken und Günter Netzer auf die Schulter zu klopfen. Als die Mannschaft aus dem Stadion ins Hotel zurückkehrte, vergaßen die Spieler ihre Müdigkeit und schrieben ausdauernd Autogramme. Flachste Netzer: „Der Weg vom Bus bis in unsere Zimmer war anstrengender als das Spiel.“ Einige der Schlachtenbummler waren aus dem Thüringer Wald gekommen. Sie werden die Verbrüderung sicher nicht vergessen haben… Günter Weise

Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche
(Ausgabe Nr. 40)

Banner

Aktualisiert (Donnerstag, 06. Oktober 2011 um 08:18 Uhr)

 
Back
Fußballer der Saison 2011/12
Banner
Stadioncheck
Banner
Drumbo Cup 2012
artsexylightbox
Drumbo Cup 2012
Banner
Berliner Champions
Banner