Start Serie Vor 40 Jahren Otto Höhne am Pult

Otto Höhne am Pult

Vier Stunden diskutierten die Vertreter des Berliner Fußball-Verbandes (damals noch „VBB“) in der Weddinger Hochschulbrauerei. 1971 waren 116 Vereine registriert, von denen 102 erschienen waren. Es gab keine schwerwiegenden Probleme. Länger dauerte nur die Debatte um die FIFA-Entscheidung, West-Berlin bei der WM 74 mit drei Vorrunden-Spielen abspeisen zu wollen.

Der aus Frankfurt erschienene DFB-Schatzmeister Dr. Claessen versuchte, die Gemüter mit der Feststellung zu beruhigen, dass darüber noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. VBB-Vizepräsident Werner Hannemann wollte kein Öl ins Feuer gießen und versicherte, dass „Berlin in diesem politischen Streit kein Zankapfel sein will“.

Bei der Wiederwahl des Präsidiums gab es keine Probleme, obwohl Präsident Eberhard Hartlep nicht erschienen war. Er war nach schwieriger Magen-Operation und sieben Wochen Krankenhaus-Aufenthalt noch nicht völlig genesen. In Abwesenheit erhielt er von der Versammlung ebenso das uneingeschränkte Vertrauen wie seine Vorstands-Mitglieder Werner Hannemann, Werner Lüttcher, Günter Friesecke und Georg Werg. Als dauerhaftester Verfechter erschien Hertha Zehlendorfs Vorsitzender Otto Höhne siebenmal am Rednerpult. Ihm stand Willi Boos mit sechs Auftritten nur wenig nach.

Berlin trauerte um einen der hoffnungsvollsten Schiedsrichter. Ewald Regely hatte sich in der Bundesliga und auch schon international einen Namen gemacht. Bei einem Lehrgang in der Sportschule Barsinghausen brach er bei einem Testlauf plötzlich zusammen und erlag einem Herzinfarkt. Er wurde nur 37 Jahre alt.

In der Bundesliga behauptete Schalke 04 ziemlich unerwartet die Spitze. Nach dem siebenten Sieg in den ersten acht Runden hatten die Schalker um Nationalspieler Klaus Fichtel 14:2 Punkte auf dem Konto. Einen Punkt zurück folgten die Bayern vor Meister Mönchengladbach. Hertha hatte dank überragender Leistungen seines Torwarts Volkmar Groß in Frankfurt ein 1:1 und im Olympiastadion ein 2:1 über Borussia  Dortmund erzwungen. Allerdings hinterließ dieser Sieg keinen bleibenden Eindruck, weil die Dortmunder als Tabellen-Sechzehnter ersatzgeschwächt angetreten waren. Bei strömendem Regen retteten zwei Tore des überragenden Mittelstürmers Lorenz Horr den Sieg, mit dem Hertha bei 10:6 Punkten auf dem 6. Platz gut im Rennen lag.

Die Vernehmungen um den Bundesliga-Skandal gingen nur schleppend voran. In Berlin wunderte man sich, dass auch Helmut Faeder beim Chefankläger Hans Kindermann erscheinen musste. „Da muss sich wohl jemand einen Scherz erlaubt haben“, sagte Helmut lakonisch. Tatsächlich hatte Faeder den Club bereits 1967 in Richtung Hertha Zehlendorf verlassen und konnte als Zeuge absolut nichts zur Aufklärung beitragen. Günter Weise

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(Ausgabe Nr. 38)

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Aktualisiert (Donnerstag, 22. September 2011 um 07:44 Uhr)

 
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