Start Serie Vor 40 Jahren Den Meister kalt erwischt

Den Meister kalt erwischt

Keinen Zweifel gab es bei den Voraussagen vor dem Start der Regionalliga-Saison  1971/72. Unter den 12 Klubs genoss Tasmania 1900 die Rolle des Favoriten. Zwar hatten die Neuköllner in den Aufstiegsspielen zur Bundesliga die Erwartungen nicht erfüllt. Doch während der Saison hatten sie die Berliner Konkurrenz eindeutig wie noch nie beherrscht und die Meisterschaft hochüberlegen mit 61:5 Punkten gewonnen. Zur Vorbereitung auf die neue Saison veranstaltete man damals den sogenannten Derby-Pokal. Tasmania hatte im Viertelfinale gegen Blau-Weiß 90 anzutreten und gewann im Neuköllner Stadion mit 5:0.

Der Zufall brachte beide Mannschaften drei Tage später zum Auftakt der Meisterschaft  erneut gegeneinander. Es lag nahe, dass der Berliner Meister die kurz zuvor so glatt unterlegenen Blau-Weißen maßlos unterschätzen würde. Zwar ging Tasmania durch den aus Offenbach gekommenen Nerlinger mit 1:0 in Führung. Aber dann kamen die knapp 2000 Zuschauer im Tempelhofer Ebert-Stadion aus dem Staunen nicht mehr heraus. Blau-Weiß wurde immer stärker und überraschte den Meister mit schwungvollen Angriffen. Schon zur Halbzeit führten die Mariendorfer 2:1.

Entscheidender Mann auf dem Feld war der neue Blau-Weiß-Mittelstürmer Wolfgang John. Mit nur einem Einsatz hatte er beim 1. FC Köln  nicht  Fuß fassen können. Jetzt aber ließ er sich von keinem Tasmanen aufhalten. Am Ende gab es einen völlig unerwarteten 4:2-Sieg. John schoss alle vier Tore! Kein Wunder, dass die Blau-Weißen ihren Mittelstürmer als  Helden feierten.

Allen voran Trainer „Spinne“ Siegert und der Vereinsvorsitzende Manfred Kursawa, der Johns Wechsel überhaupt erst möglich gemacht hatte. Damals spielten für die Blau-Weißen: Kosmowski, Heidemann, Reinhard, Hirseland, Bien, Hey, Liedtke, Geyer, John, Schulz, Gbur.

Im Mommsenstadion trafen zwei andere Klubs mit großer Tradition aufeinander: Tennis Borussia und Wacker 04 trennten sich nach einem recht guten Spiel 1:1. Wacker schien dem Sieg näher, aber am Schluss fehlten den Reinickendorfern die Kräfte. Trainer Basikow beklagte hinterher den Kräfteverschleiß durch Pokal- und Meisterschaftsspiele.

Auch bei der Zehlendorfer Hertha fehlte die Kondition – und nach dem Abtritt Helmut  Faeders die ordnende Hand. So gab es am Siebenendenweg eine 2:4-Niederlage gegen den Spandauer SV. Vermisst wurde auch Trainer Gerd Schulte, der sich noch im Urlaub befand. Einen besseren Start hatte der in die Regionalliga zurückgekehrte BSV 92. An der Ungarnstraße gewannen die Wilmersdorfer gegen Rapide Wedding 2:1. Allerdings musste ihnen das Glück helfen. Rapide-Verteidiger Polzfuß lenkte einen Schrägschuss von Borries unglücklich ins eigene Tor. Günter Weise

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Aktualisiert (Mittwoch, 24. August 2011 um 16:45 Uhr)

 
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