Dunkle Ahnungen am Start
Von einem unbeschwerten Start in die neue Bundesliga-Saison konnte 1971 keine Rede sein. Die Verdächtigungen und Ge-rüchte um Spiel-Absprachen zogen immer weitere Kreise. DFB-Chefankläger Hans Kindermann beorderte die Herthaspieler Tasso Wild und Bernd Patzke zu einer weiteren Vernehmung nach Frankfurt, nachdem beide bereits mit schwerwiegenden Vorstrafen belegt worden waren. Herthas Vorstand unter seinem Präsidenten Gerhard Bautz beschloss, gegen die Sperren Berufung einzulegen. Außerdem unterschrieben alle Herthaspieler eidesstattliche Erklärungen, kein Geld von Arminia Bielefeld entgegengenommen zu haben.
Kindermann ließ keinen Zweifel daran, dass er von der Unwahrheit der Aussagen überzeugt sei. Er musste sich auch bei Verhören gedulden. Rechtsanwalt Weber, der Wild und Patzke vertrat, bat um Terminverschiebung. Er versicherte, noch nicht genügend Zeit gehabt zu haben, um die Situation mit seinen beiden Mandanten zu besprechen.
In Frankfurt mussten nicht nur die Spieler von Rot-Weiß Oberhausen erscheinen, sondern auch Kölns Mannschafts-Kapitän Wolfgang Overath. Er musste zugeben, von Verdächtigungen gegen seinen Torwart Manfred Manglitz erfahren zu haben. Er beteuerte, den Gerüchten keinen Glauben geschenkt zu haben. Doch diese Gutgläubigkeit des Nationalspielers erwies sich als Irrtum, denn Mangliltz wurde bald schwer belastet und musste seine Karriere als einer der besten deutschen Torhüter mit 31 Jahren beenden.
Unter diesen dunklen Vorzeichen reiste Hertha BSC zum ersten Spiel nach Stuttgart. Irgendwie hatte sich innerhalb der Mannschaft eine gewisse Bedrückung eingeschlichen. Der Tabellendritte der vorangegangenen Saison wurde im Neckarstadion vom Tabellenzwölften 3:0 geschlagen. Nur wenige konnten glänzen wie Uwe Witt, der als Abwehrchef eine noch höhere Niederlage verhinderte. Ungewöhnlich schwach wirkte dagegen Laszlo Gergely als Gegenspieler des Österreichers „Buffy“ Ettmayer. Der kompakte Stürmer schoss schon vor Halbzeit zwei Tore und als Entenmann kurz nach der Pause das 3:0 gelang, war Hertha rettungslos verloren.
Ein Lichtblick war für Trainer Helmut Kronsbein das gelungene Debut des vom BFC Preussen erworbenen Berliners Michael Sziedat. Kurz vor seinem 19. Geburtstag bot der rechte Verteidiger gegen den Stuttgarter Linksaußen eine erstaunlich couragierte Partie. Sziedat wuchs schnell zu einem der zuverlässigsten Verteidiger heran, die je im Herthadress gespielt haben. Bis 1980 bestritt er für die Berliner 280 Bundesligaspiele, ehe er noch weitere 99 Spiele für Eintracht Frankfurt im Einsatz war. Noch heute beweist er seine Fitness als strammer Senior! Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 33)
Aktualisiert (Donnerstag, 18. August 2011 um 12:03 Uhr)
Back






































