FIFA-Streit um Berlin
Gewaltige Enttäuschung für Berlin drei Jahre vor Beginn der Weltmeisterschaft 1974: dem Olympiastadion wurden nur drei Gruppenspiele zugeteilt! Davon sollte die Mannschaft der Bundesrepublik in Berlin nur ein einziges bestreiten. Eindeutig wurde München bevorzugt, die „Weltstadt mit Herz“. Dort sollten ebenfalls drei Gruppenspiele stattfinden sowie das Spiel um den dritten Platz und das Endspiel. Dazu vorgesehen war der für die Olympischen Spiele 1972 errichtete Neubau mit dem von Willi Daume gelobten „Zeltdach“.
Grund für die Zurücksetzung Berlins waren vorangegangene Auseinandersetzungen zwischen den Machtblöcken aus Ost und West innerhalb der FIFA. Im kalten Krieg ließ der Ostblock keinen Zweifel an seiner These, die Stadt West-Berlin als eigenständiges politisches Gebilde anzusehen. Unter Führung der Sowjetunion stemmte sich der Osten gegen alle Bemühungen, Berlin mehr als drei Spiele zukommen zu lassen.
In Berlin wurde bezweifelt, ob der DFB unter Führung des Präsidenten Dr. Hermann Gösmann und des Organisationschefs Hermann Neuberger diesem Treiben überhaupt entgegengetreten ist. Die DFB-Delegation gab sich bei der FIFA-Tagung als betont neutraler Gastgeber, der die zu erwartenden Gäste nicht schon drei Jahre vorher verstimmen wollte. Im Kommentar der „Fußball-Woche“ machte Fritz Clauss seiner Enttäuschung Luft:
„Der Zug in die weite Welt des großen Fußballs ist für Berlin abgefahren. Wir wurden bei der Vergabe der Spielorte für die Weltmeisterschaft mit drei Gruppenspielen der Vorrunde abge-speist. Die Tatsache, dass unsere Mannschaft nur ein Spiel in Berlin bestreiten darf, trägt eindeutig die Merkmale eines Trostpflasters. Nach den drei Spielen liegt Deutschlands größte Stadt buchstäblich im Abseits. Kein Spiel der Zwischenrunde, der reifenden Entscheidungen. Der guten Worte, wenn es um Berlin geht, haben wir genug gehört. Doch wenn es um Taten ging, war man häufig zu schwach auf der Brust.“
Für die WM wurden zehn Stadien nominiert. Fast alle sollten ausgebaut und vor allem die Ränge renoviert werden. Auch in Berlin wurde beschlossen, mit zwei luftigen Dächern an den beiden Längsseiten wenigstens teilweise für etwas Schutz der Zuschauer zu sorgen. Der Bau der Dächer sollte bis zum Herbst 1973 abgeschlossen sein. Das Fassungsvermögen betrug 80.000 Plätze. Die zehn vorgesehenen Stadien: München (Olympiastadion) 80.300 Plätze, Berlin (Olympiastadion) 80.000, Stuttgart 71.111, Gelsenkirchen 70.000, Düsseldorf 70.000, Nürnberg 68.700, Frankfurt 66.720, Köln 66.620, Hamburg 66.000, Hannover 62.300. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 32)
Aktualisiert (Donnerstag, 11. August 2011 um 12:44 Uhr)
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