„Ete“ schlägt auf Anhieb ein
Nach kurzer Sommerpause trat Hertha BSC zur sogenannten Intertotorunde an. Erster Gegner auf dem alten Platz am Gesundbrunnen war die tschechische Ligamannschaft Jednota Trencin. Hertha gewann nach einem recht guten Spiel mit 2:1 zu knapp, weil die Berliner über weite Strecken das Spiel diktierten. Beide Tore schoss ein Spieler, den man in Berlin zum ersten Mal sah: Erich Beer!
Der 24-Jährige galt als eine Art Wandervogel, der schon im Süden und Westen in vier verschiedenen Vereinen gespielt hatte. Ein offensiver Mittelfeldspieler, wie ihn Hertha schon lange gesucht und nun gefunden hatte: „Ete“ erwies sich bereits gegen die Tschechen als Regisseur mit Übersicht und trockenem Torschuss. Die „FuWo“ urteilte begeistert: „Beer war zweifacher Torschütze und auf Anhieb der Liebling der 10.000 Fans auf den Rängen. Der 24-Jährige, der schon beim VfL Neustadt, in Fürth, Nürnberg und Essen spielte, ist eine echte Verstärkung für Hertha BSC.“
Viel Lob gab es auch für die Erwerbung aus Aachen. Erwin Hermandung überragte mit seinen 1,90 Meter alle seine Mitspieler und ließ schon im ersten Spiel deutlich erkennen, dass er in der Abwehr zur festen Größe werden würde. Die Mannschaft bot einen geschlossenen Eindruck. Aus der Stamm-Elf fehlten lediglich die vom DFB gesperrten Patzke und Wild.
Große Unruhe herrschte im ganzen Land über die Verneh-mungen nach dem aufgedeckten Bundesliga-Skandal. Wachsende Kritik erhob sich gegen den DFB, weil er den Gerüchten am Ende der Bundesliga-Saison nicht nachgegangen war. Mehreren Angestellten war nach Andeutungen in Telefongesprächen nicht verborgen geblieben, dass Bedrohliches „im Busche war“. Bohrenden Fragen musste sich auch Dr. Gösmann stellen, der DFB-Präsident aus Osnabrück. Er verteidigte sich auch als Rechtsanwalt, der juristische Fragen in der DFB-Satzung genau kannte. Er nahm seine Angestellten in Schutz. Sie hätten nur dann eingreifen müssen, wenn man ihnen Beweise vorgelegt hätte. Die Forderung nach Beweisen hatte auch Offenbachs Vorsitzender Canellas abgelehnt. Er wollte später vor Rundfunk und Fernsehen seine eigene „Show“ abziehen und sich als eine Art Saubermann präsentieren.
Inzwischen wurden die Verhöre durch den Chefankläger Kindermann in Frankfurt am Main fortgesetzt. Nach den ersten Verurteilungen des Kölner Torwarts Manglitz sowie der Hertha-Spieler Patzke und Wild wurden nun Rot-Weiß-Oberhausens Vorsitzender und mehrere Spieler nach Frankfurt geladen. Auch Eintracht Braunschweigs Kapitän Lothar Ulsaß wurde nach Frankfurt beordert. Allerorts machte sich Unsicherheit breit. Niemand wusste mehr so genau, wer nun als Angeklagter oder wer als Zeuge erscheinen musste. Günter Weise
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 31)
Aktualisiert (Donnerstag, 04. August 2011 um 07:56 Uhr)
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