Start Serie Vor 40 Jahren Streit um zwei Strategen

Streit um zwei Strategen

Zu Beginn der siebziger Jahre hatte der deutsche Fußball ein Luxus-Problem. Dem Bundestrainer Helmut Schön standen mit Wolfgang Overath und Günter Netzer zwei Könner internationalen Formats zur Verfügung. Schön wollte sie selbstverständlich in der Nationalmannschaft wirken lassen. Doch die beiden starken Charaktere verstanden sich nicht sonderlich. Beide spielten in ihren Klubs entscheidende Rollen.

 

 

Netzer hatte seine Mönchengladbacher gerade zur Deutschen Meisterschaft geführt, Overath war überragender Regisseur seines 1.  FC Köln. Der Bundestrainer glaubte, das Problem ebenso lösen zu können wie er wenige Jahre vorher die beiden Mittelstürmer Gerd Müller und Uwe Seeler in seiner Mannschaft vereinigt hatte.

Doch der Streit um Overath und Netzer erwies sich als viel schwieriger, weil keiner von beiden zurückstecken wollte. Wenn beide nebeneinander stürmten, kam es nie zur erhofften Wirkung. Beide standen mit 27 und 26 Jahren im besten Alter und die Medien machten die Auseinandersetzung zum Dauerthema. Allmählich wuchs die Unlust bei Netzer, der sich den ständigen Reibereien nicht  mehr aussetzen wollte. Das war auch der Grund, warum der Mönchengladbacher am Ende nur auf 37 Länderspiele kam, während der zähe Overath 81 Mal für Deutschland spielte.

Um das Problem einer Lösung näher zu bringen, nahm Schön beide Spieler am Ende der Saison 70/71 auf eine Skandinavien-Reise mit. Die Begeisterung über diese Unternehmung hielt sich nach einer langen Saison in Grenzen. Innerhalb von acht Tagen sollten in Norwegen, Schweden und Dänemark drei Spiele absolviert werden. Doch der Kräfteverschleiß blieb begrenzt. Im Gegensatz zu den starken Schweden spielten Norwegen und Dänemark damals im europäischen Fußball nur zweitklassige Rollen. Das erste Spiel verlief völlig einseitig, denn die norwegischen Amateure waren hoffnungslos unterlegen. Die deutsche Mannschaft gewann mit drei Toren Gerd Müllers 7:1  und wurde in Oslo herzlich gefeiert. Die Zeitung „Aftenposten“ titelte: „Eine festliche Niederlage“.

Anormal ging es auch in Göteborg zu, wo die Schweden bei strömendem Regen auf völlig aufgeweichtem Boden 1:0 gewannen. Schwacher Trost für die Deutschen war die Vermutung, dass ein Meisterschaftsspiel wegen „unbespielbaren Bodens“ vermutlich abgesagt worden wäre. Halbwegs normal verlief nur die Partie in Kopenhagen. Nach 0:1-Rückstand gewann die deutsche Mannschaft mit deutlicher Steigerung in der zweiten Halbzeit  3:1. Damals spielten:

Maier (Bayern), Vogts (Gladbach), Weber (Köln), Becken-bauer, Schwarzenbeck (beide Bayern), Flohe (Köln), Netzer (Gladbach), Overath (Köln), Köppel (Gladbach), Müller (Bayern), Held (Dortmund). Günter Weise

Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
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(Ausgabe Nr. 29)

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Aktualisiert (Donnerstag, 21. Juli 2011 um 08:03 Uhr)

 
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