„Wenn wir eine Serie starten, ist alles möglich“
Robert Wulnikowski (34) zog im Alter von zwölf Jahren mit seinen Eltern von Polen ins Ruhrgebiet. Während und nach seiner Ausbildung zum Industrie-Mechaniker arbeitete der 1,92 Meter große Torwart „unter Tage“, nach der Arbeit trainierte er mit der Schalker Reserve. Den Job im Bergbau gab er zugunsten seiner Profi-Karriere auf – doch die verlief alles andere als glatt: Sein erstes Engagement führte ihn 1999 zum 1. FC Union, wo er zunächst nur Ersatzmann war. Erst 2002/03 unter Mirko Votava erkämpfte sich Wulnikowski einen Stammplatz – und stieg 2004 ab. Es folgten Stationen in Essen, Aalen und Siegen, mit mäßigem Erfolg. Bei Kickers Offenbach, wo Wulnikowski seit 2008 spielt, fand der Torhüter wieder in die Spur. Sonnabend (14 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion) brauchen Wulnikowski und sein OFC einen Sieg gegen Babelsberg, um vielleicht doch noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden zu können.
FuWo: Herr Wulnikowski, Sie sind jetzt 34 Jahre alt, haben 56 Zweitligaspiele absolviert, davon 54 für Union. Haben Sie etwas falsch gemacht?
Robert Wulnikowski: „Das ist Schicksal, deswegen mache ich mir darüber überhaupt keine Gedanken. Wo ich war, war ich zufrieden – außer bei Rot-Weiss Essen. Da lief es nicht so gut, weshalb ich meinen Vertrag auch aufgelöst habe. In Siegen war ich zwar auch nur ein Jahr, aber das lag an der Insolvenz des Vereins, sonst wäre ich bestimmt länger geblieben.“
Wie sehr hat Sie die Erfahrung im Bergbau geprägt?
Wulnikowski: „Unter Tage arbeiten ist ein Knochenjob. Die Spieler von Schalke fahren einmal im Jahr runter, um zu sehen, wie das ist. Da kriegen die schon einen Schrecken, wenn sie tausend Meter runter fahren. Das ist nicht jedermanns Sache. Vielleicht habe ich daher meine Kämpfernatur.“
Haben Sie beim OFC Ihre sportliche Heimat gefunden?
Wulnikowski: „Meine Familie und ich, wir fühlen uns sehr wohl hier. Wenn mich die Fans und die Verantwortlichen noch haben wollen, bin ich gerne bereit, länger zu bleiben.“
Es gab 2011 einen Moment, der für Schlagzeilen sorgte: Im Spiel gegen Heidenheim hatten Sie eine Gehirnerschütterung und einen Jochbogenbruch erlitten, anschließend sind Sie wie ein angeknockter Boxer durch den Strafraum getaumelt. Trotzdem wollten Sie weiterspielen.
Wulnikowski: „Das ist mein Naturell, so bin ich. Ich will immer alles geben, um ein Spiel zu gewinnen. Ich bin nach Offenbach gekommen, um aufzusteigen. Leider haben wir es bis jetzt nicht geschafft. Für den Erfolg gebe ich alles – aber das in Heidenheim war falscher Ehrgeiz, ich hätte nicht noch 15 Minuten weiterspielen sollen mit dieser Verletzung.“
Was macht den Verein Kickers Offenbach aus Ihrer Sicht aus?
Wulnikowski: „Es ist ein Traditionsverein, bei uns kommen im Schnitt 7000 Zuschauer, für die 3. Liga ist das bemerkenswert. Ganz egal, wie es um die Mannschaft steht, ob wir um den Aufstieg oder gegen den Abstieg spielen, die Fans stehen immer hinter uns.“
Letztes Jahr haben die Kickers am Aufstieg geschnuppert, in der Rückrunde ist der Mannschaft jedoch die Luft ausgegangen. Was passte nicht?
Wulnikowski: „Das fragt mich jeder. Letztendlich haben wir unser Ziel nicht geschafft, was sehr enttäuschend war. Mit dieser Mannschaft hätten wir aufsteigen müssen! Fragen sie irgendeinen meiner Mitspieler, keiner wird ihnen erklären können, woran es gelegen hat.“
Geht in dieser Saison noch was nach oben?
Wulnikowski: „Es ist alles ganz eng. Wenn wir eine Serie starten, ist alles möglich. Was wir in den letzten Spielen gezeigt haben (0:1 gegen Chemnitz, 1:1 in Oberhausen, die Red.), war allerdings zu wenig. Wenn auch noch Spiele ausfallen, wie am Wochenende gegen Jena, ist wieder eine Handbremse drin. Deshalb ist es auch wichtig, dass alle mitziehen, damit wir Erfolg haben und aufsteigen.“
Wenn es mit dem Aufstieg noch was werden soll, muss in Babelsberg ein Sieg her.
Wulnikowski: „Gerne (lacht)! Letzte Saison haben wir dort 0:2 verloren, das war bitter. Das war der Beginn unserer Talfahrt. Diesmal wollen wir es besser machen, am besten mit drei Punkten.“
Interview: Alex Heinen
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 7)
Aktualisiert (Mittwoch, 15. Februar 2012 um 12:11 Uhr)
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