„Meine Sympathien gehören Union“
Mit dem Slogan „Menze ist schuld!“ verarbeiteten die Fans des 1. FC Union im Jahr 2000 auf ihre Art den knapp verpassten Aufstieg in die 2. Liga. „Übeltäter“ Steffen Menze (43) hatten sie, trotz seines verschossenen Elfmeters in der Relegation gegen Osnabrück, längst fest ins eiserne Herz geschlossen. Deshalb darf sich der langjährige Union-Kapitän (149 Spiele, 37 Tore zwischen 1998 und 2003) am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) auch mit Sicherheit auf einen freundlichen Empfang freuen. Obgleich er diesmal als Sportdirektor von Dynamo Dresden kommt und vor allem einen Wunsch hat: die drei Punkte aus Köpenick nach Sachsen zu entführen.
FuWo: Herr Menze, welches Union-Erlebnis ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Steffen Menze: „Die Enttäuschung in Osnabrück, als wir den Aufstieg im ersten Anlauf nicht geschafft haben. Umso schöner war es, als wir es ein Jahr später doch noch gepackt haben. Und natürlich das Pokalfinale, so etwas erlebt man auch nicht jeden Tag.“
Seit Ihrem Abgang hat sich eine Menge getan.
Menze: „Als ich von Union wegging, ging es leider steil nach unten. Das war aus meiner Sicht unnötig. Umso erfreulicher ist die Entwicklung in die Gegenrichtung. Man sieht, was mit Hilfe der Fans möglich ist. Ich habe sehr gute Beziehungen zu den Leuten dort, meine Sympathien gehören nach wie vor Union.“
Was kann Dynamo von Union lernen?
Menze: „Wichtig ist Beständigkeit in der Personalpolitik, was Union mittlerweile über einige Jahre praktiziert. Das betrifft vor allem die Trainerposition. Wenn man Konstanz und Ruhe bewahrt, erhöht das die Möglichkeiten des Vereins, auch sportlich zumindest die Minimalziele zu erreichen.“
Sie haben als Trainer in Offenbach und Mannheim gearbeitet. Wie wurde aus Ihnen ein Sportdirektor?
Menze: „So genau kann ich das gar nicht sagen. Ich habe gute Kontakte zu Bernd Hofmann (1998 bis 2003 Geschäftsführer bei Union, seit 2010 Vorstandsvorsitzender bei Hansa Rostock, d. Red.), er war bei Dynamo auch mal als Manager im Gespräch. Als daraus nichts wurde, kam man auf mich zu. Weil ich mich im sportwissenschaftlichen Bereich auskenne, habe ich gesagt, okay, das werde ich probieren. Aber ich habe auch gerne als Trainer gearbeitet. Die Zeit im Jugend- und U 23-Bereich war spannend und lehrreich.“
Ist eine Rückkehr auf die Trainerbank denkbar?
Menze: „Das eine schließt das andere nicht aus. Ich habe meine Fußballlehrer-Lizenz, habe über sechs Jahre in dem Bereich gearbeitet. Aber jetzt bin ich Sportdirektor, diese Funktion versuche ich bestmöglich auszufüllen.“
Am Anfang Ihrer Trainerlaufbahn haben Sie bei Mainz 05 hospitiert, als Jürgen Klopp dort Trainer war. Hatte Sie damals das Gefühl: Das wird mal ein Großer?
Menze: „Für mich war er damals schon ein ,Großer‘. Es geht dabei gar nicht um Titel – damals hatte er noch keine – sondern allein um die Bewertung seiner Arbeit. Wobei ich glaube, dass es sehr viele Trainer gibt, die man ebenfalls als ,Große‘ bezeichnen könnte, die aber in unteren Ligen arbeiten.“
Wie würden Sie Dynamo-Coach Ralf Loose charakterisieren?
Menze: „Er ist ein sehr ruhiger, sachlicher, kompetenter Trainer. Und er hat großen Anteil an dem Aufschwung, den wir hier seit einem Jahr erleben. Ich pflege zu ihm eine sehr enge Beziehung, was aus meiner Sicht auch notwendig ist.“
In Sachsen wächst Dynamo mit RB Leipzig starke Konkurrenz heran. Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wer schafft es eher in die Bundesliga – Dresden, Leipzig oder Union?
Menze: „Aus finanzieller Sicht ist das für Dresden und Union sicher eine sehr ambitionierte Vision. Behält Leipzig seinen Sponsor, dann werden sie viel leisten können, wie das Beispiel Hoffenheim gezeigt hat. Bei uns sehe ich diese Möglichkeiten in naher Zukunft eher nicht, bei Union wird es ähnlich sein, ohne die Details zu kennen.“
Freuen Sie sich über die Leipziger Konkurrenz?
Menze: „Mir bereitet eher Sorge, mit welcher Aggressivität dort um Talente aus der Jugend geworben wird. Davon abgesehen sollte jeder Verein seinen finanziellen Möglichleiten entsprechend agieren. Ich gehe davon aus, das RB Leipzig mittelfristig andere Ziele verfolgt als Dresden oder Union.“
Interview: Alex Heinen
Diesen und viele weitere Artikel finden Sie in der
Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 6)
Aktualisiert (Mittwoch, 08. Februar 2012 um 12:13 Uhr)
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