Start Serie Interview der Woche „Es geht immer nur um Geld, Geld, Geld“

„Es geht immer nur um Geld, Geld, Geld“

Als Frank Rohde (51) am 11. August 1990 sein erstes Bundesligaspiel für den HSV bestritt, konnte der damals 30-Jährige bereits auf eine beeindruckende Karriere in der DDR-Oberliga zurückblicken. Mit dem BFC Dynamo hatte Rohde neun DDR-Meisterschaften (1980 bis 1988) und zwei FDGB-Pokalsiege (1988 und 1989) errungen, zudem 42 Auswahlspiele für die DDR absolviert. Nach drei Jahren beim HSV (103 Spiele, sieben Tore) kehrte „Wuschi“ nach Berlin zurück, wo er seine Laufbahn in der 2. Liga bei Hertha BSC (48 Spiele, vier Tore) ausklingen ließ. Aus dieser Zeit blieb ein Eigentor in Erinnerung, das die Zuschauer der Sportschau sogar zum „Tor des Monats“ kürten. Die Siegermedaille nahm Rohde aber erst im April 2011 an, als Trainer des Brandenburg-Ligisten Falkensee-Finkenkrug.

FuWo: Herr Rohde, am Sonnabend treffen mit dem HSV und Hertha BSC zwei Ihrer Ex-Vereine im Olympiastadion aufeinander. Ein Duell, das Sie mit besonderem Interesse verfolgen?

Frank Rohde: „Ich habe bei beiden Klubs gespielt, da versuche ich natürlich, auf dem Laufenden zu bleiben. Bei Hertha sind noch Andy Thom und Hendrik Herzog, mit denen ich zusammen gespielt habe, zudem mein Ex-Trainer Karsten Heine. Aber der Kontakt ist nicht mehr so intensiv.“

Wie kam 1990 Ihr Wechsel nach Hamburg zustande?

Rohde: ,„Der HSV war aufgrund von Ditmar Jakobs' schwerer Verletzung – der war in einen Karabinerhaken gerutscht – auf der Suche nach Ersatz. Dann gab es ein, zwei Treffen, das war's. Thomas Doll war damals in Verhandlungen mit Dortmund. Als er mich anrief, sagte ich zu ihm: Ich bin jetzt beim HSV. Darauf meinte Dolly: 'Wenn du alter Sack zum HSV gehst, komme ich natürlich mit'.“

War Hertha keine Option?

Rohde: „Es gab keinen Kontakt. Dabei wäre es für mich als Berliner selbstverständlich gewesen, auch mit Hertha zu sprechen. Aber vielleicht hat man dort den Spielern aus der DDR-Oberliga nichts zugetraut.“

Der HSV ist 11/12 schwach gestartet, jetzt ist sogar vom Europacup die Rede.

Rohde: „Frank Arnesen und Thorsten Fink haben Fußballverstand, die soll man in Ruhe arbeiten lassen, dann lässt sich etwas aufbauen. Hauptsache, es quatschen keine Leute dazwischen.“

Ruhiges Arbeiten ist in Hamburg schwer möglich.

Rohde: „Das ist in Berlin nicht anders. Selbst bei Zweit- und Drittligisten hat man keine Ruhe. Das nimmt leider Gottes immer mehr überhand. Es geht immer nur um Geld, Geld, Geld.“

Der HSV hat in den letzten Jahren etliche Trainer verschlissen. Haben Sie manchmal gedacht: Das hätte ich besser hinbekommen?

Rohde: „Das tue ich mir nicht an, ich bin doch nicht verrückt! Ich habe als Aktiver genug Stress gehabt. Ich habe ein Haus, einen Hund und meine Falkenseer, die mir viel Spaß machen.“

Hertha hat sich ebenfalls einen kuriosen Trainerwechsel geleistet. Wie bewerten Sie Babbels Abgang?

Rohde: „Das war ärgerlich, für beide Seiten. Denn es wurde ja Großartiges geleistet. Wenn man so ein Riesending macht – das war ja nicht leicht, mit Hertha wieder aufzusteigen – dann muss man es weiter durchziehen. Mit Skibbe haben sie jetzt einen, der schon in Dortmund und Leverkusen gute Arbeit geleistet hat. Ich denke, er wird das fortsetzen. Schade war es trotzdem.“

Berlin träumt vom Pokalfinale – was trauen Sie Hertha zu?

Rohde: „Das bisherige Abschneiden in der Bundesliga ist absolut zufriedenstellend. Ich denke, dass sie den Pokal als Bonus sehen. Jetzt haben sie ein Heimspiel, da kann man immer was machen. Wichtiger ist, dass sie in der Liga bleiben und sich etablieren.“

Der BFC produzierte beim Pokal-Aus gegen Kaiserslautern mal wieder Negativ-Schlagzeilen. Wie bekommt Dynamo das Problem in den Griff?

Rohde: „Das ist nicht nur ein Problem des BFC Dynamo, das wäre blauäugig. Dennoch ist es unschön. Wir sind eine Sportnation, unsere Nationalmannschaft macht richtig Spaß. Es wäre schade, wenn solche Spinner alles kaputtmachen.“

Nach 18 Jahren haben Sie die Medaille zum „Tor des Monats“ doch noch entgegengenommen. Wo bewahren Sie das gute Stück auf?

Rohde: „Ich habe eine große Kiste auf dem Dachboden, mit Hemden und allen möglichen Erinnerungen. So einen schönen Platz hat auch die Medaille – wo sie genau liegt, weiß ich nicht.“

Interview: Alex Heinen

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(Ausgabe Nr. 4)

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Aktualisiert (Mittwoch, 25. Januar 2012 um 10:56 Uhr)

 
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