Mit Ordnung und Disziplin
Der BFC Dynamo wagt mit dem Duo Gritschke/Lenz den Neuaufbau.

Von Fabian Friedmann
Aufbruchsstimmung und Aufstiegsambition wollte man vor der Saison verbreiten. Stattdessen ging es in der Hinrunde drunter und drüber beim BFC Dynamo. Erst die Randale im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern samt verordneter Platzsperre, dann die schwere Verletzung des Hoffnungsträgers Shergo Biran, gefolgt vom plötzlichen Abschied von Trainer Heiko Bonan Richtung Saudi-Arabien.
Im Anschluss gab es das dreimonatige Intermezzo von Coach Igor Lazic – nicht mehr als ein großes Missverständnis. Nun sind Co-Trainer Rene Gritschke und Teammanager Jörn Lenz von der Interims- zur Langzeitlösung aufgestiegen. Mit ihnen will Dynamo bis zum Ende der Rückrunde weitermachen: „Ich hätte es nicht erwartet. Eigentlich wollte man einen neuen Trainer verpflichten, aber es kam zu keiner Einigung“, meint Gritschke zu seiner Beförderung.
Seit 2006 ist er im Verein tätig und galt bislang als wichtiges Bindeglied zwischen U 23 und der 1. Mannschaft. Partner Jörn Lenz, der selbst das Dynamo-Trikot bis 2008 trug, gibt derweil die Marschrichtung vor: „Die Jungs sollen wieder Spaß am Fußball haben. Das geht aber nur mit Ordnung und Disziplin, auf und außerhalb des Platzes.“ Verunsichert und ideenlos spielte der BFC in den letzten Monaten.
Schon deshalb steht das Duo Gritschke/Lenz vor einer schwierigen Aufgabe: „Der Weggang von Heiko Bonan war für mich der Knackpunkt. Die Mannschaft war eingespielt, die Abläufe waren klar. Mit seinem Abschied verloren wir den Rhythmus“, erklärt Lenz. Zuletzt verließen sieben Spieler den BFC, darunter Akteure, die bei Bonan und Lazic stets zur Stammelf gehörten wie Torwart Rothe, Karaduman oder Lemcke. Faktisch steht der Verein jetzt vor einem Neuaufbau mitten in der Saison. Junge Spieler müssen auf einmal Verantwortung übernehmen.
Die Testspiele verliefen bislang wenig zufriedenstellend. Sowohl gegen Berlin-Liga-Spitzenreiter Altglienicke (2:4) als auch gegen Hertha 03 (3:4) setzte es Niederlagen, dazu beide nach frühem 0:4-Rückstand. „Wir wollen die Ergebnisse nicht überbewerten“, sagt Gritschke, „wir haben zuvor viel im Kraftbereich gearbeitet und Testspieler ausprobiert“. Für die Offensive seien zwei bis drei Neuzugänge vorgesehen. Besonders der junge Stürmer Kamga und Mittelfeldspieler Kassian machten in der Vorbereitung einen guten Eindruck. Unerfreulich: Verteidiger Marcin Kwiatkowski verletzte sich gegen Hertha 03 am Fuß. Ein längerfristiger Ausfall würde schmerzen, der Pole war zuletzt noch eine der wenigen Stützen.
Dass unter all diesen negativen Vorzeichen der ersehnte Aufstieg kaum zu realisieren scheint, versteht sich fast von selbst in Hohenschönhausen. „Man erwartet nicht viel von uns. Wir denken von Spiel zu Spiel. Und dann gibt es ja auch noch die Option Pokal“, hofft Gritschke darauf den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Trotz der verkorksten Hinrunde ist theoretisch die Regionalliga immer noch möglich: Doch „realistisch ist es nicht“, so Gritschke. Momentan gelte die Konzentration einzig dem Auftakt gegen Neustrelitz.
Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 4)
Aktualisiert (Donnerstag, 26. Januar 2012 um 13:00 Uhr)
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