In fünf Jahren mehr als 150 Tore
Gezim Jahdauti trifft und trifft und trifft – demnächst für den BSV Hürtürkel.

Von Philipp Stachelsky
Vedat Beyazit hat das Rennen gemacht. Der Coach des Landesligisten BSV Hürtürkel wird in der Rückrunde auf die Dienste eines der erfolgreichsten Berliner Torjäger zurückgreifen dürfen: Gezim Jahdauti verlässt den Ligakonkurrenten Einheit zu Pankow in Richtung Neukölln. „Er ist unser Wunschspieler, wir freuen uns riesig“, sagt Beyazit. Zum Rückrundenauftakt gab es für Jahdauti allerdings einen Dämpfer: Bei Alemannia 90-Wacker verlor Hürtürkel trotz des Einsatzes des gerade erst von einem Mittelfußbruch genesenen Torjägers mit 1:3 (Bericht auf Seite 22).
Trotz des missglückten Debüts wird Hürtürkel sicherlich noch viel Freude an seinem Neuzugang haben. Schließlich gibt es in Berlin nur wenige Stürmer, die derart konstant ins Schwarze treffen wie Jahdauti. Für den FC Liria, Wacker und Pankow erzielte der 25-Jährige während der letzten fünf Jahre allein in Pflichtspielen über 150 Treffer. Da versteht es sich fast von selbst, dass der Berliner mit albanischen Wurzeln auch in der Hinrunde wieder die Torjägerliste anführte. Nur Dennis Pagels von Stern Marienfelde konnte in der 2. Abteilung ebenfalls 15 Treffern erzielen.
Eine Quote, die wohl jeden anderen zufriedenstellen würde. Nicht aber „Jimmy“, wie ihn seine Freunde nennen. „Ohne die Probleme im Umfeld von Pankow hätte ich sicherlich häufiger getroffen“, so Jahdauti. Der Stürmer war einer der Hauptleidtragenden des Rosenkrieges, der bei der Einheit tobte. Der ehemalige Sportliche Leiter Ronald Slomkowski hatte aufgrund von Unstimmigkeiten mit Trainer René Zampich und dem Vorstand seinen Hut genommen. Pikanter Nebeneffekt: Jahdauti ist in Slomkowskis Reinigungsfirma beschäftigt und musste seit dessen Rückzug immer dann zur Arbeit, wenn bei der Einheit eine Trainingseinheit angesetzt war. „Ich habe Jahdauti zu nichts genötigt“, bestreitet der inzwischen beim Wartenberger SV als Trainer aktive Slomkowski allerdings jede böse Absicht.
Nötigung hin oder her – Pankows Coach Zampich wollte Jahdauti aufgrund des Trainingsrückstands meist nur noch eine Halbzeit spielen lassen. Ein Zustand, der für den Stürmer auf Dauer nicht tragbar. Mangel an attraktiven Alternativen hatte Jahdauti nicht, auch Vereine aus der Oberliga und Berlin-Liga bekundeten Interesse. Am Ende gaben mehrere Faktoren den Ausschlag für Hürtürkel. „Dort spielen einige meiner Kumpels, außerdem wohne ich gleich um die Ecke“, so Jahdauti. Denn der Zeitfaktor spielt in seinem Leben inzwischen eine wichtige Rolle: Im Herbst wurde Tochter Liona geboren. Da hat auch der in Tempelhof wohnende Toptorjäger andere Prioritäten, als mehrmals die Woche eine Stunde zum Training nach Pankow zu fahren.
Hinzu kommen natürlich auch sehr weltliche Anreize, die Hürtürkel zu bieten hatte. „Wenn ich schon nicht Profi geworden bin, dann will ich mir in der Landesliga trotzdem ein paar Euro dazu verdienen.“ Aber warum hat sich Jahdauti eigentlich nie oberhalb der Landesliga versucht? „Ich habe mir nie den letzten Ruck gegeben. Vielleicht werde ich das irgendwann bereuen.“
Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 6)
Aktualisiert (Donnerstag, 09. Februar 2012 um 13:36 Uhr)
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