"Ich bin der Spiritus rector"
Otto Rehhagel über seine Rückkehr in die Bundesliga.

Otto Rehhagel (73) kehrt zurück in die Bundesliga. Bis Saisonende soll er als neuer Trainer von Hertha BSC den Abstieg verhindern helfen.
Herr Rehhagel, was macht für Sie den Reiz aus, nach fast zwölf Jahren Pause noch mal in die Bundesliga zurückzukehren?
Otto Rehhagel: „Das Leben ist viel zu kurz und solange ich lebe, will ich Spannung haben. Ich fühle mich gesund und fit. Und es ist ja nur für drei Monate. Ich habe mich auch deshalb so entschieden, weil ich früher in Berlin gespielt habe und nun möchte, dass Hertha BSC in der Bundesliga bleibt.“
Haben Sie lange gezögert bei Herthas Anfrage?
Rehhagel: „Natürlich habe ich eine Nacht überlegt. Ich habe auch, wie immer, meine Ehefrau Beate gefragt und meinen Sohn Jens, der bei Hannover 96 als Jugendkoordinator tätig ist.“
Wie stellen Sie sich Ihren Einstieg bei der Mannschaft vor?
Rehhagel: „Am Sonntag war Auslaufen, am Montag ist trainingsfrei. Von Dienstag bis Freitag wird trainiert. Es sind jetzt noch zwölf Spiele. Die Spieler müssen Tag und Nacht nur an die nächste Aufgabe denken.“
Wie beurteilen Sie die Situation im Abstiegskampf?
Rehhagel: „Unser Schiff ist leckgeschlagen, wir müssen es wieder stabilisieren. Alle wollen ja auch ihren Arbeitsplatz behalten. Die Mannschaft braucht jetzt Hilfe. Ich kann aber keine Tore schießen, ich kann nur meine unglaubliche Erfahrung einbringen.“
Wie halten Sie es mit der Öffentlichkeitsarbeit?
Rehhagel: „Ich rede nur noch über Fußball. Mir braucht jetzt kein Journalist mehr Fragen zu stellen, die mit dem Spiel nichts zu tun haben. Klatsch und Tratsch habe ich schon ein Leben lang nicht gemocht. Das ist etwas Furchtbares. Da kommt nichts bei raus.“
Was wissen Sie über die Arbeitsweise Ihrer beiden künftigen Co-Trainer René Tretschok und Ante Covic?
Rehhagel: „Ich habe mit Michael Preetz besprochen, dass es der beste Weg sei, mit den jungen Kollegen zusammenzuarbeiten. Die können etwas von mir lernen, und ich kann von ihnen etwas lernen. Als Trainer lernt man ja immer dazu.“
Wie sieht denn die Zusammenarbeit konkret aus?
Rehhagel: „Ich bin der Spiritus rector. Die Arbeit müssen die Jungs schon selber machen, da freuen die sich doch drauf. Aber: Ich bin immer dabei und werde eingreifen. Wenn wir am Samstag in Augsburg antreten, wollen wir den Bann brechen und gewinnen.“
Verspüren Sie Druck?
Rehhagel: „Nein. Meine Reputation kann man mir nicht mehr nehmen. Alles, was ich gewonnen habe, das hat für immer Bestand.“
Sie haben das Spiel von Hertha gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag am Fernseher verfolgt. Wie war Ihr Eindruck?
Rehhagel: „Es hat mir Leid getan für die Jungs. Hertha hat es ganz gut gemacht, die Mannschaft hat sich wunderbar verkauft. Schade nur, dass Raffael kein Tor gelungen ist.“
Wie haben Sie überhaupt die letzten Jahre verbracht?
Rehhagel: „Ich habe viele Spiele gesehen und Freunde besucht.“
Gibt es auch Überlegungen für eine längere Vertragszeit bei Hertha?
Rehhagel: „Wir haben über nichts gesprochen. Ich habe noch nicht mal einen Vertrag unterschrieben. Ein Mann, ein Wort – aber nur für drei Monate.“
Aufgezeichnet von: Matze Koch
Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 8)
Aktualisiert (Donnerstag, 23. Februar 2012 um 13:01 Uhr)
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