Start News Hertha BSC Burchert als letzter Mohikaner

Burchert als letzter Mohikaner

Es war ein Team von Ausnahmekönnern: 2005 feierte Hertha BSC die deutscher B-Jugend-Meisterschaft. Die FuWo zeigt, was aus den Talenten von damals wurde.

Von Lajos Metzel

Sechseinhalb Jahre ist es her, da wurde die B-Jugendmannschaft von Hertha BSC Deutscher Meister. Ein Team gespickt mit Ausnahmekönnern. Nicht wenigen Spielern wurde eine große Karriere vorausgesagt. Doch was wurde aus den Meister-Talenten von 2005?

Sascha Burchert (22 Jahre): Der Keeper pendelt seit 2008 zwischen Herthas U 23- und der Bundesligamannschaft. In dieser Saison machte er drei Pflichtspiele für die Profis, acht für das Regionalligateam. Rückte im Oktober 2009 deutschlandweit in den Fokus, als er im Spiel gegen den Hamburger SV zweimal außerhalb des Strafraums Bälle mit dem Kopf klärte, die jedoch jeweils beim Gegner landeten und zu zwei Toren führten. Der Ex-Jugendnationalkeeper wurde dabei aber auch von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Kickt als einziger Spieler des damaligen Meister-Teams noch bei Hertha.

Manuel Schmiedebach (23): Der frühere U 19-Nationalspieler wurde vor der Saison 2008/09 „abgeschoben“. Wechselte von der zweiten Mannschaft der Hertha zu Hannover 96, wo er zunächst ebenfalls „nur“ in der Reserve spielte. Seit der Saison 2009/10 gehört der Sechser dem Bundesligakader der 96er und ist mittlerweile Leistungsträger.

Rico Morack (23): Der Abwehrspieler ging 2009 von der U 23 zum damaligen Zweitligisten TuS Koblenz. Nachdem der Klassenerhalt verfehlt wurde, verließ er Koblenz und war für ein halbes Jahr vereinslos, ehe er im Februar 2011 zu Herthas U 23 zurückkehrte. Im Sommer 2011 wechselte er zum Drittligisten Babelsberg 03, wo er zur Stammelf gehört.

Christopher Schorch (23): Rückte in der Winterpause 2006/07 in Herthas Profikader. Sorgte im Sommer 2007 mit seinem Wechsel zu Real Madrid – Hertha erhielt eine Million Euro Ablöse – für Aufsehen. Der Verteidiger spielte aber in der Reservemannschaft in der Segunda División B für Real Madrid Castilla. 2009 zog es ihn zum 1. FC Köln, für den er in zwei Jahren 21 Bundesligapartien absolvierte. 2010 warf ihn ein Kreuzbandriss zurück. Zu Saisonbeginn wurde der Ex-Juniorennationalspieler an Zweitligist Energie Cottbus verliehen, wo er regelmäßig spielt.

Jerome Boateng (23): Feierte am 31. Januar 2007 bei den Hertha-Profis seinen Einstand. Zur Saison 2007/08 holte ihn der Hamburger SV. Nach drei Jahren in der Hansestadt wechselte er für eine Ablöse von 12,5 Millionen Euro zum englischen Erstligisten Manchester City, wo er nur ein Jahr später seine Zelte wieder abbrach und zu Bayern München ging. Der Verteidiger wurde 2009 mit der deutschen U 21 Europameister. Debütierte am 10. Oktober 2009 (1:0 gegen Russland) in der A-Mannschaft von Jogi Löw, für die er bereits 19 Länderspiele bestritt.

Patrick Reiß (23): Wechselte im Sommer 2008 zu Regionalligist Türkiyem. Weitere Stationen waren Oberligist BFC Dynamo und bis Ende 2011 Berlin-Ligist BFC Preussen. Anfang 2012 ging er zum Brandenburg-Ligisten TuS Sachsenhausen.

Dennis Vogler (23): Sagte ebenfalls im Sommer 2008 Servus und avancierte zum „Wandervogler“–  binnen zwei Jahren hatte der Mittelfeldspieler vier Klubs: TeBe, Falkensee-Finkenkrug, Viktoria 89 und Oberligist LFC Berlin, dem er seit 2010 die Treue hält.

Sascha Bigalke (22): Der nur 1,67 Meter große Mittelfeldakteur feierte am 21. November 2009 beim 1:1 beim VfB Stuttgart in der Bundesliga sein Debüt – es blieb zugleich sein einziger Ligaeinsatz für die Hertha-Profis. Der technisch starke Bigalke,  der seit der U 16 regelmäßig in den Nachwuchs-Nationalmannschaften spielt, wechselte im Sommer 2011 zum Drittligisten SpVgg Unterhachung und ist dort Stammkraft.

Elias Pech (23): Früherer Jugendnationalspieler, schaffte den Sprung zu den Profis nicht, spielte im U 23-Regionalliga-Team. Unterschrieb  2009 beim niederländischen Erstligisten Heracles Almelo einen Vertrag, doch Verletzungen warfen den Mittelfeldspieler zurück. Kehrte nach nur einer Saison aus persönlichen Gründen in die Heimat zurück. Spielte ein halbes Jahr bis Sommer 2011 beim Schönwalder SV (Landesliga Brandenburg) – und hörte dann mit dem Fußball ganz auf.

Marvin Knoll (21): Spielte ab 2008 in Herthas U 23 und verbuchte in der Saison 2010/11 zwei Einsätze in Herthas Profiteam in der 2. Bundesliga. Zu Saisonbeginn wurde der U 20-Nationalspieler an  Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden ausgeliehen, wo er aber bisher nur zu neun Einsätzen in Liga und Pokal kam.

Sebastian Huke (22): Dem ehemaligen Juniorennationalspieler wurde eine große Karriere prophezeit – doch 2009 plante Herthas U 23 nicht mehr mit ihm. Es folgten einige Wechsel: Erst zu SV Wilhelmshaven, dann SF Siegen und im Sommer 2011 zum VfL Wolfsburg II. Dort kam er im vergangenen halben Jahr überwiegend nur zu Kurzeinsätzen. Wechselte vor zwei Wochen zu Drittligist Carl Zeiss Jena.

Dennis Lemke (22): Ging nach zwei Jahren in Herthas U 23 zur Saison 2010/11 zu Eintracht Braunschweig in die 3. Liga, spielte aber hauptsächlich im Regionalliga-Team. Einem kurzen Gastspiel bei Carl Zeiss Jena (Juli bis August 2011) folgte der Wechsel zu Babelsberg 03, wo er bisher nicht über die Rolle als Ergänzungsspieler hinauskam.

Marcus Moschko (22): Verließ Hertha nach dem Titelgewinn und ging in die U 19 von TeBe. 2007 zog es ihn zum SV Altlüdersdorf,  zwei Jahre später zum SC Gatow und in der jüngst abgelaufenen Winterpause zum Landesligisten SF Kladow.

Im Finale fehlten Hertha vier Stammkräfte. Das Quartett hatte am Rande des Halbfinalspiels in Dortmund für Schlagzeilen gesorgt: Die damals 15- bis 17-Jährigen waren von einer 14-Jährigen der Vergewaltigung beschuldigt worden. Obwohl sich dies als unwahr herausstellte, belegten die Hertha-Verantwortlichen die Spieler mit einer Sperre und anderen disziplinarischen Maßnahmen. Es handelte sich um:

Demircan Dikmen (23): Der Stürmer spielte bis 2008 noch in Herthas U 23 und wechselte dann in die Türkei (Antalyaspor, Trabzonspor). 2010 zog es ihn zurück nach Berlin zu Türkiyemspor, der jüngst Insolvenz anmeldete. Ist auf Vereinssuche.

Marcel Prestel (23): Der frühere Jugendnationalspieler ging 2007 von Bord. Wechselte zunächst zum Oberligisten  LFC Berlin, dann zum damaligen Bezirksligisten Kickers 1900. Weitere Stationen des Mittelfeldspielers: SC Gatow und FSV Luckenwalde, wo er sich in der Winterpause 2010/11 mit unbekanntem Ziel verabschiedete.

Aydin Karabulut (23): Der Mittelfeldakteur wechselte Anfang 2006 in die Türkei (u.a. Besiktas und Ankaragücü) und kickt derzeit beim Zweitligisten Göztepe Izmir.

Ugur Demirkol (22): Machte 2007 den Schritt in die Türkei (Ankaraspor, Ankaragücü) und kehrte vor einem Jahr zurück nach Deutschland. Der Linksverteidiger spielte zunächst beim SC Freiburg II, ehe er  im Sommer 2011 zu Regionalligist Waldhof Mannheim ging.

Übrigens stand auch bei Herthas damaligen Finalgegner Hansa Rostock der ein oder andere talentierte Spieler im Team, dem der Durchbruch gelang. Zum Beispiel einem gewissen Toni Kroos, der jetzt bei Bayern München und in der Nationalmannschaft kickt, oder Guido Kocer (Erzgebirge Aue) und Tobias Jänicke (Hansa Rostock).

Beim Blick auf die Endspielstatistik sticht noch ein Name in die Augen: Michael Kempter. Kempter? Da war doch was! Richtig: Zum Einen wurde er Ende 2006 mit 23 Jahren der jüngste Schiedsrichter in der Bundesliga-Historie. Zum anderen hatte er 2010 Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell sexuelle Belästigung vorgeworfen – und damit eine mediale Schlammschlacht losgetreten. Nach monatelangen Rechtsstreit wurde die Schiedsrichter-Affäre um Amerell und Kempter Ende 2011 beendet.

Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der

Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 7)

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Aktualisiert (Donnerstag, 16. Februar 2012 um 13:04 Uhr)

 
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