Die zwei Gesichter von Union Südost

Die Neuköllner deklassieren beim Kreisliga A-Hallenturnier DJK mit 6:0 im Finale, doch richtig freuen will sich niemand. USO-Trainer tritt nach Tumulten sofort zurück.

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Von Julian Graeber

Union Südost hat seinem Ruf als Hallenspezialist alle Ehre gemacht und das 30. Hallenturnier der Kreisliga A verdient gewonnen. Mehr als der überragende 6:0-Erfolg im Finale gegen DJK Schwarz-Weiss  Neukölln wird jedoch traurigerweise das Vorrundenspiel der beiden Neuköllner Vereine in Erinnerung bleiben. Das hitzige Spiel, bei dem einigen USO-Spielern und Zuschauern die Sicherungen durchbrannten, zog eine riesige Rudelbildung nach sich, so dass sogar die Polizei anrücken musste.

Auch sonst bot sich die Mannschaft vom Treseburger Ufer nicht gerade für den Fairplay-Preis an. Fünf Zeitstrafen – alleine drei davon für Mehmet Demir – und zwei Rote Karten sorgten dafür, dass sich die Neuköllner keine Freunde machten. Wenn sich die von Lars Mrosko trainierte Mannschaft dann aber doch aufs Fußball spielen konzentrierte, war es für die 150 Zuschauer in der Sporthalle Schöneberg eine Augenweide, Ucan, Demir und Co. dabei zuzusehen. Besonders in der zweiten Halbzeit des Endspiels nahmen die Blauen den Neuköllner Nachbarn regelrecht auseinander. War der Ausgang beim Seitenwechsel noch völlig offen, hatte DJK in Unterzahl nichts mehr entgegenzusetzen.

Angeführt vom überragenden „Senior“ Thorsten Weckeck, der auch völlig zurecht zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, rollte Angriff über Angriff auf das vom starken Neuendorf gehütete Tor.  Zudem wurde der Widerstand der Elf von Heiko Lambert mit jedem Gegentor kleiner, so dass dieser die Überlegenheit von Union Südost klar anerkennen musste. „USO war hier spielerisch ganz klar die beste Mannschaft und hat verdient gewonnen“, so Lambert, der mit dem Auftreten des Lokalrivalen aber überhaupt nicht einverstanden war.

Ähnlich sah dies auch sein Gegenüber Lars Mrosko, der sich aufgrund der unschönen Zwischenfälle partout nicht mit seiner Mannschaft über den vierten Hallentitel in sechs Jahren freuen konnte und seinen Rücktritt verkündete.  Abgesehen von den beiden Finalisten konnten vor allem Rot-Weiss Hellersdorf und der Grünauer BC II, die sich am Samstag noch in einem Nachholspiel gegenüber standen, überzeugen. Die Hellersdorfer, die mit Scherf, Kinder und Teske gleich drei gute Torschützen in ihren Reihen hatten und mit Philipp Enseleit zudem den besten Torwart stellten, scheiterten im Halbfinale erst im Neunmeterschießen gegen Angstgegner DJK SW – schon im Vorjahr unterlag RWH den Neuköllnern im Spiel um Platz drei erst vom Punkt.

Die jungen Grünauer, die mit Dominic Irmer einen gelernten Feldspieler als Torhüter aufstellten, boten dem späteren Turniersieger im Halbfinale lange Paroli, mussten sich am Ende aber der spielerischen Übermacht der Hallenspezialisten beugen. In einem guten Spiel um Platz drei revanchierten sich RWH letztlich für die schmerzliche Niederlage im Nachholspiel gegen Grünau und sicherte sich einen Platz auf dem Podium. Sehr unglücklich lief das Turnier hingegen für die Reserve der TSV Helgoland. Gleich im ersten Spiel verletzte sich Torwart Nihat Acar bei einem harten Zweikampf am Knie, so dass das Turnier für ihn beendet war und er von Torwarttrainer Nerger ersetzt werden musste.

Doch damit nicht genug. Während Acar noch verletzt am Boden lag, lief das Spiel weiter und DJK-Spieler Kunik schoss den Ball zum Siegtreffer für die Neuköllner ins leere Tor – Fairplay sieht sicherlich anders aus. „Wir haben ganz klar nicht gut gespielt, aber das ist für uns schon alles sehr unglücklich gelaufen“, ärgerte sich hinterher auch Helgolands Trainer Thomas Grau. Als Lehrbeispiel für sportlich faires Verhalten wird das Jubiläumsturnier der Kreisliga A wohl leider nicht in die Annalen eingehen.


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