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Der Doktor und die Elfmeter

22 Treffer in der Hinrunde: Georg Froese fühlt sich bei Internationale pudelwohl – daran ändert auch ein kleiner Fauxpas nichts.

Von Lajos Metzel

Das musste ja so kommen! Da hat Georg Froese Ende September letzen Jahres erfolgreich seine Dissertation mit dem Titel „Sportpsychologische Einflussfaktoren  der Leistung von Elfmeterschützen“ verteidigt und dann das: Der Stürmer des FC Internationale tritt im Spiel gegen Westend 01 zum Elfer an – und trifft nicht.

„Eigentlich ist das meine Paradedisziplin – umso peinlicher ist das“, sagt Froese,  der für seine Doktorarbeit alle Elfmeter in der Bundesliga-Historie analysierte. Trotz des kleinen Fauxpas: Der 32-Jährige spielte eine bemerkenswerte Hinrunde. Schließlich schoss Froese beachtliche 22 Tore und führt damit die Torschützenliste der Bezirksliga an. „Insgesamt bin ich schon zufrieden – auch wenn ich ein paar Chancen liegen gelassen habe“, sagt er.

Froese ist in der Berliner und Brandenburger Fußballszene kein Unbekannter. Er bildete mit Andreas Fricke (jetzt RSV Waltersdorf) lange Jahre ein gefürchtetes Sturmduo in der Ober- und Brandenburg-Liga. In der Jugend kickte er zunächst bei Sparta Lichtenberg, ehe er mit 17 Jahren zum 1. FC Union ging. Als man ihn dort nach vier „eisernen“ Spielzeiten nicht mehr wollte, zog es ihn zu Brandenburg Süd 05, wo er Fricke kennenlernte. Mit ihm spielte er später auch gemeinsam beim MSV Neuruppin, Ludwigsfelder FC und Babelsberg 03. Weitere Stationen Froeses waren SV Falkensee/Finkenkrug, Lok Leipzig und VSG Altglienicke.

Seit September 2010 geht er nun für Internationale auf Torejagd. Die sportlichen Wege mit seinem langjährigen kongenialen Sturmpartner Fricke („Wir sind so etwas wie siamesische Zwillinge“, so Froese einst) haben sich längst getrennt. „Im modernen Spielsystem ist ja kein Platz mehr für zwei Mittelstürmer“, schmunzelt Froese. Seine vielen Wechsel hatten meist private und berufliche Gründe.

Doch egal, wo er auch war: Er machte überall seine Tore. Zum Beispiel in Ludwigsfelde, wo er 2004 für den LFC 31 Treffer zum Oberliga-Aufstieg beisteuerte und gleichzeitig Torschützenkönig der Brandenburg-Liga wurde.  Bei Inter ist man heilfroh, Froese in der Mannschaft zu haben. „Er ist ein absoluter Teamplayer. Er ist unser Kapitän und sorgt auf dem Platz dafür, dass die Mannschaft eine Einheit ist“, so Inter-Trainer Davide Masullo. Froeses große Stärke ist die Vielseitigkeit im Abschluss. Hervorstechend sind seine Kopfballstärke nach Standards und seine Ruhe vor dem Tor.  „Mit dem Alter hat sich eine gewisse Abgeklärtheit eingestellt“, sagt er. Zu Internationale, beheimatet in Schöneberg, kam er durch einen Freund, der viel Gutes über den Verein erzählte. Zudem wollte Froese zum Ende seiner Doktorarbeit sportlich etwas runterfahren – das war bei Inter möglich.  „Mittlerweile fühle ich mich hier unheimlich wohl.

Und es entsteht ein spannendes Projekt, an dem ich teilhaben und mit meiner höherklassigen Erfahrung helfen kann“, sagt er und verweist u.a. auf den Mitgliederboom im Nachwuchsbereich. Mit nunmehr 34 Jugendteams hat Inter die drittgrößte Jugendabteilung der Stadt. „Für mich ist mittelfristig das sportliche Ziel, Inter weiter nach vorne zu bringen, um der Jugend eine Plattform im Männerbereich zu schaffen.“ Mit acht Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz dürfte das in diesem Jahr aber schwer werden.  Reizt Froese noch einmal ein Vereinswechsel, um wieder höherklassig zu spielen? „Angebote kamen schon, und sportlich ist der Reiz auch da – aber ich habe meine Familie und meine Arbeit im Blick.

Und ich fühle mich bei Inter wohl“, sagt der begehrte Torjäger, der als freier Sportpsychologe in Berlin arbeitet und Sportler und Trainer betreut. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Darf Froese trotz seines Fehlschusses weiterhin die Elfer bei Inter schießen? Trainer Masullo: „Natürlich, er ist weiter auf der Liste. Wir haben mehrere Schützen, wer sich am besten fühlt, soll sich den Ball schnappen.“

Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der

Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 5)

 

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Aktualisiert (Donnerstag, 02. Februar 2012 um 13:25 Uhr)

 
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