Stadion Wilmersdorf

Die Heimstätte des Berliner SV 92 war einst für 50.000 Zuschauer angelegt.


Wein erweitert die Sinne, heißt es gemeinhin. In Berlin muss aber wohl der Genuss von allzu viel Rebensaft einigen Bezirkspolitikern kräftig den Verstand vernebelt haben. Wie sonst konnte 1984 die Schnapsidee Realität werden, die Stehplatzkurve eines Fußball- und Leichtathletik-Stadions zum Anbau von Wein, einer so genannten „Rheingau-Perle“, zu missbrauchen? Die Rede ist vom sonst so schmucken Stadion Wilmersdorf mit seiner nett hergerichteten Haupttribüne und ebenso ansehnlicher Gegengeraden. Dort trägt der Landesliga-Aufsteiger und Berliner Altmeister BSV 92 seine Heimspiele aus.

Am 5. Mai 1951 fand die offizielle Einweihung des Stadions, damals großzügig angelegt für 50.000 Zuschauer, durch Bürgermeister Ernst Reuter statt. Der BSV 92 (der roten Stutzen wegen auch als „Störche“ bekannt) verzeichnete in den 50er Jahren bei einem Vertragsligaspiel gegen Tennis Borussia mit 19.500 Zuschauern Rekordbesuch. Das Stadion erwies sich aber letztlich als überdimensioniert, es wurde „zurückgebaut“. 1991 entstand die neue Haupttribüne, 2005 wurde die Gegengerade hergerichtet. Die Zuschauerkapazität liegt derzeit bei 4000 Zuschauern. Gespielt wird im Stadion auf einem Rasenplatz, auf dem weitläufigen Gelände gibt es zudem drei Kunstrasen-Spielfelder sowie ein Kleinfeld.

Das heutige Stadiongelände nahe dem Hohenzollerndamm diente schon ab 1909 dem Sport. Da entstand der Britannia-Sportplatz, später erweitert zum Stadion am Lochowdamm. Dort fand 1936 das olympische Feldhandballturnier statt. Nach der völliger Zerstörung der Sportanlage im 2. Weltkrieg wurde sie von 1948 an neu aufgebaut. Die Tribünen sind auf Trümmerschutt errichtet worden.

Anfahrt

Alles ganz einfach: Auf der Stadtautobahn am Hohenzollerndamm abbiegen, kurz Richtung Zehlendorf fahren, dann links rein und der Ausschilderung „Eisstadion“ folgen. Die führt auch ins Fußballstadion. Parkplätze sind in der Fritz-Wildung-Straße genügend vorhanden – wenn nicht gerade nebenan im Eisstadion irgendein Eisspeedway-Wahnsinn tobt. Wer mit der S-Bahn kommt: Ringbahn fahren, am Hohenzollerndamm aussteigen und acht bis zehn Minuten zu Fuß losmarschieren.

Wertung:

Preise

Alles ganz einfach: Auf der Stadtautobahn am Hohenzollerndamm abbiegen, kurz Richtung Zehlendorf fahren, dann links rein und der Ausschilderung „Eisstadion“ folgen. Die führt auch ins Fußballstadion. Parkplätze sind in der Fritz-Wildung-Straße genügend vorhanden – wenn nicht gerade nebenan im Eisstadion irgendein Eisspeedway-Wahnsinn tobt. Wer mit der S-Bahn kommt: Ringbahn fahren, am Hohenzollerndamm aussteigen und acht bis zehn Minuten zu Fuß losmarschieren.

Wertung:

Casino

Ohne Schweiß, kein Pils: Wer von der Kabine zum Casino will, muss erstmal quer über den Stadionrasen und dann auf der Gegengeraden 44 Treppenstufen erklimmen. Der Weg lohnt. Im Casino serviert Susanne Bose, unerschütterlich freundlich, zwei Sorten Pils vom Fass, das „Nullfünfer“ für 3,10 Euro. Ein Kännchen Kaffee gibt’s für 2,30. Casino-Chef Thomas Kurlvink, nebenbei 2. Vorsitzender beim  BSV 92 und Fan von Eintracht Braunschweig, bietet als leichte Kost diverse Salate zwischen 4,50 und 7,50 Euro an. Wer Bärenhunger hat, ist mit dem Grillteller für 10,50 Euro gut beraten, darauf findet sich ein Schweinesteak, ein Spieß, ein Cevapcici, eine Scheibe Speck, Pommes und Salat. Besonders begehrt bei der hungrigen Kundschaft: die Riesencurrywurst mit Pommes für 4,50. Im Sommer lädt ein lauschig-rustikaler Biergarten am Casino mit 200 Plätzen zur intensiven Nachbetrachtung der Spiele ein.

Wertung:

Getränke/Imbiss

Einen Extrastand gibt es bei den Heimspielen des BSV 92 nicht. „Wir wollen doch dem Pächter des Casinos das Geschäft nicht verderben“, sagt Jürgen  Piepenburg. Casino-Chef Thomas Kurlvink wird's gerne hören.

Wertung:

Komfort

Wer kommt, darf sich hinsetzen. Rund 1000 Zuschauer finden auf der schicken, architektonisch hübsch gestalteten Haupttribüne einen Sitzplatz, noch dazu ohne Aufpreis. Und die faule Ausrede: „Heute regnet's, ich bleib lieber zu Hause!“, zählt nicht. Fast alle Sitzplätze sind überdacht.

Wertung:

Sanitäre Anlagen

Eine ganze Fußballmannschaft kann vor besonders aufregenden Spielen gleichzeitig noch mal schnell die Blase entleeren – wenn sie den Torwart draußen lässt. Zehn Urinale stehen auf der auch der Öffentlichkeit zugänglichen Toilette zur Verfügung. Und der Torwart? Der braucht sich nicht in die Hose zu machen. Auch in den Mannschaftskabinen gibt's Toiletten – und Duschen sowieso. Alles wirkt sauber und gepflegt, Kompliment ans Bezirksamt.

Wertung:

Kids/Familie

Familienangehörige, die sich partout für Fußball nicht erwärmen können, sollten im Winter Schlittschuhe, im Sommer Badesachen mitbringen. Unmittelbar neben dem Fußballplatz liegt das Eisstadion Wilmersdorf, ein Freibad ist ebenfalls nur einen Steinwurf weit entfernt.

Wertung:

Allgemeine Atmosphäre

60, 70 Zuschauer besuchen die Landesliga-Spiele des BSV 92 im Durchschnitt. Es geht sehr gesittet zu. Meist übertönt der Verkehrslärm von der nahen Stadtautobahn die Anfeuerung des Publikums. Emotionale Ausbrüche gibt es höchst selten – und wenn doch, dann eher von offizieller Seite. Peter Witte, der Fußball-Chef des BSV 92, sagt schmunzelnd: „Wenn ich nicht am Spielfeldrand stehe, ist es bei uns ganz ruhig.“

Wertung:

Sportlicher Reiz

Dieses Stadion verdient – trotz des Weinanbaus – mehr als nur Abstiegskampf in der Landesliga. Der BSV 92 sollte sich also sputen. In den Köpfen der Verantwortlichen um Peter Witte wurde ja schon mal vage durchkalkuliert, welcher Finanzrahmen denn für ein Berlin-Liga-Dasein erforderlich wäre. Unter 60.000 Euro als absolutes Etat-Minimum ginge da gar nichts, lautet das Fazit. Vorerst heißt das Ziel ohnehin nur: Klassenerhalt in der Landesliga. BSC-Trainer Norbert Stolzenburg muss in dieser Saison wegen ausuferndem Verletzungspech auch viel improvisieren.

Wertung:

Sechs Bälle: besser geht es kaum — Fünf Bälle: hervorragend — Vier Bälle: guter Durchschnitt — Drei Bälle: ausreichend — Zwei Bälle: ganz schön dürftig — Ein Ball: einfach nur ärgerlich, lohnt keinen Besuch.

Aktualisiert (Mittwoch, 22. Februar 2012 um 13:28 Uhr)

 
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