Stadion Hakenfelde
Zwist um die Konzession - Dabei könnte es im Stadion Hakenfelde überall heimelig zugehen.

Kleine Häuschen mit reetgedeckten Dächern säumen die wohl schönste Sportanlage Spandaus und verströmen ein wenig Nord- oder Ostseeflair. Auch die „Sporthütte“ am Eingang zum Stadion Hakenfelde hat ein solches Dach. Und das hölzerne Funktionsgebäude wirkt mit der großen Uhr am Dachaufbau wie ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit. Am 26. Juni 1921 wurde das Stadion mit einem „Turn- und Spielfest der hiesigen Schulen“ mit 1600 Schülern und Schülerinnen eröffnet.
Der 1911 gegründete SC Teutonia zog hier ein, nach der Fusion mit dem Spandauer SC 1899 im Jahr 1992 geht man als SSC Teutonia 1899 seinem Vergnügen im Stadion Hakenfelde nach. 1986 zum 75. Geburtstag des SC Teutonia spielte Blau-Weiß 90 hier, zum 100. Geburtstag des Fusionsvereins 1999 gab sich Hertha BSC mit Alex Alves und Michael Preetz noch als Spieler hier die Ehre. Vor zwei Jahren erhielt der Platz einen neuen Rasen. Immer wieder ist das Stadion neben dem Ziegelhof auch Austragungsort des Endspiels um den Spandauer Bürgermeisterpokal.
Das Stadion war immer auch für die Leichtathleten des VfV und des ASC Spandau bestimmt. Eine Laufbahn, die beim Bau mit rund 500 Metern um einiges zu lang geraten war und später auf das Normmaß von 400 m zurückgebaut wurde, umrahmt das Hauptspielfeld mit dem Naturrasen. Es gibt eine Wurf- und eine Hochsprunganlage sowie zwei Streetballkörbe. In den 1980er Jahren kam ein Kunstrasenplatz dazu. Der Clou aber ist eine 480 m lange so genannte „Finnenbahn“, die durch das Wäldchen neben dem Stadion führt und im Sommer mit Torf aufgefüllt wird. Läufer trainieren auf dem „Trimm-Dich-Pfad mit Hindernissen“ ihre Kondition – wie in jedem Jahr u. a. beim Jedermann-Zehnkampf des VfV, der im Sommer 2011 seine 19. Auflage erlebte.
Anfahrt
Die Verkehrsanbindung ist ordentlich. Bis zur Spandauer Altstadt kommt man mit U- und S-Bahn sowie Bussen, von dort fahren mehrere Buslinien Richtung Hakenfelde im Spandauer Norden. Für Autofahrer gibt zwar keinen eigens ausgewiesenen Parkplatz, aber in der Hakenfelder Straße findet sich eigentlich immer ein Plätzchen. Und wenn nicht, gibt es noch einen Parkplatz am früheren Eingang. Den Platz kennen aber nur Eingeweihte – bisher jedenfalls.
Wertung: ![]()
Preise
Im Landesliga-Rahmen, normal werden fünf Euro fällig, ermäßigt 3,50 Euro. Vereinsmitglieder zahlen gar nichts.
Wertung: ![]()
Casino
Die Sporthütte an der Südseite des Stadions gehört dem Bezirk Spandau, Pächterin ist seit nunmehr sieben Jahren Dagmar Lorenz, die fußballbegeisterte Mutter des ehemaligen Teutonia-Spielers Marc Lorenz. Platz bietet die Sporthütte innen für gut 50 Personen. Wenn es wärmer wird, wird draußen der kuschelige Biergarten aufgemacht, in dem 100 Gäste Platz finden. Das kulinarische Angebot ist mit Bockwurst, Knacker und Buletten übersichtlich – und günstig (2,50 Euro mit Salat). Krombacher vom Hahn kostet 1,30/2,40 Euro (0,2/0,4 l), Weizenbier (Schneider und Krombacher) 2,70 der Halbe, auch Köstritzer Schwarzbier ist für 2,70 der Halbe zu haben. Dazu das normale Angebot an Selters, Cola, Sprite etc. Pott Kaffee 1,70, Pott Kakao 1,50. Glanz ist eben in der kleinsten Hütte, das kann man hier wohl sagen. Die Atmosphäre ist ausgesprochen heimelig – oder könnte es zumindest sein. Denn seit einem guten halben Jahr liegt Frau Lorenz im Clinch mit dem Vereinsvorstand, der den Verkauf von Essen und Getränken bei Spielen auf dem Platz seit einiger Zeit in Eigenregie betreibt (siehe auch Getränke/Imbiss). Vor drei Monaten haben Teutonia-Verantwortliche alle Trophäen und Pokale aus der Sporthütte abgeholt. Ein Teil der Mitglieder bleibt der eigentlich als Vereinskneipe gedachten Sporthütte zurzeit fern, andere kommen nach wie vor.
Wertung: ![]()
Getränke/Imbiss
Die Teutonia-Verantwortlichen machen den Platzverkauf seit einiger Zeit selbst. Der Ehrenvorsitzende Klaus Jannicke bringt zu den Spieltagen immer eine Menge scharfer Zwiebeln mit, sein seit zehn Jahren als Geschäftsführer fungierender Sohn Rainer zapft Bier, der 1. Vorsitzende Kai Kutowski grillt. Die Preise sind günstig, Gegrilltes im Brötchen gibt es für 1,50 Euro, Sucuk im Brötchen 2 Euro, Bier (0,3 l) 1,50, Weizen (0,5 l) 2 Euro. Kaffee und Kuchen jeweils 70 Cent, Glühwein oder Kakao 1 Euro, mit Schuss 1,70. Man muss abwarten, wie es weitergeht. Frau Lorenz hätte die Konzession zum Platzverkauf, die sie wegen privater Überlastung vor zwei Jahren nach eigener Aussage „vorübergehend“ an Teutonia abgab, gern zurück, der Verein will sie behalten. Die Entscheidung liegt wohl beim Bezirksamt.
Wertung: ![]()
Komfort
260 Klappsitze auf der Seite des Funktionsgebäudes sollten genügen. Stehen muss hier wirklich keiner. Ein Dach aber gibt es nicht, also Regenschirm nicht vergessen. Seit Beginn der Rückrunde bekommen Besucher ein Stadionprogramm an die Hand – verantwortlich dafür ist in erster Linie der frühere Schiri Robert Hoyzer, der nun für Teutonia spielt.
Wertung: ![]()
Sanitäre Anlagen
Sauber, aber in kleiner Zahl. In der Sporthütte ein WC und zwei Pinkelbecken für die Männer, eine Toilette für die Damen. Im Funktionsgebäude je ein Damen- und Herren-WC sowie ein Pinkelbecken für den Mann.
Wertung: ![]()
Kids/Familie
Den Kleinen muss hier nicht langweilig werden. Die Sprunganlage kann zum Buddelkasten umfunktioniert werden, auf dem Kunstrasen kann man selbst vor den Ball kicken, zudem gibt es zwei Streetballkörbe. Im Wäldchen am Stadion gibt es einen Kinderspielplatz, und ein Freigehege mit Hirschen und Wildschweinen im Spandauer Forst ist fußläufig zu erreichen.
Wertung: ![]()
Allgemeine Atmosphäre
Die leidet natürlich unter dem Zwist zwischen der Sporthütte-Betreiberin und dem Vorstand. Großartige Stimmung kann auch nicht aufkommen, durch die Laufbahn sind die Zuschauer weit weg vom Geschehen. Aber Teutonia mobilisiert die meisten Zuschauer in der 1. Abteilung der Landesliga. Und die Anlage versprüht ein ganz eigenes Flair.
Wertung: ![]()
Sportlicher Reiz
Vielleicht kommt mancher ja, um Robert Hoyzer beim Fußballspielen zu sehen. Und in der Hinrunde konnte man hier sechs Tore in einer Halbzeit von Stürmer Pascal Müller bewundern. Teutonia spielt mit vielen jungen Spielern eine ordentliche Saison in der Landesliga, war in der Hinrunde sogar mal Tabellenführer. Der Klassenerhalt sollte kein Problem sein, zum Aufstieg aber wird es kaum reichen.
Wertung: ![]()
Sechs Bälle: besser geht es kaum — Fünf Bälle: hervorragend — Vier Bälle: guter Durchschnitt — Drei Bälle: ausreichend — Zwei Bälle: ganz schön dürftig — Ein Ball: einfach nur ärgerlich, lohnt keinen Besuch.
Aktualisiert (Mittwoch, 15. Februar 2012 um 12:15 Uhr)




































