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Die Geschichtsschreiber

Berolina Mitte steigt erstmals in die Landesliga auf – Glücksgriff mit drei Trainer-Novizen

Alle lagen daneben: Bei einer Umfrage vor der Saison hatte kein Trainer in der Bezirksliga Berolina Mitte als Meistertipp auf dem Zettel. Doch das Team aus dem Herzen Berlins, das in den Vorjahren stets Stammgast im Tabellenniemandsland war, trumpfte in der Saison überraschend stark auf – und feierte am Ende den Titelgewinn. Die Konkurrenz war baff, Bero-Trainer Marco Kretschmer nicht: „Wir wussten, dass diese Mannschaft mehr drauf hat als das was in den vergangenen Jahren erreicht wurde.“

Mit „wir“ meint der 32-jährige Kretschmer sich und seine gleichberechtigten Co-Trainer Marcel Jahn (27) und Dennis Rekowski (36). Das Trio hatte vor einem Jahr bei Bero seine Spielerkarriere beendet und zusammen das Trainerzepter übernommen – ein absoluter Glücksfall für den Verein, findet auch Fußball-Chef Uwe Ledwig: „Das Experiment mit den dreien, die ja alte Bero-Haudegen sind, hat funktioniert. Es passt einfach.“ Gleich in ihrem ersten Trainerjahr schrieben Kretschmer/Jahn/Rekowski mit ihrem Team Geschichte. Bero in der Landesliga? Das gab’s noch nie in der 62-jährigen Klubhistorie.

„Das mit der Vereinsgeschichte ist schön, aber viel schöner ist, wenn man zuschauen kann, wie die Erfolge unserer 1. und 2. Männer wieder viele Menschen im Verein und im Umfeld mobilisieren konnte, sich einzubringen“, so Kretschmer. Stattliche 400 Zuschauer wurden auf dem Heimplatz an der Kleinen Hamburger Straße gezählt, als Bero am 28. Spieltag, zwei Runden vor Schluss, mit einem 1:0 gegen den FC Nordost das Aufstiegsticket löste – ein echtes Happening im Szenekiez.

Es steht die Frage im Raum, was die Trainer mit dem Team im letzten Sommer angestellt haben. Denn im Kern schaffte die Mannschaft den Aufstieg, die in den Jahren zuvor nicht über das graue Mittelmaß hinauskam. „Wir haben die Kräfte gebündelt, die Zielsetzung definiert und klare Richtlinien einer Mannschaftssportart ausgegeben“, meint Rekowski.

Der Masterplan wurde vom Start weg in die Tat umgesetzt. Ab dem 5. Spieltag zählte man zu den Top vier der Staffel und hielt sich konstant in der Spitzengruppe. Vereinzelte Tiefschläge wurden gut weggesteckt wie beispielsweise die 1:7-Hinspielpleite bei Nordost (9. Spieltag), der man einen 7:1-Kantersieg gegen den späteren Vizemeister Eintracht Mahlsdorf II folgen ließ. Durch einen starken Endspurt mit sieben Siegen aus den letzten acht Saisonspielen zeigte man den Aufstiegsrivalen die Hacken und machte den Meister-Coup perfekt. „Lässt man die abgelaufene Saison Revue passieren, war es ein komplettes Highlight mit ein paar Sahnehäubchen oben drauf“, meint Rekowski.

Entscheidend für den erfolgreichen Werdegang waren drei Faktoren: a) die mannschaftliche Geschlossenheit, „indem nicht der Einzelne sich wichtig nahm, sondern ausschließlich der Teamerfolg im Vordergrund stand“ (Jahn), b) der ausgeglichene Kader, „es konnte jeder Ausfall ebenbürtig kompensiert werden“ (Jahn) und c) die Heimstärke (14 Siege, 1 Remis, keine Niederlage).

Das Gerüst des Champions bildeten Harneit im Tor, Oser und Illig in der Abwehr, Linse und Zieger als Sechser sowie Kapitän Knospe im Sturm. An der Seite dieses Führungs-Sextetts blühten vor allem Außenverteidiger Reinsch sowie die Stürmer Buchweiz und Liesche auf. Ein Extra-Lob erhielt Ersatzkeeper Wolf von seinem Trainer. Wolf habe Harneit stets Druck gemacht und ihn damit zu Top-Leistungen beflügelt, so Kretschmer. Auf das Erfolgsteam können Kretschmer, Jahn und Rekowski auch in der Landesliga setzen, es bleibt komplett zusammen. Mit Mittelfeldakteur Werchan von NNW 98 steht ein erster Neuzugang fest.

Die Vorfreude auf die Premierensaison in der zweithöchsten Berliner Spielklasse ist groß, speziell auf „tolle Gegner, Traditionsvereine und das Spiel mit Linienrichtern“, so Kretschmer. Vorstand und Trainer sind sich einig: Das Ziel kann nur „Klassenerhalt“ lauten. „Das“, sagt Fußball-Chef Ledwig, „ist schon eine Herausforderung“.  Lajos Metzel

Die 92 Tore für Berolina Mitte erzielten: Knospe (31), N. Lehmann (11), Buchweiz (9), Linse (6), Oser (5), Zieger (5), Tüfekci (5), D. Lehmann (4), Knabe (3), Dobberstein (2), Illig (2), Rippel (2), Kotowski, Geral, Fiebach, Liesche sowie 3 Eigentore.

 
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