Start Magazin Serie Berliner Champions Champions 2011 „Minimalziel erreicht“

„Minimalziel erreicht“

Der FC Grunewald hält Wort und feiert den größten Erfolg der Vereinsgeschichte

Saisonziel: Aufstieg. Meistertipp: FC Grunewald – die Vorgaben beim Tabellenfünften des Vorjahres ließen durchaus aufhorchen, auch wenn der 1. Vorsitzende und Torwart in Personalunion, Sebastian Clauss, diese Einschätzung im Nachhinein etwas relativiert: „Im Fußball kann es doch nur zwei Ziele geben: Entweder ich spiele gegen den Abstieg oder um den Aufstieg und gegen den Abstieg wollten wir auf keinen Fall spielen. Und der Meistertipp war nicht so wirklich ernst gemeint, aber ich kannte die anderen Mannschaften nicht, wie soll ich da eine ernste Einschätzung abgeben?“ Schon die ersten Spieltage in der 2. Abteilung zeigten jedoch, dass das große Selbstbewusstsein nicht ganz ungerechtfertigt war. Die ersten sieben Spiele wurden allesamt gewonnen und den am fünften Spieltag eroberten Aufstiegsplatz gaben die Wilmersdorfer nie wieder ab.

Besonders in der Anfangsphase der Saison und nach der Winterpause war die Mannschaft zudem in einer sehr guten konditionellen Verfassung und gewann viele Spiele in den Schlussminuten. Hauptverantwortlicher für die überragende Fitness der Schützlinge von Trainer Christian Brandenburger war dabei Daniel Schmidt, von Beruf Personal Trainer, der auch die älteren Spieler in die Verfassung brachte, bis zur letzten Minute Druck aufzubauen. Neben der körperlichen Fitness zeichnete die Wilmersdorfer vor allem die mentale Stärke und die überragende Doppelsechs aus. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler Hendrik Herzog und Fabian Krautwald waren der Motor der Aufstiegself und hatten großen Anteil daran, dass der FC Grunewald mit nur 31 Gegentoren die mit Abstand beste Defensive der vier Staffeln stellte.

Auch zahlreiche Ausfälle und Abgänge konnte die Mannschaft durch einen starken Zusammenhalt weitgehend kompensieren und profitierte lange Zeit von dem gut harmonierenden Sturmduo Zaimov/Gercek. Mit einer Siegesserie kurz nach der Winterpause spielte sich die Brandenburger-Elf schließlich einen komfortablen Vorsprung von zwölf Punkten bei acht ausstehenden Spielen heraus. Dass der Aufstieg trotzdem „erst“ drei Spieltage vor Schluss perfekt gemacht wurde, lag vor allem an der nun nachlassenden Konzentration. „Wir sind seit Wochen nur noch am Feiern“, gab Clauss einige Spieltage vor Saisonende zu, nannte aber auch einen anderen Grund für die schwachen Ergebnisse, „in den letzten Wochen der Saison sickerte langsam durch, dass das Trainergespann Brandenburger/Danne die Mannschaft in Richtung FC Internationale verlassen wird und das hat die Stimmung natürlich ganz schön gedämpft.“

Die Feierlaune ließen sich die Spieler jedoch nicht gänzlich verderben und wurden vor allem bei den Heimspielen von „der alten Garde“ um Ehrenpräsident Michael Fischer unterstützt. Mit dem Aufstieg in die Bezirksliga feiern die Wilmersdorfer nämlich den größten Erfolg ihrer 54-jährigen Vereinsgeschichte und locken damit Zuschauer, die seit Jahren nicht mehr auf dem Platz an der Rüdesheimer Straße gesehen wurden.

Für die kommende Saison soll das Saisonziel dann jedoch etwas vorsichtiger ausfallen. Erst einmal gehe es darum, sich in der Bezirksliga zu etablieren. „Mit ein oder zwei guten Neuzugängen können wir bestimmt auch in der Bezirksliga oben mitspielen“, ist sich Mittelfeldmotor Herzog indes sicher. Da liegt jedoch das Problem, mit dem sich Clauss und die restlichen Verantwortlichen konfrontiert sehen. Mit geringen finanziellen Mitteln und ohne starke Jugendabteilung gestaltet sich die Spielersuche schwer. Dass in den nächsten Jahren ein Umbruch nötig ist, haben sie beim FC Grunewald jedoch erkannt.

Trainer Christian Brandenburger begründet seinen Abgang mit der besseren Perspektive bei Internationale. Seinem alten Team traut er in der Bezirksliga dennoch einiges zu: „Ein Mittelfeldplatz ist sicherlich drin, aber der Umbruch muss bald eingeleitet werden.“   Julian Graeber

Die 75 Tore für den FC Grunewald erzielten: Zaimov (25), Gercek (11), K. Emanet (8), Krautwald (6), Herzog (5), Mavroskoufis (4), Bakal (3), Uray (3), Hollaus (2), Demirkol, Gazorishandiz, Kayacan, Kilictepe, Leipner, Vahabovic, Yunukpinar sowie ein Eigentor.

 
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