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Das Aufstiegstrauma besiegt

Die Musterschüler des 1. FC Wilmersdorf schaffen die Rückkehr in die Berlin-Liga


Einige Beobachter rieben sich bei den Meisterfeierlichkeiten des 1. FC Wilmersdorf verwundert die Augen. „Aufstieg“ stand da wenig überraschend auf den obligatorischen T-Shirts, allerdings ergänzt mit einer durchgestrichenen 2009, die durch eine 2011 ersetzt worden war. Die Garderobe des frischgebackenen Champions litt keinesfalls unter mangelnder Vorbereitung. Vielmehr signalisierte die Botschaft, dass man nicht nur die versammelte Konkurrenz, sondern auch ein zweijähriges Trauma hinter sich gelassen hatte.

Rückblende. Bereits 2009 und 2008 hatte der FCW die Möglichkeit zur Rückkehr in die Berlin-Liga – und auf den letzten Metern alles verspielt. Besonders bitter war es vor eben zwei Jahren, als man am 29. Spieltag den Frohnauer SC durch ein 3:3 gegen Absteiger Friedenau vorbei ziehen ließ und die Relegation gegen Trabzonspor verlor. Die berüchtigten T-Shirts waren damals voreilig gedruckt worden.

„In den letzten Wochen haben wir oft an diese Zeit gedacht“, gibt Trainer Michael Michels zu. Die Vermeidung des Déjà-vu ist einem Reifeprozess geschuldet, den die seit dem 09er-Desaster zu großen Teilen unveränderte Mannschaft vollzog.

Erstmals agierte Wilmersdorf in dieser Spielzeit mit einem 4-2-3-1-System. Die Spieler hätten ihn um eine Umstellung gebeten, die in der Vorbereitung dann mit dem lernwilligen Team auch vollzogen wurde, so Michels. Mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Jacqueline und von Co-Trainer Jens Primke arbeitete der Coach in ballorientierten Übungseinheiten akribisch an der Verbesserung des Aufbauspiels. Die torgefährlichen Sechser Badtke und Shuleta interpretierten ihre Rolle weniger als klassische Abfangjäger und konnten dem Spiel nach vorne in einer für die Landesliga seltenen Qualität immer wieder entscheidende Impulse geben, die die Abteilung Vollstreckung dankbar annahm. Angesichts des in 102-facher Ausführung abgebrannten Offensivfeuerwerks ging ein weiterer Liga-Bestwert fast unter: Gerade einmal 23 Treffer ließen Keeper Peschutter und die meist von Bruckmann und Steinert organisierte Defensive zu.

Doch trotz des großen Potenzials war eine dominierende Rolle Wilmersdorfs in der Liga keinesfalls zwingend. Zu übermächtig erschien zumindest auf den Aufstellungsbögen die Konkurrenz von Makkabi und Staaken, zu mager waren die eigenen Ergebnisse im ersten Saisonviertel: Drei Siegen standen vier Remis gegenüber. Erst in der Schlussphase der verkürzten Hinrunde nahm der spätere Meister richtig Fahrt auf: Das 0:1 gegen Makkabi am 8. Spieltag sollte die erste und letzte Niederlage der Saison bleiben. Das Verletzungspech nach der Winterpause konnte die Serie nicht stoppen. „Der enorme Zusammenhalt hat uns durch diese Phase geführt“, so Michels. Schritt für Schritt verkürzte man den Rückstand auf die seit dem 9. Spieltag von der Pole Position grüßenden Staakener, ehe es am 17. April zum Showdown kam: Wilmersdorf siegte mit 1:0. Die wahre Bewährungsprobe stand jedoch noch aus. Würde das beste Team der Liga diesmal seinen Vorsprung über die Linie bringen können?

In den nächsten fünf Tagen nach dem Gipfel gegen Staaken standen zwei Spiele bei Tasmania und Köpenick-Oberspree an, in beiden Partien konnten die Wilmersdorfer tatsächlich nicht ihr wahres Leistungsvermögen abrufen – dennoch holte man vier Punkte und behauptete die Tabellenspitze. „Vor zwei Jahren hätten wir aus diesen Spielen wohl nur einen Punkt geholt“, so Michels. Dessen Team zeigte es in der folgenden Woche endgültig allen Skeptikern: Dem 2:1 gegen die TuS Makkabi folgten zwei souveräne Auftritte gegen die Reserven des LFC und BFC Dynamo – die Musterschüler von der Blisseritze hatten ihre Meisterprüfung vorzeitig mit Bravour bestanden. Und neue T-Shirts wurden inzwischen auch gedruckt. Philipp Stachelsky

Die 102 Tore für den 1. FC Wilmersdorf erzielten: Badtke (20), Appelt (16), Rentmeister (15), Sondermann (14), Shuleta (11), Mannigel (5), Steinert (5),  Häsen (4), von Gliszczynski (3), Kuntzsch (2), Pergl (2), Wollschläger (2), Demirkol, Korkutovic und Lenz.

 
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