Start Magazin Serie Berliner Champions Champions 2011 Eine Meisterschaft mit Ansage

Eine Meisterschaft mit Ansage

Nach 55 Jahren ohne Titel setzt sich Viktoria 89 in der Berlin-Liga souverän durch


Die Dominanz war erdrückend. Einen solch überlegenen Titelträger hat es in der Berlin- bzw. Verbandsliga bisher nicht gegeben. Viktoria 89, der zweimalige Deutsche Meister aus einer Zeit, als noch Stummfilme über die Kinoleinwände flimmerten, hat sich in der vergangenen Saison lautstark zu Wort gemeldet. Als die FuWo angesichts des gerade perfekt gemachten Aufstiegs von Hertha BSC Ende April zu Ehren von Berlins Nummer eins in Blau erschien, war Viktoria schon durch. Nach dem 1:0-Sieg am 17. April beim TSV Rudow war der Titel sicher. Fünf Spieltage vor Ende der Saison hatte der Traditionsklub aus Tempelhof 16 Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz und war nicht mehr einzuholen. Am Ende waren es gar 19 Zähler.

Nachdem man im Vorjahr noch dem 1. FC Union II den Vortritt lassen musste, hat es im zweiten Anlauf geklappt. 55 Jahre nach der letzten Meisterschaft 1956 holten die Himmelblauen nun ihren 17. Berliner Titel und machten wahr, was sie angekündigt hatten. Aus ihren großen Ambitionen hatten sie vor Beginn der Saison ohnehin nie einen Hehl gemacht, es war eine Meisterschaft mit Ansage. Nur das im Lauf der Monate entstandene Nebenziel, vielleicht die ganze Saison ohne eine Niederlage zu überstehen, wurde nicht erreicht. Als der schöne Frühling seinen Anfang nahm, endete die Serie an ungeschlagenen Begegnungen. In den Gastspielen bei Lichtenberg 47 und der VSG Altglienicke hieß es jeweils 0:1.

„Mia san mia“ heißt es für gewöhnlich bei den Bayern in München – und mit einer ähnlich breiten Brust stolzierten auch die Viktorianer durch die Liga. Nach den beiden Unentschieden am dritten und vierten Spieltag gegen Rudow (1:1) und Mahlsdorf (3:3) machten sie Ernst, es folgten zehn Siege am Stück. Mit dem wachsenden Selbstbewusstsein wurde auch der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz immer größer. „Dadurch hatten wir nicht diesen Druck, als wenn uns immer einer im Nacken gesessen hätte“, sagte Trainer Ersan Parlatan, für den trotz des perfekt erfüllten Auftrages nach dem letzten Spieltag die Klappe fiel. Sein bis zum 30. Juni laufender Vertrag wurde nicht verlängert, für den 33-jährigen Parlatan kommt der erfahrene Thomas Herbst.

Auf dem Platz hat Viktoria Maßstäbe gesetzt. In allen Mannschaftsteilen war das Team stark besetzt, hatte vor einem guten Schlussmann Rahden die beste Abwehr, das konstruktivste Mittelfeld, den effektivsten Angriff. Im Winter kamen mit Ümit Ergirdi und Timo Steinert zwei, die das Niveau weiter anhoben. Auf der Bank saßen Spieler, die wohl bei jedem anderen Berlin-Ligisten einen Stammplatz in der Startelf sicher hätten. Verletzungen wurden über die gesamte Saison leicht kompensiert, fiel einer aus, wurde er ohne Qualitätsverlust ersetzt. 16 gleichwertige Spieler – der  Konkurrenzkampf wurde belebt.

Einer aber stach trotzdem noch heraus: Michael Fuß. 44 der 103 Viktoria-Treffer gehen auf das Konto des Goalgetters, der am 21. Mai seinen 34. Geburtstag feierte. In der nächsten Saison will der Tore-Routinier noch einmal überregional in der Oberliga angreifen. Wie der ehrgeizige Klubchef Christoph Schulte-Kaubrügger, der Viktoria 89 gern als dritte Kraft hinter den „Platzhirschen“ Hertha BSC und 1. FC Union etablieren würde. Auch deshalb sei der Wechsel von Parlatan zu Herbst erfolgt, der den Verein konzeptionell weiterentwickeln soll. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ersan ist ein guter Typ und ein guter Trainer“, sagte Schulte-Kaubrügger, als die Entscheidung feststand. Aber offenbar trauen die Vereinsverantwortlichen Thomas Herbst eher zu, im nächsten Jahr im Vorderfeld der Oberliga einzukommen und die Qualifikation zur Regionalliga Nordost zu realisieren. Bernd Karkossa

Die 103 Tore für Viktoria 89 erzielten: Fuß (44), Kukulies (15), Marschel (9), Ilkan Senkaya (8), Ergirdi (5), Orzel (4), Leutloff (4), Ilter Senkaya (3), Hendschke (2), Jacobsen (2), Kelm, Orbay, Zimmermann, Fink, Steinert, Radjabali-Fardi, Andersen.

 
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