Mit Fairness zum Erfolg
BSV Hürriyet-Burgund schafft den Landesliga-Staffelsieg ohne Platzverweis.
Die Weddinger blieben auch in diesem Spiel gelassen. Es dauerte bis zur 89. Minute, ehe Dündar Yaka zum entscheidenden 1:0 traf. Italia war aus dem Rennen, Hürriyet-Burgund blieb vorn. Und einen Monat später mit dem 2:0 im letzten Spiel gegen Biesdorf wurde der Titel perfekt gemacht. Mit fünf Punkten Vorsprung auf Hürtürkel und neun Zählern auf Italia ging man über die Ziellinie der Landesliga (1. Abteilung) und kehrt in die Berlin-Liga zurück, der man als BSV Hürriyet noch vor der Fusion mit der DJK Burgund bereits für zwei Jahre von 2004 bis 2006 angehörte.

Die Weddinger verdienten sich den Titel mit dem mit Abstand besten Angriff (100 Tore) und der im neuen Jahr extrem verbesserten Defensive. Hatte man in zwölf Spielen 2010 28 Gegentore kassiert, so kamen in 18 Partien 2011 nur noch 14 weitere hinzu. In den letzten sieben Spielen machte die Hürriyet-Abwehr der Bank von England Konkurrenz und kassierte bei 30 selbst geschossenen Toren gar keinen Gegentreffer mehr.
Zwei Änderungen waren der Schlüssel zum durchschlagenden Erfolg. Zum einen stellte Güncü vor der Abwehr von zwei Sechsern auf einen Defensiven um und zog Güzer und Yaka weiter nach vorn. Die Rolle des alleinigen Sechsers füllte Hikmet Polat fortan mit Bravour aus. Zum anderen trennte man sich nach dem 1:1 gegen Südwest am 23. Spieltag von Biyiklioglu. „Das tat mir zwar leid, aber es musste sein“, so Güncü. „Fatih ist ein Superfußballer, und außerhalb des Platzes auch ein ganz dufter Typ, aber während des Spiels zu undiszipliniert. Da hat er einfach zu viel Unruhe in die eigenen Reihen gebracht.“
Eine weitere Schlüsselszene ereignete sich im Topspiel Ende März gegen Hürtürkel. Die Gäste führten vor der Pause 4:2, dann leistete sich deren Keeper Karimi eine Tätlichkeit, flog vom Platz. Hürriyet kam in einem Klassespiel noch zu einem 5:5 – Cicek traf in der 3. Minute der Nachspielzeit. Im Gegensatz zu Hürtürkel kam Hürriyet ohne Rote Karte durch die Saison. Güncü: „Darauf bin ich besonders stolz.“
Weitere Pfeiler des Erfolgs waren neben den Mittelfeldakteuren Güzer und Fatih Erdem und Angreifer Cicek vor allem auch Dogan, der nach einem Kreuzbandriss in der Hinrunde noch nicht ganz fit war, der in der Rückrunde aber immer stärker wurde, sowie die jungen Ünal oder Asikoglu, die schnell verstanden haben, worauf es Güncü und seinem kongenialen Co-Trainer Erkan Erdogan ankommt.
„Denkt immer daran, dass überall auf der Welt Kinder vor Hunger sterben, während wir nur Fußball spielen“, ist ein Credo, das die Trainer ihren Jungs mit auf den Weg geben. Und wenn der Gegner mal besser ist, kein Problem: „Dann geben wir ihnen die Hand und gratulieren ihnen für ihre gute Leistung“, sagt Güncü, der Lehrer an der renommierten Friedensburg-Oberschule in Charlottenburg ist und wohl auch deshalb in seinen Trainerjob mehr pädagogisch wertvolle Aspekte einfließen lässt als andere.
Oft mussten sie dem Gegner aber nicht gratulieren in der abgelaufenen Saison, die bessere Elf war fast immer Hürriyet. Und mit ihrem fairen Auftreten haben sich die Weddinger neue Freunde in der Liga gemacht. Der Grundtenor bei vielen Konkurrenten war: Die waren die beste Mannschaft, die haben sich den Aufstieg wirklich verdient. Die Berlin-Liga jedenfalls kann sich über eine echte Bereicherung freuen. Bernd Karkossa
Die 100 Tore für BSV Hürriyet-Burgund erzielten: Cicek (24), Ö. Senkaya (17), Yaka (16), F. Erdem (12), Kart (8), Güzer (7), Elemen (6), S. Erdem (4), Ünal (2), Biyiklioglu, Asikoglu sowie zwei Eigentore.
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