Am Ende 16 Punkte voraus
Grün-Weiss Neukölln verliert nur ein Spiel und steigt souverän auf.
Die Saison hatte am Sonntag, dem 29. Mai, ein Ende. Die Ferien winkten. Da sagte der Trainer: „Wer will, kann am Dienstag zum Training kommen, wohlgemerkt, nur wer will.“ Am Dienstagabend traute Wolfgang Wandke seinen Augen nicht. Zum Platz an der Johannisthaler Chaussee kamen 16 Spieler. „So eine verschworene Gemeinschaft habe ich noch nie erlebt“, fühlte sich der Trainer bestätigt, „das ist Teamgeist, wie ihn sich jeder Trainer wünscht.“ Und Wandke hat schon viele Mannschaften trainiert.
BSV Grün-Weiss Neukölln, vor einem Jahr aus der Kreisliga A abgestiegen, beherrschte die 1. Abteilung der Kreisliga B vom dritten Spieltag an. Nach einem 0:1 bei BSV Hürtürkel II am 5. September siegten die Neuköllner 23 Mal und spielten dreimal Unentschieden. Bereits fünf Spieltage vor Saisonschluss feierten sie den Wiederaufstieg. Ihr Vorsprung vor dem Tabellenzweiten betrug 16 Punkte.

„Wir fanden eine gesunde Mischung zwischen erfahrenen Spielern wie König und Neef, beide 39 Jahre, und jungen Wilden wie zum Beispiel Torwart Colditz, Sasse oder Wehage, alle 18 Jahre“, nennt Wandke einen Grund. Außerhalb des Fußballplatzes unternahmen die Spieler Vieles gemeinsam. Das schweißte zusammen.
Als Höhepunkt der Saison bezeichnet Wandke das 4:0 bei RW Hellersdorf II am 10. April: „Da spielten wir auf hohem Niveau. Das war Fußball vom Feinsten.“ Auch daheim hatten sie den anderen Aufsteiger zur A-Liga mit 4:0 besiegt. Überhaupt: Wenn anderen Mannschaften nach einer Stunde die Luft ausging, waren die Neuköllner meist in der Lage, noch einen Gang zuzulegen.
Am Anfang der Saison hatte der Trainer, erst seit 1. Januar 2010 im Amt, einige Spieler „in die Wüste“ geschickt. Er baute die Mannschaft neu auf. Die Spieler sagten: „Trainer, wir wollen aufsteigen!“ „Hut ab“, dachte Wolfgang Wandke, „ich selber näherte mich diesem Thema Ende November, als wir an die Spitze kletterten.“ Und sie nicht mehr abgaben.
In der Kreisliga A wollen die Neuköllner eine gute Rolle spielen. „Erst wenn wir 40 Punkte haben, blicke ich auf die oberen Plätze“ geht der Trainer an die neue Aufgabe wirklichkeitsnah heran. Von den Neuzugängen Blume (SF Neukölln Rudow), Engel (Lichtenrader BC), Kabak (Club Italia) und sechs A-Jugendlichen aus dem eigenen Nachwuchs (darunter Kapheim und Lisowski, die im Mai schon Tore für GW Neukölln schossen) erwartet er gleichen Einsatz und Ehrgeiz wie von den zuletzt Erprobten. Neu sind auch Torwart-Trainer Tilo Paulenz und Physiotherapeut Doron Peker. Sie ergänzen den Stab um die bewährte Betreuerin und Zeugwartin Petra Fink sowie Co-Trainer „Mi- cha“ Kleine. Die Mannschaft verlassen König (Co-Trainer beim Lichterfelder FC), Neef (zu den Senoren), Pritzel (Studium in Bayern) und Wildner (Studium in Cottbus).
Am 11. Juli beginnt die Vorbereitungszeit mit täglichem Training bis zum 1. Spieltag. Wenn die Saison anläuft, dann trainieren die Neuköllner, wie gehabt, dreimal pro Woche. Testspiele gibt es nur gegen Mannschaften aus höheren Spielklassen. Fest gebucht sind schon Spiele gegen die Reinickendorfer Füchse, bei RSV Mellensee in Brandenburg und gegen BW Großgallow bei Cottbus.
Probleme hatte der Trainer in der zurückliegenden Spielzeit so gut wie keine zu lösen. Oder doch? „Es hat mir oft wehgetan, wenn ich einigen Jungs sagen musste: Du spielst am Sonntag nicht“, gibt Wandke zu, „da haben 18 Spieler in jeder Woche sehr gut trainiert, aber nur elf von ihnen dürfen ein Spiel beginnen.“ Kurt Auerbach
Die 120 Tore für Grün Weiss Neukölln erzielten: E. Engelhardt (33), Pürschel (11), Wehage (11), Petz (8), Himmler (7), Schmitz (7), Kaluzny (5), Lisowski (5), Kerstan (4), König (4), Müller (4), Sasse (4), Michaelis (3), Wildner (3), Dumkow (2), Kapheim (2), H. Nowack (2), Sperling (2), Hoff (1), Neef (1), Pritzel (1).
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