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Mit Mütze und Strumpfhose

Der Sportmediziner Thorsten Dolla erklärt, was Fußballer bei eisigen Temperaturen möglichst beachten sollten.

Thorsten Dolla (48) ist Orthopäde und Sportmediziner mit eigener Praxis in der Charlottenburger Reichsstraße. Dolla arbeitete unter anderem als Mannschaftsarzt von Hertha BSC (1989 bis 1997). Im vorigen Jahr betreute er als Mannschaftsarzt die deutsche U19-Nationalmannschaft.

FuWo: Ab welchen Minusgraden wird Sport im Freien eigentlich gefährlich?

Thorsten Dolla: „Generell lässt sich die Frage nicht beantworten. Sicherlich kann man bei minus zehn Grad noch Sport treiben. Aber dann sollte man auch gewisse Regeln einhalten. Bei kalten Temperaturen tritt eine Mehrbelastung für den Bronchialtrakt auf, wenn der Sportler durch den Mund die kalte, trockene Luft einatmet. In einem Champions-League-Spiel wurde schon mal bei knapp minus 20 Grad gespielt. Da hielte ich dann unter gesundheitlichem Aspekt eine Spielabsage für besser.“

Sie haben Regeln angesprochen, die bei Eiseskälte eingehalten werden sollten. Welche sind das?

Dolla: „Wichtig ist es, die Kleidung anzupassen an die Temperaturen. Man sollte Thermounterwäsche tragen, die den Schweiß nach außen transportiert, dazu langärmelige Trikots und Handschuhe, gegebenenfalls auch Mützen und Strumpfhosen. Es gibt auch Thermo-Einlegesohlen für Fußballschuhe. Baumwoll-T-Shirts drunter zu tragen, ist übrigens nicht so ratsam. Die saugen den Schweiß nur auf und man sollte, wenn man seine sportliche Betätigung unterbricht oder beendet, die nassen Shirts nach Möglichkeit sofort wechseln.“

Ist das Schwitzen nicht gerade bei hohen Minustemperaturen gefährlich? Da kann man sich doch schnell mal eine Erkältung einfangen.

Dolla: „Nicht das Schwitzen ist gefährlich, sondern vielmehr der Verlust an Wärme und auch an Flüssigkeit. Die Spieler müssen laufen, sie müssen sich bewegen. Wer viel herumsteht, der kriegt auch schneller eine Erkältung.“

Steigt im Winter eigentlich auch die Zahl muskulärer Verletzungen bei Fußballern?

Dolla: „Besonders bei starker Kälte darf das Warm up nicht zu kurz ausfallen. Der Muskel braucht da länger, um gut durchblutet zu werden. Wer sich nicht ausreichend warm macht, riskiert eher Muskelverletzungen.“

Gibt es spezielle Ernährungsformen für Fußballer, wenn Frost kommt?

Dolla: „Bei einer vernünftigen Ernährung sind die Sportler heutzutage ausreichend mit Vitaminen versorgt. Im Einzelfall können auch mal Nahrungsergänzungsmittel gegeben werden. Und es ist sicherlich auch gut, wenn in der Kabine ein Teller mit Apfelsinen, Äpfeln, Bananen und Kiwis herumsteht.“

Und der vielzitierte heiße Pausentee...

Dolla: „Der ist im Winter sehr sinnvoll. Kalte Getränke würden dem Körper ja nur Wärme entziehen. Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass der Mensch bei Kälte generell nicht so viel Durst hat wie im Sommer, aber natürlich verliert der Körper beim Sport auch in der Kälte Flüssigkeit. Hier gilt es darauf zu achten, einen Ausgleich zu schaffen, also ausreichend zu trinken.“

Muss ein Fußballtrainer seine Übungsstunden im Winter anders gestalten?

Dolla: „Ein erfahrener Trainer wird die Trainingsgestaltung auch den äußeren Temperaturen anpassen. Wenn das Team erfolgreich sein will, muss selbstverständlich auch im Winter trainiert werden. Bei extremer Kälte kann das Training auch schon mal in die Halle verlegt werden.“

Interview: Karsten Doneck

Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der

Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 6)

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Aktualisiert (Donnerstag, 09. Februar 2012 um 13:34 Uhr)

 
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