"Unbezahlbare Arbeit"
Beim Ehrenamtstag des BFV werden Berlinerinnen und Berliner für ihr Engagement geehrt. Der jüngste Preisträger ist gerade einmal 18 Jahre alt.
Von Fabian Friedmann
Erich Beer musste viele Hände schütteln an diesem Sonnabend. Der BFV beging seinen Ehrenamtstag und der ehemalige Mittelfeldmotor der Hertha ließ es sich nicht nehmen, zusammen mit BFV-Präsident Bernd Schultz die ehrenamtliche Berlinerinnen und Berliner für ihr jahrelanges Engagement in den Vereinen zu danken und auszuzeichnen.
„Ohne solche Helfer würden viele Sportler nicht das werden, was sie heute sind“, sagte Beer vor den geladenen Gästen im Haus des Fußballs. Dabei war „Ete“ Beer etwas gehandicapt in der Humboldtstraße erschienen. Stunden zuvor hatte der bescheidene Franke noch die 1:2-Niederlage seiner Hertha gegen den HSV im Olympiastadion beigewohnt und wohl etwas zu lautstark seine Berliner angefeuert.
Eine heisere Stimme war der „Lohn“ für den 65-Jährigen, der nach wie vor Herthaner mit Leib und Seele ist, auch 33 Jahre nach seinem letzten Bundesligaspiel für die Blau-Weißen. BFV-Präsident Bernd Schultz bedankte sich bei Hertha BSC für die Einladung ins Stadion für die 43 Ausgezeichneten und betonte zudem, dass die Helfer in den Vereinen viel Arbeit im sozialen Bereich erbringen, die letztlich für Integration und Gewaltprävention stehe. „Ehrenamtsträger leisten Arbeit, die nicht zu bezahlen ist, ohne sie würde Fußball in Deutschland nicht funktionieren“, so Schultz.
Der Ehrenamtliche des Jahres heißt Vicente Januario und hat viel imsozialen Bereich geleistet (FuWo berichtete ausführlich). Januario hat beim Training, das „Sprachfoul“ eingeführt. Um deutsch auf dem Platz durchzusetzen ist es für die Kinder unter eine Verwarnung gestellt etwa in russisch oder türkisch zu schimpfen. Beim zweiten „Foul“ gibt es Gelb-Rot und es heißt ab unter die Dusche.
Denn „gepflegte Umgangsformen und gegenseitiger Respekt sind uns sehr wichtig“, sagt Januario. Gerade mal 18 Jahre alt war der jüngste Preisträger. Robin Moerer vom VfB Hermsdorf ist selbst noch aktiver Fußballer in der A-Jugend, betreut zudem die 1.G-Junioren und ist seit 2008 Co-Trainer der 1. D-Junioren. Moerer hat schon in seinen jungen Jahren den Anspruch, theoretisch immer auf dem neuesten Stand zu sein und nimmt daher an Stützpunktlehrgängen teil, dazu erwarb er zuletzt den Schiedsrichterregelschein. Mal sehen, wo die Karriere des engagierten jungen Mannes endet. Unter den Geehrten waren neben Trainern und Funktionären auch Schiedsrichter die für ihr Dienstjubiläum ausgezeichnet wurden.
Referee Gerd Matzke wurde beispielsweise das BFV-Ehrenschild verliehen für stolze 50 Jahre an der Pfeife. Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes Berlin (LSB), hob in seiner Laudatio die Wichtigkeit der Helfer in den kleinen Vereinen hervor und beeindruckte darüber hinaus mit etwas Fußballsachverstand: „Die Hertha hätte heute einen jungen Erich Beer gut hätte gebrauchen können“, sagte Böger. Wohl wahr! Möge der Fußballer Erich Beer heute aus dem kollektivem Gedächtnis verschwunden sein, so sind seine Ansichten doch immer noch auf der Höhe der Zeit: „Für Kinder ist das wichtigste in der Gemeinschaft aufzuwachsen. Der Fußball kann genau das leisten, auch dank der ehrenamtlichen Helfer.“
Silberne Ehrennadel für elf Berliner Schiris
Auf dem Berliner Ehrenamtstag erhielten elf Schiedsrichter, die seit 20 Jahren und darüber hinaus aktiv sind, die Silberne Ehrennadel des Berliner Fußball-Verbandes: Günter Burow (BSC Rehberge), Enno Krüger (SC Siemensstadt), Karsten Nowack (Berolina Mitte), Ernst Ottenbreit (TSV Helgoland), Zoltan Filep (Westend 01), Manfred Beier (SF Kladow), Peter Michael Gransee (TSV Rudow), Christoph Hutzler (Hertha BSC), Andre Brandt (Frohnauer SC), Christian Ernst (Westend 01), Gerd Matzke (Akademie der Wissenschaften).
Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 5)
Aktualisiert (Donnerstag, 02. Februar 2012 um 13:30 Uhr)
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