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Mahnbescheide vom Senat

Der Streit um das Vereinsheim des 1. FC Neukölln hält an. Nun fordert die Senatsverwaltung von einigen Vereinsmitgliedern, die einst für den Traditionsklub gebürgt hatten, die Rückzahlung eines Darlehens. Es geht um knapp 300.000 Euro.

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Von Ulli Meyer

Den Jahreswechsel hatte sich Michael Eichler ganz anders vorgestellt. Grüner Tee statt Sekt, Magenschmerzen statt Vorfreude auf 2012. Der Grund: Kurz vor Silvester flatterte dem ehemaligen Spieler des 1. FC Neukölln ein Mahnbescheid über rund 12.500 Euro ins Haus. Absender: die Senatsverwaltung für Inneres und Sport.  Eichler spielte in den 90er Jahren für den „Club“. Damals stand der Traditionsverein aus dem Jahre 1895 noch besser da als heute in der Bezirksliga.

Der Hertzbergplatz an der Sonnenallee war eine über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Adresse. Zum 100-jährigen Bestehen wurde 1995 das neue Vereinsheim mit Casino und Geschäftsstelle eröffnet, finanziert zu 60 Prozent mit einem zinslosen Darlehen, das der Verein durch die Pachteinnahmen aus dem Casino zurückzahlen musste. 59 Vereinsmitglieder unterschrieben seinerzeit eine Bürgschaft, um dieses Darlehen abzusichern. Michael Eichler war einer von ihnen. Nun hat er ein Problem, obwohl er dem 1. FC Neukölln „seit 16 Jahren nicht mehr angehört“. Knapp vier Jahre ist es her, da brachten es die heftigen Streitereien um das Clubheim, ausgetragen zwischen Verein, Bezirk und Senat, sogar bis ins Fernsehen. Der „Club“ wurde vom Hertzbergplatz verbannt.

Am 7. April 2008 setzte das Gericht die Zwangsräumung durch; der 1. FC Neukölln war heimatlos. Bis dahin hatte der „Club“ zwar seine jährlichen Pachteinnahmen in Höhe von 22.500 Euro zur Tilgung des Darlehens erbracht. Damit war nun Schluss, weil dem Verein die einzige Einnahmequelle für immer genommen worden war.  Streitereien gab es schon vorher, weil das Bezirksamt eine Pachterhöhung als Grundstückseigentümer, aber nicht als Besitzer des Vereinsheims durchsetzen wollte. Den daraus resultierenden Rechtsstreit gewann der 1. FC Neukölln in allen Instanzen.  Bezirksamt schickt Testkäufer Letzteres muss Heinz Buschkowsky, damals wie heute Bezirksbürgermeister von Neukölln, übel aufgestoßen sein. Der SPD-Politiker schickte 2003 und 2004 sogenannte Testkäufer ins Casino. Diese bestellten Speisen und Getränke, die sie auch erhielten – und bezahlten.

Prompt ordnete das Bezirksamt eine  Abmahnung an, denn der Pächter des Casinos dürfe laut Vertrag nur Vereinsmitglieder und deren Gäste bewirten. „Wer Foul spielt, fliegt vom Platz. Auch für einen Traditionsverein gelten Recht und Gesetz – mit der Konsequenz, dass der 1. FC Neukölln das Gelände verlassen muss“, sagte Buschkowsky fünf Wochen vor der Zwangsräumung gegenüber der Fußball-Woche und sprach ferner von „Schwarzgastronomie“. Inzwischen gibt es im Vereinscasino an der Sonnenallee schon lange keine Buletten mehr. Die Räumlichkeiten nutzen unter anderem der BSV Hürtürkel und der 1. SV Galatasaray. Und der Bezirk als neuer Eigentümer kassiert Miete. Der 1. FC Neukölln ist derweil in eine provisorische Geschäftsstelle auf einem Parkplatz eines Autohändlers umgezogen. Was dem „Club“ aber bleibt, sind Schulden.

Vom zinslosen Darlehen, das einst 563.000 Euro betrug, sind noch 292.000 Euro offen. Diese Summe fordert der Senat jetzt von 19 Gläubigern zurück. „Die einzelnen Bürgschaftssummen bewegen sich zwischen 2500 und 25.500 Euro“, verlautete in der vergangenen Woche aus der Senatsverwaltung, nachdem der Verein im Mai 2011 vor Gericht erklärt hatte, dass er die jährlichen Raten in Höhe von 22.500 Euro nicht zurückzahlen kann. Wovon auch?  Das alles hat Michael Eichler erst kurz nach Weihnachten erfahren. Aber er ist nicht der einzige, der unlängst einen Mahnbescheid erhielt. Auch Detlef Carus, seit 1966 Mitglied und von 1980 bis 1982 Vorsitzender des 1. FC Neukölln, soll zahlen – und zwar satte 25.564 Euro. „Ich habe bereits Widerspruch eingelegt“, so Carus, der damals mit 50.000 D-Mark bürgte. Carus, Eichler und weitere (Ex-)Neuköllner Vereinmitglieder treffen sich noch im Januar mit einem Rechtsanwalt, um gemeinsam die weitere Vorgehensweise auszuloten.

Carus fragt sich vor allem, „warum ich die volle Summe der Bürgschaft zurückzahlen soll“. Schließlich wurde durch die Pachteinnahmen knapp die Hälfte des Darlehens bereits getilgt. Fraglich ist ferner, warum der Senat Mahnbescheide an nur 19 Bürgen verschickt hat. Von den ursprünglich 59 Bürgen, die vor knapp 20 Jahren den Neuköllner Traditionsverein mutig unterstützt haben, leben schließlich noch 48.

Diesen und viele weitere Artikel in voller Länge finden Sie in der

Fußball-Woche (Ausgabe Nr. 2)

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Aktualisiert (Donnerstag, 12. Januar 2012 um 13:04 Uhr)

 
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