05.01.2018

„Was die anderen machen, ist mir wurscht“

Interview mit René Rydlewicz (BFC Dynamo)

Trainiert seit eineinhalb Jahren den BFC Dynamo: René Rydlewicz. Foto: JouLux

Als Jugendspieler war René Rydlewicz unter anderem für Energie Cottbus und den BFC Dynamo aktiv, ehe es den heute 44-Jährigen in die Bundesliga zog. Stolze 278 Erstligaspiele (29 Tore) schmücken seine Vita, die meisten davon für Hansa Rostock. Die weiteren Stationen seiner Profikarriere: Bayer Leverkusen, 1860 München und Arminia Bielefeld. Seit eineinhalb Jahren trainiert der Fußballlehrer den BFC Dynamo, mit dem er in der vergangenen Saison den Landespokal gewann und aktuell auf Platz 2 der Regionalliga Nordost überwintert. Nahezu uneinholbar vorn: der FC Energie Cottbus, mit dem Rydlewicz weiterhin einiges verbindet. Cottbus ist nicht nur sein Wohnort, beim FC Energie arbeitete er nach seiner Karriere auch mehrere Jahre als Jugendcoach sowie als Co-Trainer der Profis, zuletzt in der Saison 2015/16 in der 3. Liga.

FuWo: Hand aufs Herz, Herr Rydlewicz: Kann Energie Cottbus als Tabellenführer der Regionalliga Nordost bei 14 Punkten Vorsprung auf den BFC Dynamo schon die Aufstiegsspiele zur 3. Liga fest einplanen?

Rene Rydlewicz: „Cottbus ist nicht mein Thema. Mit geht‘s um den BFC Dynamo, darum, dass sich die Mannschaft vernünftig weiterentwickelt. Es gilt, sich immer zu verbessern. Vor allem in der Defensive müssen wir stärker werden. Wir haben zu viele Tore bekommen. Immerhin: Das ist im Laufe der Hinserie besser geworden.“

Sie sind nicht nur Trainer beim BFC, sondern seit dem Weggang von Angelo Vier zum Zweitligisten FC Ingolstadt auch kommissarischer Sportdirektor. Was war Ihr erster Gedanke, als Anfang Dezember auf dem DFB-Bundestag beschlossen wurde, dass in der kommenden Saison der Meister der Regionalliga Nordost direkt aufsteigt?

Rydlewicz: „Für die Liga ist das toll und für uns eine Chance, wenn wir es schaffen, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen. Ich bin beim BFC aber nur für das Sportliche zuständig, nicht für das Finanzielle.“

Erwarten Sie jetzt ein gewisses Wettrüsten in der Regionalliga Nordost?

Rydlewicz: „Wir werden auf jeden Fall vernünftig arbeiten. Was die anderen machen, ist mir wurscht. Aktuell haben wir eine vernünftige Mannschaft und die wollen wir sinnvoll ergänzen.“

Blicken Sie eigentlich mit Sorge auf die aktuelle Tabelle der 3. Liga? Mit Erfurt und Chemnitz stehen zwei Schwergewichte aus dem Nordosten ganz am Ende; auch Zwickau, Halle und Jena sind alles andere als frei von Sorgen. Die Konkurrenz in der neuen Saison könnte erneut groß sein, selbst wenn Energie Cottbus in die 3. Liga aufsteigt.

Rydlewicz: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es am sinnvollsten ist, wenn man sich um seine eigene Sachen kümmert. Der BFC Dynamo ist ein guter Verein. Er ist gut strukturiert, ob Geschäftsstelle, ob Jugendabteilung, ob das gesamte Drumherum.“

Andererseits: Der BFC Dynamo hat durch den Mega-Vorsprung der Cottbuser schon jetzt eine gewisse Planungssicherheit. Leistungsträger wie Torwart Hendl, Kapitän Cubukcu, Cepni, Silva oder Rausch haben in den letzten Tagen bereits verlängert; auch Sie und Ihr Co-Trainer Martino Gatti haben einen neuen Vertrag bis Juni 2019 unterschrieben. Das lässt vermuten, dass der BFC schon fleißig am Kader der neuen Saison bastelt.

Rydlewicz: „Naja, das hat aber nichts mit Energie Cottbus zu tun. Die Spieler, die schon verlängert haben, sind gern bei uns. Das ist doch ein sehr gutes Zeichen. Wenn man in der Tabelle oben steht, ist man als Spieler gefragt. Bei unseren Spielen sind immer jede Menge Scouts. Das sagt doch alles. Aber die Spieler sagen: Der BFC Dynamo ist jetzt unser Verein. Und hier haben wir die Möglichkeiten, uns weiterzuentwickeln. Das ganze Umfeld stimmt, die Trainingsmöglichkeiten sind sehr gut. Daher habe auch ich meinen Vertrag gern verlängert.“

Und wann verlängert Toptorjäger Rufat Dadashov, der sagenhafte 19 Treffer in 18 Spielen erzielt hat und dessen Vertrag Ende Juni ausläuft?

Rydlewicz: „Alles zu seiner Zeit. Jeder Spieler hat seine eigene Entscheidungsgewalt. Ich möchte Dadashov natürlich gern behalten. Aber er ist mit Sicherheit auch interessant für andere Vereine. Dass man sich beim BFC gut entwickeln kann, hat doch schon die letzte Saison gezeigt. Dennis Srbeny zum Beispiel stürmt jetzt für den SC Paderborn in der 3. Liga und überwintert auf Platz 2. Grundsätzlich aber gilt: In einem gewissen Alter ist ein gutes Umfeld wichtiger als das Geld.“

Derweil hat der Verein mit einer international tätigen PR-Agentur einen neuen Sponsor für den „Club1966“ gefunden, der, so heißt es, mit seinem Engagement „zur Mission Aufstieg 2018/19“ beitragen will. Und Peter Meyer, der langjährige Vorsitzende des Wirtschaftsrates, sagt, dass aufgrund der neuen Aufstiegsregelung „nun der Zeitpunkt ist, auf den wir alle gewartet haben“. Das hört sich ja fast schon so an, als sei der BFC Dynamo in der kommenden Saison zum Aufstieg verdammt.

Rydlewicz: „Das ist doch alles legitim. Wünsche, Träume, Hoffnungen sind da. Das ist gut. Aber ich bin auch immer realistisch. Der erste Schachzug kann nur sein, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Andere Vereine wie Cottbus, Nordhausen oder Altglienicke haben in dieser Saison bessere finanzielle Bedingungen. Wir sind eher auf einer Stufe mit Babelsberg. Aber wenn bei uns alle an einem Strang ziehen, können wir eine gute Truppe an den Start bringen.“

Interview: Ulli Meyer

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