19.03.2018

Von Delmenhorst nach Katar

Beeindruckende Vielfalt beim 11mm-Fußballfilm-Festival – Los geht‘s am Donnerstag

„Die Spartaner – Ein Traum vom Kriege verwehrt“ – FuWo-Mitarbeiter Frank Toebs präsentiert auf dem Festival Ausschnitte aus dem ersten Fußball-Lehrfilm.

Das Genre Fußballfilm ist endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Zeiten, in denen hölzerne Charaktere oder darstellungssüchtige Profis in Pseudo-Western durchs Bild staksten, gehören schon länger der Vergangenheit an. Wie wunderbar, dass es in dieser Stadt bereits seit vielen Jahren fußballbegeisterte Cineasten gibt, die in mühevoller, meist ehrenamtlicher Tätigkeit dieser Entwicklung nachkommen und uns einmal jährlich auf den Stand der Dinge bringen: beim 11mm-Festival im Kino Babylon in Mitte. Und so aktuell, so sehr die gesellschaftliche Entwicklung begleitend und kommentierend, war dieses weltweit größte Festival seiner Art, das vom 22. bis 26. März seine 15. Auflage erlebt, noch nie.

Das wird bereits durch die Kategorisierung deutlich: Die Sektion Fußball und Macht untersucht die Wechselwirkung des Fußballsports mit den Mächtigen der Vergangenheit und Gegenwart. So gelang es zwei Journalisten, mit nordkoreanischen Nationalspielern des 1966er-Teams, das es bis ins WM-Viertelfinale schaffte, ins Gespräch zu kommen – „The game of their lives“. Der Film „WM-Sieg unter Folter“ beschäftigt sich mit der WM 1978 unter der argentinischen Militärjunta; „Men in the arena“ verfolgt den Weg zweier somalischer Nationalspieler in ihrem von Krieg und Vertreibung gebeutelten Heimatland. Dies sind nur einige Beispiele dieser engagierten Sammlung, während ein ganz besonders eindringlicher Streifen das diesjährige Festival am Donnerstag eröffnet: „The Workers Cup“ – eine Dokumentation, die Katars Stadion-Bauarbeiter nicht nur in ihrem Alltag beobachtet, sondern deren ganz eigenes Fußball-Turnier mitfilmte.

Die WM 2018 ist Anlass für die Reihe „Fußball im Russischen Film“ (23. bis 28. März) im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur. Gezeigt werden sieben russische Spiel- und Dokumentarfilme aus 54 Jahren russischer Fußballfilmgeschichte. Aam „Day of British Football Films“ stehen am Sonnabend u.a. englische Fußball-Legenden wie George Best und Kenny Dalglish im Mittelpunkt des Geschehens. Neben diesen Sektionen gibt es natürlich weitere nationale und internationale Produktionen zu sehen: Auch wenn die Juventus-Story denn doch ein bisschen zu selbstgefällig daherkommt, so erinnert uns „Das Double 1977/78“ bewegend an bessere Zeiten des 1. FC Köln, filmische Reisen führen uns sowohl zur weltweiten Fangemeinde des FC Bayern („Mia san mia“) als auch in die Ebene des Oldenburger Landes, zum wieder erstarkten SV Atlas Delmenhorst. 


Erstmals kürt eine Jury (u.a. mit Michael Preetz und Henning Harnisch) den besten Festival-Film, ebenso wie am kommenden Montag als Abschluss der 11mm-Shortkicks-Reihe der beste Kurzfilm prämiert wird. Es ist in der Tat ein wahres Vergnügen, das Programmheft respektive die Website www.11-mm.de zu studieren – und da wir einige Filme schon vorab anschauen durften, können wir diesmal aus eigener Erfahrung sagen: Es lohnt sich einmal mehr. Und wann bietet sich sonst schon die Gelegenheit, nicht nur solche Perlen zu entdecken, sondern darüber hinaus noch mit zahlreichen Filmemachern sowie Fußballstars von gestern und heute ins Gespräch zu kommen ...

Christoph Jungmann

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